Unternehmen und ihre Erfolgsgeschichten

Wie können Schweizer Betriebe noch wachsen?

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SAVOIR FAIRE hat Unternehmerinnen und Unternehmer nach ihren Wachstumsrezepten gefragt. Vier Beispiele, wie man den nächsten Wachstumsschritt machen kann.
 

«Wir waren zum Wachstum gezwungen»

Audi

Raphael Vogel, Co-Inhaber und -Geschäftsleiter der Garage PP Autotreff in Wittenbach SG

«Wir haben immer gesagt: 25 oder maximal 30 Mitarbeiter, das reicht. Nun sind wir 70 ‒ es ging nicht anders: Die AMAG wollte einen Standort in der Ostschweiz, wir sind in die Bresche gesprungen und waren dadurch gezwungen, zu wachsen und unseren Betrieb zu vergrössern. Das war ein Spiessrutenlauf: Boden erwerben, den Vertrag aushandeln, den Neubau planen und die Finanzierung organisieren. Mein Bruder stellte sicher, dass der Betrieb weiter lief, ich habe mich auf die Expansion konzentriert. Das Schwierigste war, dass wir keine Referenzzahlenhatten. Wir waren quasi Piloten im Blindflug. Den Neubau haben wir mit Raiffeisen finanziert und klare Ziele für die Tilgung der Schulden ausgearbeitet, die wir damit angehäuft haben. Die AMAG hat uns Fremdkapital in Form von Autos vor die Tür gestellt, von denen wir nur den kleineren Teil sofort bezahlen mussten. Wir sind nun seit Ende 2016 im Neubau, mit 30 zusätzlichen Mitarbeitern. Bis jetzt läuft es umsatzmässig über dem Businessplan, kostenmassig allerdings auch. Schlaflose Nachte habe ich aber deswegen nicht, ich bin zuversichtlich, dass wir das grosse Wachstum meistern werden. Unsere neue Garage ist definitiv ein Leuchtturm in der Region.»

«Wir haben den Kurs geändert, um zu wachsen»

Werbebild VIU

Peter Käser, Mitgründer von VIU in Zürich

«Wir hatten eine klare Vision: den Brillenmarkt aufzumischen und unsere Modelle nur online zu vertreiben. Der Start war nach einer ersten Finanzierungsründe 2013 geglückt, möglich gemacht dank der 3F ‒ Friends, Family and Fools. Das Feedback auf unsere Brillen war ausschliesslich positiv, aber wir mussten sehr schnell einsehen, dass das mit dem reinen Onlinevertrieb nicht funktioniert. VIU-Kunden wollen die Modelle anprobieren. So haben wir erst einen kleinen Showroom in Zürich eröffnet, dann ein weiteres Lokal in Basel. Heute haben wir in der Schweiz neun, in Deutschland elf und in Osterreich zwei Geschäfte und beschäftigen mehr als 120 Mitarbeiter. Wo wir Unterstützung brauchen, holen wir sie. Was wir uns zutrauen, probieren wir auch aus. Wenn etwas nicht klappt, versuchen wir es halt anders. Diesen Geist haben wir uns bewahrt und mit VIU viel mehr erreicht, als wir je erhofft haben. VIU ist in Kürze eine begehrte Marke geworden und hat Erfolg. Gute Mitarbeiter zu finden ist für uns nicht schwer: Wir setzen auf Authentizität. Kleidervorschriften oder ein Tattoo-Verbot gibt es nicht. Uns ist wichtig, dass unsere Leute von VIU begeistert sind, dann sind sie auch motiviert ‒ und die besten Markenbotschafter.»

«Ohne Diversifikation hätten wir längst aufgeben müssen»

Brigitte Dähler-Inauen

Brigitte Dähler-Inauen, Bäuerin in St.Gallen

«Als der Milchpreis in den 1980er-Jahren sank und sank, mussten wir uns etwas einfallen lassen, um als Bauern weiterarbeiten zu können. Wir haben mit Hühnern einen neuen Betriebszweig aufgebaut und inzwischen zwei Herden mit 650 Hühnern. Die legen im Monat 15’000 Eier, die ich an Laden, Restaurants und in unserem Hofladen verkaufe. Die kaputten Eier verarbeite ich in meiner Küche zu Spätzli, auch die laufen gut. Im Sortiment habe ich inzwischen auch Konfitüren und Kuchen. Ich backe etwa 400 im Jahr. Und natürlich Fleisch unserer Kälbli. Insbesondere an Wochenenden haben wir hier viel Betrieb, der kleine Schauhof mit Gänsen, Schweinen, Hasen und Zwerggeissen, den wir 2011 gebaut haben, lockt viele Familien an. All das zusammen sichert unsere Existenz ‒ ohne ginge es nicht.»
 

«Innovation ist unser Wachstumsmotor»

Werbebild Bier von oben

Andreas Meile, Marketing- und Kommunikationsverantwortlicher Sensirion, Stäfa

«Was als ETH-Spin-off begonnen hat, ist inzwischen zu einem Unternehmen mit 600 Mitarbeitenden herangewachsen. Vieles hat sich in diesen Jahren verändert, aber eines ist gleich geblieben: Die Lust, Innovationen hervorzubringen und Bestehendes zu hinterfragen. Dies treibt uns an und macht uns in der Sensorik zum Weltmarktführer. Die Talente, welche wir hier unter einem Dach versammeln, schreiben tagtäglich unsere Erfolgsgeschichte mit. Sie treiben unsere Innovationen voran. Dazu gehört auch die Unternehmenskultur, in der das ‹Miteinander› eine zentrale Rolle spielt. Die Hierarchien sind flach, die Türen offen und der Austausch unter den Mitarbeitenden, welche aus verschiedenen Fach- und Himmelsrichtungen kommen, ist lebhaft. Dies zeigt sich unter anderem jeden Freitag um Viertel vor fünf. Man trifft sich auf der Dachterrasse mit Seesicht zu einem Freitagsbier. Damit unsere Unternehmenskultur durch die Veränderungen des schnellen Wachstums nicht verloren geht, sind alle Mitarbeitenden gefordert und tragen, indem sie die Kultur immer wieder hinterfragen, auch aktiv dazu bei.»