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04.04.2022

Börsen auf Achterbahnfahrt

Achterbahnfahrt

Der Krieg in der Ukraine sorgt für Verunsicherung unter den Anlegern. Entsprechend volatil präsentierten sich die Börsen im März. Die Notenbank Fed hat derweil die Zinswende in den USA eingeläutet.

Die Finanzmärkte waren im März geprägt vom Angriff Russlands auf die Ukraine – mit einer derartigen geopolitischen Eskalation in Europa hatte zuvor kaum jemand gerechnet. Entsprechend rauschten die Börsen in der ersten Monatshälfte nach unten. Der Swiss Market Index (SMI) unterschritt zeitweise die Marke von 11'000 Punkten und markierte damit seinen tiefsten Stand seit Mai 2021. Einmal mehr bewahrheitete sich allerdings, dass politische Börsen «kurze Beine» haben. Die Märkte erholten sich rasch von ihrem Schock. Auf Monatssicht resultierte für den SMI ein Wertzuwachs von gut 1,5 Prozent. Mit kräftigen Gewinnen verabschiedeten sich gar die US-Märkte aus dem März. Der breite S&P 500 Index und die Technologie-Börse Nasdaq kletterten währungsbereinigt fast 4 Prozent nach oben. Der STOXX Europe 600 Index trat indes auf der Stelle (-0,1 Prozent).

Gold verhielt sich lehrbuchmässig. Aufgrund seiner Eigenschaft als zuverlässiger Portfoliostabilisator in volatilen Marktphasen zog die Nachfrage nach dem gelben Edelmetall zunächst kräftig an. Sein Preis stieg am 8. März bis auf 2'070 US-Dollar pro Unze. Im weiteren Monatsverlauf gab es seine Kursgewinne jedoch grösstenteils wieder ab. Der Euro fiel derweil – erstmals seit Aufhebung des Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) im Januar 2015 – zum Schweizer Franken zeitweise unter die Parität. Ein Gros dieser Bewegung war allerdings einer Überreaktion des Marktes geschuldet. Zudem intervenierten die helvetischen Währungshüter in Folge wieder verstärkt am Devisenmarkt. Und so schaffte die europäische Einheitswährung in der zweiten Märzhälfte den Sprung zurück über die Marke von 1.02 Franken. Auf eine Fortsetzung der jüngsten Erholungstendenzen sollten Anleger aber nicht setzen. Aufgrund seiner fundamentalen Nachteile sehen wir den Euro auf 12-Monatssicht bei 1.01 Franken.

Stagflationsrisiken steigen
Nach vielen Jahren stabiler Preise meldet sich die Inflation mit voller Wucht zurück. Waren es zunächst die Rohstoffpreise, welche durch die Decke schossen, so bekommen Konsumenten die steigenden Produktions- und Transportkosten nun an allen Ecken zu spüren. In den USA ist die Inflation im Februar auf den höchsten Stand seit 1982 geklettert (+7,9 Prozent). Und auch die Schweiz bleibt von dem zunehmenden Preisdruck nicht verschont. Die Teuerung lag hierzulande zuletzt – erstmals seit der Finanzkrise 2007/08 – über der Marke von 2 Prozent. Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Der Ukraine-Konflikt treibt die Rohstoffpreise weiter nach oben: Der breitgefasste Bloomberg Commodity Index hat seit dem russischen Einmarsch am 24. Februar über 8 Prozent zugelegt. Zugleich sorgen die höheren Inputkosten bei vielen Unternehmen für Margendruck und dämpfen die Investitionsfreudigkeit. Dies bedeutet Gegenwind für die Konjunktur. Die Stagflationsrisiken haben daher deutlich zugenommen.

Die Zinswende ist da
Die US-Notenbank Fed hat an ihrer März-Sitzung erwartungsgemäss den Leitzins um 25 Basispunkte angehoben. Neu reicht das Zielband von 0,25 Prozent bis 0,50 Prozent. Die Währungshüter dürften es jedoch nicht bei diesem einem Zinsschritt belassen. Wir rechnen bis Ende Jahr mit bis zu fünf weiteren. Zudem soll ab Sommer die Notenbankbilanz verkürzt werden. Entsprechend hat sich die Zinskurve gegenüber dem Vormonat nochmals nach oben verschoben. Die Renditen für 10-jährige US-Staatsanleihen etwa sind von 1,7 Prozent zeitweise bis auf 2,4 Prozent geklettert. Das Schweizer Pendant, die Eidgenossen, notierte zuletzt bei 0,6 Prozent. Zugleich spiegeln die Bondmärkte auch die konjunkturellen Risiken in Form einer Abflachung der Zinskurven. 

Saisonalität als Trumpf?
Die Statistik spricht für den April. Seit der Jahrtausendwende ist dieser der stärkste Börsenmonat. Ob sich das saisonale Börsenmuster dieses Jahr bestätigt, ist angesichts der geld- und geopolitischen Unsicherheiten allerdings fraglich. Wir gehen davon aus, dass die Märkte volatil bleiben. Anlegern raten wir daher weiterhin zu einer breiten Diversifikation und empfehlen an der langfristig ausgerichteten Anlagestrategie festzuhalten.

Marcel Crameri
Leiter Vermögensberatung Raiffeisenbank Siggenthal-Würenlingen