Freizügigkeit: «Parkieren» Sie Ihr Altersguthaben sicher und optimal

FAQ zum Freizügigkeitskonto

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Wann kann ich Freizügigkeitsgelder beziehen?

Da es sich um ein Sperrkonto handelt, können die Gelder nur in folgenden Ausnahmesituationen ausgezahlt werden:

  • Erwerb und Erstellung von selbstgenutztem Wohneigentum
  • Amortisation einer Hypothek von selbstgenutztem Wohneigentum
  • Aufnahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit
  • Bezug einer ganzen Invalidenrente (der  IV) bzw. bei dauernder Erwerbsunfähigkeit
  • Definitives Verlassen der Schweiz (Ausnahme Auswanderung in den EU-Raum)
  • Einkauf in die Pensionskasse
  • Frühestens fünf Jahre vor bzw. spätestens fünf Jahre nach Erreichen des AHV-Alters
  •  Bei Todesfall erfolgt die Auszahlung gemäss Begünstigungsordnung

 

Was passiert im Todesfall?

Im Todesfall des Kontoinhabers ist für die Auszahlung des Freizügigkeitskontos eine gesetzlich vorgeschriebene Reihenfolge der Begünstigten einzuhalten. Das Gesetz gibt dem Kontoinhaber eingeschränkte Möglichkeiten, die Begünstigungsordnung abzuändern.

Gesetzliche Reihenfolge gemäss (FZV Art. 15),
Unter den Hinterlassenen nach BVG sind der Ehepartner oder eingetragene Partner sowie minderjährige Kinder und Kinder unter 25, die noch in Ausbildung sind zu verstehen. Es kann näher bezeichnet werden, wer welchen Anteil erhält. Ebenso können Personen aus dem 2. Rang in diesen Rang ergänzt werden. Es dürfen dabei keine Personen ausgeschlossen werden.

Massgeblich unterstützte Personen / Partner aus Lebensgemeinschaft sind begünstigt
Natürliche Personen, die von der versicherten Person in erheblichem Masse unterstützt worden sind, oder die Person, die mit dieser in den letzten fünf Jahren bis zu ihrem Tod ununterbrochen eine Lebensgemeinschaft geführt hat oder die für den Unterhalt eines oder mehrerer gemeinsamer Kinder aufkommen muss. Personen, welche in erheblichem Masse unterstützt worden sind, haben dann Anspruch auf die Freizügigkeitsleistung, wenn die Unterstützung unentgeltlich erfolgte. Darunter zu verstehen ist z. B. ein pflegebedürftiger Elternteil oder eine körperlich/geistig eingeschränkte Person. Die in diesem Rang aufgeführten Personen dürfen im ersten Rang hinzugefügt werden.

Kinder, Eltern oder Geschwister
Die Kinder, welche die Voraussetzungen nach BVG nicht mehr erfüllen, haben das 18. Altersjahr oder wenn in Ausbildung das 25. Altersjahr überschritten. In diesem Rang bestehen keine Änderungsmöglichkeiten.

Übrige gesetzliche Erben
Die übrigen gesetzlichen Erben, unter Ausschluss des Gemeinwesens. Der Ausschluss des Gemeinwesens bedeutet, dass bei einer allfälligen Konkurseröffnung nach dem Tod des Kontoinhabers das Guthaben nicht in die Konkursmasse fällt. In diesem Rang bestehen keine Änderungsmöglichkeiten.

 

Kann ich mehrere Freizügigkeitskonten besitzen?

Grundsätzlich ist es möglich, mehrere Freizügigkeitskonten zu besitzen. Die Aufteilung des Pensionskassenguthabens auf zwei Freizügigkeitskonten muss beim Austritt aus der Pensionskasse verlangt werden.

 

Ist ein Aufschub der Auszahlung des Freizügigkeitskontos bei der Pensionierung möglich?

Der Freizügigkeitsvertrag endet mit dem Erreichen des ordentlichen Rentenalters der AHV. Es gibt aber die Möglichkeit, die Auszahlung des Freizügigkeitskontos um maximal 5 Jahre aufzuschieben. Dabei sind kantonal unterschiedliche Regelungen zu berücksichtigen. Das Konto darf in diesem Zeitraum jederzeit bezogen werden.

Ich habe wieder eine Arbeitsstelle gefunden. Muss ich mein Freizügigkeitskonto in die Pensionskasse meines neuen Arbeitgebers übertragen?

Ja, gemäss Freizügigkeitsgesetz ist jeder Arbeitnehmer verpflichtet, sämtliche Freizügigkeitsleistungen in die Pensionskasse seines Arbeitgebers einzubringen. Dies macht Sinn: bei der Pensionskasse sind Sie besser für allfällige Invaliden- oder Hinterlassenen-Leistungen versichert.

Muss ich mein Freizügigkeitskonto in der Steuererklärung angeben?

Nein, das Freizügigkeitskonto ist ein von der Vermögenssteuer befreites Konto. Somit muss dieses in der Steuererklärung nicht deklariert werden.

Ich bin selbständig und nicht pensionskassenversichert. Kann ich freiwillige Beiträge auf das Freizügigkeitskonto bei Raiffeisen tätigen?

Nein, das Reglement der Raiffeisen Freizügigkeitsstiftung lässt freiwillige Einlagen auf das Freizügigkeitskonto nicht zu. Auf das Freizügigkeitskonto können nur bereits gebundene Gelder der 2. Säule übertragen werden, entweder von einer Pensionskasse, einem Freizügigkeitskonto oder einer Freizügigkeitspolice.

Fallen bei einer Auszahlung des Freizügigkeitskontos Kosten an?

Grundsätzlich wird das Freizügigkeitskonto kostenlos geführt. Eine Ausnahme bildet der Bezug des Freizügigkeitskontos für selbstgenutztes Wohneigentum. Das Gesetz verlangt den Eintrag einer Veräusserungsbeschränkung im Grundbuchamt bei einem Vorbezug von Pensionskassen-Gelder. Eine solche Anmerkung im Grundbuchamt ist gebührenpflichtig, weshalb bei der Auszahlung einmalig CHF 250.– für den administrativen Aufwand verrechnet werden. Diese Gebühr ist ebenfalls ein Teil der Auszahlung und wird deshalb auch versteuert.

Wieso gibt es eine Kündigungsfrist von 31 Tagen bei der Auflösung der Freizügigkeitskonten?

Die Schweizer Banken müssen gemäss der Finanzmarktaufsicht (FINMA) erhöhte Liquiditätsanforderungen erfüllen. Für systemrelevante Banken – zu denen auch Raiffeisen gehört – gelten diese Anforderungen bereits seit dem 1.1.2016. Aus diesem Grund wurde bei den Freizügigkeitskonten eine Kündigungsfrist von 31 Tagen eingeführt.

Was geschieht mit meinem Freizügigkeitskonto bei einer allfälligen Scheidung?

Gelder der beruflichen obligatorischen Vorsorge, somit auch das Freizügigkeitskonto, müssen bei einer Scheidung hälftig aufgeteilt werden. Dies betrifft aber nur jenen Teil, welcher während der Dauer der Ehe angespart wurde.