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11.11.2021

Börsenerholung dank guter Unternehmensergebnisse

Finanz Ecke Nov

Die Börsen handeln auf Höchstständen. Alternativen scheinen rar. Dennoch steigt die Nachfrage nach sicheren Häfen.

Auf den Regen folgt die Sonne. Nach einem schwachen Börsenmonat erholt sich der Markt in der Regel. So auch im Oktober. Der Swiss Market Index legte 4 Prozent zu und notierte Ende Monat weniger als 4 Prozent unter seinem Allzeithoch. Ein ähnliches Bild vermitteln die europäischen Börsen. Der EuroStoxx50 kletterte vergangenen Monat 5 Prozent. Noch stärker entwickelten sich die US-Börsen. Sowohl der breite Markt, gemessen am S&P 500 (+6,9 Prozent), als auch der technologielastige Nasdaq Index (+7,3 Prozent) schlossen den Monat auf einem Rekordhoch ab. 

Auch der Start in den November verlief aus Anlegersicht erfreulich. An der mit Spannung erwarteten Sitzung der US-Notenbank wurde der Startschuss zum Ende der lockeren Geldpolitik gegeben. Ab November sollen die Anleihenkäufe monatlich um 15 Milliarden US-Dollar reduziert werden. Weil der Schritt weitestgehend erwartet wurde, hat die Börse darauf nicht gross reagiert.

Gute Quartalszahlen
Im Oktober lag der Fokus ganz auf den Unternehmensberichten zum dritten Quartal. Insgesamt sind die Zahlen gut ausgefallen. Enttäuschungen waren trotz teilweise hoher Erwartungen selten. Die drei SMI-Schwergewichte Nestlé, Roche und Novartis haben allesamt die Schätzungen des Marktes übertroffen. Damit dürften die Unsicherheiten, was die weitere Indexentwicklung während der verbleibenden Berichtssaison betrifft, limitiert sein. 

Diese Entspannung zeigt sich auch in der Volatilität. Die Schwankungsbreite befindet sich nahe ihrem Jahrestief. Dennoch gehen Investoren teilweise hart mit Unternehmen ins Gericht, die die Ziele verfehlen. So wurde der Industriekonzern ABB abgestraft, weil er aufgrund von Lieferengpässen die Prognose kassierte. Ähnliches beim PC-Zubehör-Hersteller Logitech. Dessen Umsatz lag zwar über den Erwartungen, die höheren Komponentenpreise belasteten allerdings die Profitabilität. In diesem Umfeld halten wir an unserem leichten Untergewicht in Aktien fest.

Die Lieferengpässe bekommt auch der iPhone-Hersteller Apple zu spüren. Das Unternehmen hat die Prognose für das laufende Quartal gekürzt und rechnet mit einer Umsatzeinbusse von rund 6 Milliarden Dollar. Weil es beim Softwarehersteller Microsoft dagegen rund läuft, kam es an der Spitze der grössten Tech-Unternehmen zu einer Rochade. Bezüglich Marktkapitalisierung ist Microsoft mittlerweile das grösste Unternehmen, vor Apple. 

Energiepreise treiben Inflation
Das mangelnde Angebot äussert sich vielerorts in höheren Preisen, was die Inflation ankurbelt. Während diese in den USA seit Monaten über 5 Prozent pendelt, ist sie zuletzt in Europa auf 4,1 Prozent gestiegen. Treibender Faktor sind die höheren Energiepreise. So hat der Ölpreis seit Anfang Jahr gut 60 Prozent zugelegt, der Preis für Erdgas hat sich gar vervielfacht. Weil die Energiepreise im Schweizer Warenkorb weniger gewichtet sind, ist die Teuerung hierzulande mit aktuell 1,2 Prozent denn auch vergleichsweise bescheiden. 

Obwohl die Notenbanken stets von einer lediglich vorübergehenden Phase erhöhter Preise sprechen, ist diesbezüglich Vorsicht geboten. Immer mehr Unternehmen gehen davon aus, dass die Lieferengpässe teilweise bis weit ins kommende Jahr reichen. Raiffeisen hat vor diesem Hintergrund die Inflationserwartungen für das laufende, aber auch für das kommende Jahr angehoben. Diese wachsenden Inflationssorgen haben denn auch die Nachfrage nach sicheren Häfen wie Gold und Schweizer Franken angetrieben. Das gelbe Edelmetall verteuerte sich im Oktober rund 2 Prozent. Der Euro fiel gegen den Schweizer Franken auf den tiefsten Stand seit 2020. Es ist davon auszugehen, dass nur dank Interventionen der Schweizerischen Nationalbank ein weiterer Absturz der europäischen Einheitswährung hatte verhindert werden können. 

Im Umfeld nachlassender konjunktureller Dynamik bei gleichzeitig hohen Inflationsraten kommen bei Investoren auch wider Stagflationsängste auf. Sichere Häfen wie Gold, Immobilien und der Schweizer Franken dürften davon profitieren.

Marcel Crameri
Leiter Vermögensberatung Raiffeisenbank Siggenthal-Würenlingen