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Rabenschwarzes Quartal an den Finanzmärkten
Rabenschwarzes Quartal an den Finanzmärkten
Das Coronavirus fordert seinen Tribut. Nicht nur die globale Wirtschaft wird massiv eingebremst, sondern auch die Finanzmärkte werden durchgeschüttelt. Viel Negatives ist mittlerweile aber eingepreist.
Lange Zeit schienen die Finanzmärkte ziemlich immun gegenüber dem Coronavirus zu sein. Fälschlicherweise haben viele Investoren gedacht, dass es sich analog zu der SARS-Epidemie um ein regional beschränktes Phänomen handeln würde. Die exponentielle und globale Ausbreitung hin zu einer Pandemie hat entsprechend für ein jähes Erwachen gesorgt.
Globale Rezession unvermeidlich
Die weit reichenden Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie, wie Ladenschliessungen, Ausgangssperren oder gar komplette «Shutdowns», führen unweigerlich in eine Rezession. Die Einkaufsmanagerindizes für Europa und die USA, welche Ende März publiziert wurden, deuten auf einen massiven Konjunktureinbruch in den kommenden Monaten hin. Wir rechnen entsprechend mit einer globalen Rezession in der ersten Jahreshälfte. Für das Gesamtjahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt in der Schweiz um 2 Prozent schrumpfen. Diese Prognose beruht auf der Annahme einer Stabilisierung bei den Neuinfektionen sowie einer schrittweisen Lockerung der Massnahmen bis spätestens Mitte Mai. Danach sollte sich die Wirtschaft stabilisieren und allmählich zum Wachstum zurückkehren. Unterstützung kommt dabei sowohl von den Notenbanken als auch von den Regierungen. In den USA wurde vor kurzem ein riesiges Corona-Hilfspaket lanciert: Insgesamt sollen gigantische 2 Billionen US-Dollar bereitgestellt werden. Dies entspricht fast 10 Prozent der jährlichen US-Wirtschaftsleistung gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP). Absolut betrachtet scheinen vor diesem Hintergrund die vom Bundesrat in der Schweiz bereitgestellten 42 Milliarden Franken ein Klacks zu sein. Das hiesige Hilfspaket kann sich aber im Verhältnis zum BIP ebenfalls sehen lassen. Bei einer jährlichen Wirtschaftsleistung von rund 700 Milliarden Franken beläuft sich die Unterstützung für die Schweizer Wirtschaft immerhin auch auf fast 6 Prozent des BIP. Die wohl wirkungsvollsten Massnahmen sind dabei Überbrückungskredite für betroffene Firmen und KMU sowie Unterstützung von Kurzarbeit.
Hohe Volatilität bietet auch Chancen
Die Quartalsperformance sieht für die Anleger alles andere als erfreulich aus. Die Aktienmärkte haben allesamt zweistellig an Wert eingebüsst. Mit einem Minus von knapp 12 Prozent gehörte der Swiss Performance Index (SPI) dabei noch zu den relativen Gewinnern. Dabei hat natürlich einmal mehr die defensive Indexzusammensetzung geholfen: Nestlé, Novartis und Roche machen rund die Hälfte des Index aus. Bei den übrigen Aktienmärkten kam es teilweise zu Rücksetzern von über 25 Prozent. Normalerweise sollten bei einem solch starken Einbruch bei den Aktien andere Anlageklassen die Verluste abfedern oder wettmachen können. Dies war allerdings im ersten Quartal 2020 nur bedingt der Fall. Auch Obligationen und Immobilienfonds verloren nämlich an Wert. Einzig das als Krisenschutz geltende Gold konnte sich dem Abwärtstrend entziehen und verzeichnete eine positive Performance von gut 5 Prozent.
Wie geht es nun weiter? Die Märkte befinden sich nach dem heftigen Kurseinbruch nun in einer Bodenbildungsphase. Für eine nachhaltige Erholung an den Aktienmärkten braucht es aber sichtbare Fortschritte in Bezug auf die Pandemiebekämpfung. Zumindest diesbezüglich macht die Entwicklung in China aber auch in Südkorea Hoffnung. Während China seit einigen Tagen keine Neuinfektionen mehr vermelden musste, hat sich die Kurve in Südkorea deutlich abgeflacht. In Europa werden die Massnahmen in den kommenden zwei bis drei Wochen wohl ebenfalls Wirkung zeigen und das exponentielle Wachstum dürfte dann schrittweise abflachen. Bis es soweit ist, werden die Schwankungen an den Aktienmärkten hoch bleiben. Für langfristig orientierte Anleger eröffnet dies Chancen um bei Kursschwächen qualitativ solide Titel günstig (nach)kaufen zu können. Werte wie Nestlé, Novartis oder Roche gehören sicher auf diese Einkaufsliste. Die Lieferketten bei diesen Konzernen funktionieren immer noch und der Absatz der Produkte ist nicht in Gefahr: Nahrung und Medizin bleiben auch in der Krise gefragt.
Marcel Crameri
Leiter Anlageberatung Raiffeisenbank Siggenthal-Würenlingen