QR-Rechnung

Mit der QR-Rechnung einen wichtigen Schritt Richtung Digitalisierung

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Derzeit wird der Zahlungsverkehr harmonisiert. Die dafür notwendigen Anpassungen; wie etwa die Umstellung auf die QR-Rechnung, bringen KMU bedeutende Vorteile. Raiffeisen-Experte Markus Beck zeigt sie auf.
 

Interview mit Markus Beck, Leiter Zahlungsverkehr Firmenkunden

Rechnungen stellen und bezahlen – wohl nicht gerade die Lieblingsbeschäftigung von KMU. Ist der Zahlungsverkehr ein unterschätztes Thema?

Markus Beck: Der Zahlungsverkehr bildet die Basis jeden Geschäfts. Funktioniert er nicht oder zu langsam, kommt ein Kauf oder Verkauf nicht zustande. Der Zahlungsverkehr ist damit für jedes Unternehmen essenziell. Aus Sicht von KMU bedeutet Zahlungsverkehr in erster Linie aber eines: Aufwand neben dem Kerngeschäft. Verständlicherweise fehlt vielen KMU deshalb die Zeit, sich aktiver dem Thema zu widmen. Die Krux: So vergeben KMU Chancen, ihren administrativen Aufwand zu reduzieren.

 

Wie können KMU den Zahlungsverkehr möglichst effizient gestalten?

M. B.: Mit der richtigen Software. Rund ein Drittel der Unternehmer argumentiert jedoch, sie wollten keine teure Software kaufen, und mit IT würden sie sich nicht auskennen. Tatsache ist allerdings: Heute sind solche Lösungen oft cloudbasiert – ein Internetzugang und Webbrowser reicht – und die Nutzung relativ günstig. Klar: Es gibt einen Initialaufwand, um die Software einzurichten. Dabei sprechen wir aber meist von ein bis zwei Tagen. Und viele Softwarehersteller bieten hierbei für relativ wenig Geld Unterstützung an. Demgegenüber steht das Sparpotenzial: Wenn digitale Produkte und Verfahren reibungslos ineinandergreifen und manuelle Schritte wie der Abgleich der Zahlungseingänge mit den Rechnungen oder die Erstellung von Mahnungen wegfallen, verringert sich der Aufwand deutlich. Und oftmals kann, gerade auch für kleine KMU wichtig, die Zusammenarbeit mit dem Treuhänder optimiert werden.

 

Die laufende Harmonisierung des Zahlungsverkehrs beschert KMU teilweise beträchtlichen Anpassungsaufwand. Warum überhaupt das Ganze?

M. B.: Die Harmonisierung ist kein Schweizer Phänomen, sondern passiert parallel auch in vielen anderen Ländern. Die Ziele sind überall in etwa die Gleichen: Eine weltweite «Sprache» für Zahlungen, Reduktion der Komplexität und Digitalisierung des Zahlungsverkehrs. Die Harmonisierung in der Schweiz ermöglicht, dass exportorientierte KMU über ISO 20022 kompatibel mit dem Rest der Welt sind. Zudem wird mit der QR-Rechnung die Komplexität von sieben Einzahlungsscheinen auf einen Beleg reduziert und dank der Digitalisierung der Daten mittels QR-Code die Prozessautomatisierung ermöglicht.

 

«Wenn Systeme reibungslos ineinandergreifen, wird der Zahlungsverkehr schneller und günstiger.»

 

Als nächstes folgt die Einführung der QR-Rechnung. Kehrt danach Ruhe ein oder sind weitere Anpassungen nötig?

M. B.: Mit der QR-Rechnung tun KMU einen wichtigen Schritt Richtung Digitalisierung. Nebst dem, dass die Belegvielfalt wegfällt, kann die QR-Rechnung auch mobil über TWINT bezahlt oder in eine eBill konvertiert werden. Letztere ermöglicht die weiterführende Automatisierung der Debitoren- und Kreditorenprozesse. Die Bedeutung der eBill als sicheres, digitales Produkt wird deshalb in den nächsten Jahren zunehmen. Anpassungen, die über die QR-Rechnung hinausgehen, sind für KMU aber freiwillig.

 

Wo wir schon in die Zukunft blicken: Wie sieht der Zahlungsverkehr in 10 Jahren aus?

M. B.: Nehmen wir fünf Jahre, der technologische Wandel schreitet so rasant voran. Dann wird das Bezahlen in Echtzeit rund um die Uhr ganz normal sein. Absehbar ist auch, dass digitale Währungen, zum Beispiel. ein digitaler Schweizer Franken, im Vormarsch sind und die Art und Weise, wie wir bezahlen und handeln dadurch beeinflusst werden.

Markus Beck, Leiter Zahlungsverkehr Firmenkunden
Markus Beck, Leiter Zahlungsverkehr Firmenkunden

Markus Beck ist bei Raiffeisen für den Zahlungsverkehr von Firmenkunden zuständig und sitzt im Verwaltungsrat von SIX Interbank Clearing AG. Diese betreibt im Auftrag der Schweizerischen Nationalbank das Schweizer Interbanken-Zahlungssystem (Swiss Interbank Clearing – SIC).