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Bleiben wir zuversichtlich – trotz Brexitkrimi

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In seiner Kolumne spricht Urs Gauch darüber, welche Bedeutung der Brexit für die Schweizer Unternehmer hat. Sind die KMU bereit für den Brexit? Davon ist der Exportexperte überzeugt, auch wenn die Unsicherheiten für Firmen weiterhin hoch sind.

Sind die Schweizer KMU bereit für den Brexit?

Sind die Schweizer KMU bereit für den Brexit?

Chaos an den Grenzen, Lieferverzögerungen, Flugzeuge am Boden… Die Horrorszenarien eines ungeregelten Brexits sind seit Monaten in aller Munde und werden es auch bis zum neuen Austrittstermin im Oktober bleiben. Wie viele Seiten im Brexit-Krimi noch geschrieben werden, ist auch heute noch schwer einschätzbar.

 

Brexit hat weitreichende Folgen

Lassen Sie mich den Brexit (kurz für «British» und «exit») historisch einordnen. Politische Ereignisse mit erheblichen negativen wirtschaftlichen Auswirkungen kommen glücklicherweise nicht allzu oft vor. In den letzten Jahrzehnten gab es kaum vergleichbare Fälle; aus der EU ist beispielsweise noch nie ein Mitgliedsland ausgetreten. Es waren vor allem innenpolitische Ereignisse, welche die Schweizer Wirtschaft vor grosse Herausforderungen gestellt haben. Dazu gehören zum Beispiel die Ablehnung des EWR-Beitritts Ende 1992 oder die Aufhebung des EU-Mindestkurses durch die Nationalbank im Januar 2015.

Entscheide wie diese haben jedoch weitreichende Folgen. Ein Austritt des United Kingdom aus der EU zieht auch für die Schweiz massive Konsequenzen nach sich. Trotz all der Unsicherheiten bin ich persönlich aber zuversichtlich. Unsere Schweizer Unternehmen haben die vergangenen wirtschaftlichen und politischen Krisen bestens bewältigt. Nach Gesprächen mit unterschiedlichen Unternehmerinnen und Unternehmern und den frühzeitig eingeleiteten Massnahmen des Bundesrates im Hinblick auf den Brexit bin ich überzeugt, dass wir auch künftige Herausforderungen gemeinsam meistern werden.

 

Wechselkurse werden zu noch grösserer Herausforderung

Mit oder ohne Brexit, Einflüsse auf die Finanzmärkte sind immer schwer einzuschätzen. Nehmen wir an, dass das United Kingdom in eine Rezession fällt, dann hat dies auch Konsequenzen für die Konjunktur in der Eurozone und letztlich auch für die Schweiz. Nicht nur weil unsere Exportwirtschaft wesentlich von der Eurozone abhängt, sondern weil auch der Schweizer Franken dann noch stärker wird. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen uns, dass der Franken in unbeständigen Zeiten als sicherer Wert gilt und dementsprechend aufgewertet wird.

Die Problematik schwankender Wechselkurse bleibt auch in Zukunft eine der grössten Herausforderungen für  Schweizer Unternehmen. Ich werde oft gefragt, wie ein Unternehmen die Risiken bei drohenden Währungsschwankungen reduzieren kann. Mein Rat: Holen Sie sich rechtzeitig Unterstützung bei Ihrer Bank. Ihre Beraterin oder Ihr Berater hilft Ihnen dabei, aus der Vielzahl an Produkten eine für Sie passende Absicherungsstrategie auszuarbeiten.

 

Handelsbeziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der Schweiz bleiben stabil

Kommen wir zurück zum Thema Brexit. Die Beziehungen zwischen der Schweiz und dem Vereinigten Königreich basierten ursprünglich massgeblich auf den mit der EU abgeschlossenen bilateralen Abkommen. Im Hinblick auf den schwer einschätzbaren Ausgang des Brexits hat der Bundesrat seine Hausaufgaben jedoch gemacht. Um Lücken in den Handelsbeziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der Schweiz bestmöglich zu verhindern, hat er entsprechende Abkommen unterzeichnet. Dazu gehört beispielsweise eines, das den Briten und Schweizern ihre bestehenden, auf das Freizügigkeitsabkommen gestützten Rechte, weiterhin sichert.

Unabhängig vom Brexit oder anderen wirtschaftspolitischen Einflüssen, empfehle ich allen Unternehmen mit Auslandgeschäften, die wichtigsten Geschäftsbeziehungen regelmässig einem Export- / Import-Fitnesstest zu unterziehen:

  • Gespräch mit den wichtigsten Kunden / Lieferanten suchen
  • Abklären, wie hoch ihre Abhängigkeit zur UK / Unternehmen aus UK sind
  • Bei grosser Abhängigkeit Risiko abschätzen und Plan B vorbereiten, falls Lieferfristen nicht eingehalten werden können. Alternativen im Voraus suchen und ggf. absichern
  • Absicherung Zollabwicklung, SERV (Schweizerische Exportversicherung), Zertifizierungen, etc. vornehmen
  • Devisenstrategie entwickeln, um Wechselkursrisiken abzusichern

 

Wo gibt es Hilfe für KMU?

SECO Informationsdossier Im Informationsdossier vom SECO (Staatssekretariat für Wirtschaft) sind wichtige Ansprechpartner und Anlaufstellen für Detailfragen aufgelistet.
Exportexperten von Switzerland Global Enterprise Individuelle Chancen und Risiken im britischen Markt können mit Hilfe eines Exportberaters abgeklärt werden, so zum Beispiel unterstützt die Exportberaterin Nadja Kolb von Switzerland Global Enterprise.
Raiffeisen Unternehmerzentrum RUZ  Anfragen zu solchen Themen werden regelässig im Raiffeisen Unternehmerzentrum behandelt.

Bleiben Sie und Ihr Unternehmen nach guter englischer Art bereit für die Zukunft: «Keep calm and carry on!» oder auf gut deutsch: Ruhe bewahren und weitermachen!

Urs Gauch
Urs Gauch ist Leiter Firmenkunden bei Raiffeisen Schweiz

Die Kolumne ist im April Kolumne auf www.kmurundschau.ch erschienen und wurde durch Auszüge aus dem Blog von Urs Gauch ergänzt. Aktuelle Einschätzungen von Urs Gauch finden Sie auf LinkedIn.