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Optimismus trotzt den Unsicherheiten
Investoren blicken auf ein positives erstes Quartal. Während Fiskalprogramme den Optimismus der Anleger stützen, belasten Inflationssorgen und steigende Zinsen.
Verglichen mit Anfang Jahr notieren die meisten Börsen weltweit im Plus. Den grössten Beitrag dazu leistete der März. So legte der Swiss Market Index (SMI) im vergangenen Monat 3,2 Prozent zu, seit Anfang Jahr verbucht der Schweizer Leitindex ebenfalls ein Plus von 3,2 Prozent. Noch stärker gefragt waren zyklischer ausgerichtete Aktienmärkte wie Deutschland, Frankreich oder Italien. Sie haben dieses Jahr knapp 10 Prozent zugelegt. Der deutsche Aktienindex Dax markierte im März gar mehrere Allzeithochs in Folge und spiegelt damit die im europäischen Vergleich robuste Verfassung der deutschen Wirtschaft.
Weltweiten Anlegeroptimismus verbreitete vor allem das US-Corona-Hilfspaket im Umfang von 1.9 Bio. US-Dollar. Es bekräftgte Anleger darin, auf die Zeit nach der Pandemie zu schauen. Regionale Lockdowns und eine dritte Corona-Welle scheinen Investoren aktuell nur noch wenig zu beunruhigen und werden schlimmstenfalls als Störungen interpretiert, die den wirtschaftlichen Aufschwung verzögern, aber nicht mehr aufhalten können. Ende März stellte der neue US-Präsident, Joe Biden, noch ein zusätzliches Infrastrukturprogramm über mehr als 2000 Mrd. Dollar in Aussicht. Zur positiven Stimmung beigetragen haben auch die Jahresabschlüsse, die bis in den März hinein publiziert wurden. Trotz teilweise massiven Umsatz- und Gewinneinbrüchen sind grössere Enttäuschungen weitgehend ausgeblieben.
Steigende Zinsen als Spielverderber
Mit Blick auf den konjunkturellen Aufschwung keimte allerdings Angst vor Inflation auf. Als Reaktion darauf sind deshalb im März die Zinsen, vor allem diejenigen für längere Laufzeiten, weiter gestiegen. Aus Schweizer Sicht ist das Ausmass zwar noch bescheiden und nach wie vor bewegen sich die Zinsen für Schweizer Staatsanleihen über alle Laufzeiten im negativen Bereich. Dagegen herrscht in den USA eine andere Situation: Die Zinsen für 10-jährige Staatsanleihen notieren wieder über der Dividendenrendite des S&P 500 und ziehen so Anleger an.
Die gestiegenen Zinsen haben aber auch ganz direkt Folgen für Aktien. So kommen die Bewertungen und Kursziele zunehmend unter Druck. Das liegt daran, dass die künftigen Erträge der Unternehmen mit höheren Zinsen abdiskontiert werden, und deshalb auf den heutigen Tag gerechnet weniger wert sind. Diese Entwicklung belastet vor allem Wachstumswerte, da bei diesen die hohen Erträge erst in ferner Zukunft anfallen. Anleger haben deshalb verstärkt von Wachstums in Substanzwerte umgeschichtet. Dazu gehören Finanzwerte aber auch Rohstofftitel, welche zu den bisherigen Jahresgewinnern gehören.
Anhaltend hohe Volatilität
Geschwächelt hat im März der Schweizer Franken, er verlor gegenüber dem US-Dollar 3,2 Prozent. Dennoch sollte im Rahmen der aktuellen Bewegung beachtet werden, dass der «Greenback» immer noch deutlich unter den Notierungen von vor der Pandemie handelt. Erholt hat sich auch das britische Pfund. Eine erfolgreiche Impfkampagne lässt Investoren auf eine raschere wirtschaftliche Erholung hoffen. Aber auch das Pfund hat mit der Gegenbewegung lediglich den Corona-Taucher wettgemacht. Trotz dieser scheinbaren Frankenschwäche wäre es verfrüht, die hiesige Währung abzuschreiben. Sie verfügt nach wie vor über das Prädikat sicherer Hafen. Aufgrund anhaltender Unsicherheiten stufen wir das Aufwärtspotenzial der Fremdwährungen gegenüber der Schweizer Valuta deshalb als gering ein.
Als Zeichen der Verunsicherung der Anleger gilt die Volatilität. Die Schwankungsbreite des Schweizer Leitindex (VSMI) zeigt, dass sie zwar rückläufig ist, im Schnitt aber immer noch rund 50 Prozent über dem Mittelwert von vor der Pandemie liegt - und das unter Ausklammerung der starken Schwankungen im März und April 2020. Einer raschen Normalisierung stehen die anhaltenden Corona-Unsicherheiten sowie die Angst vor Inflation und steigende Zinsen im Weg. Der Weg zur Normalität ist also auch für die Börsen lang.
Marcel Crameri
Leiter Vermögensberatung Raiffeisenbank Siggenthal-Würenlingen