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Das Börsenhoch hält an
Das Börsenhoch hält an
Die Skepsis bei den Anlegern bleibt nach dem starken Börsenverlauf hoch. Konjunkturdaten und anhaltend tiefe Zinsen sollten aber die verbreitete Angst vor einer stärkeren Korrektur relativieren. Im gleichen Tempo dürfte es an der Börse nicht weitergehen.
Nach den ersten fünf Monaten steht der Schweizer Aktienindex bei einem Plus von knapp 15 Prozent. Im Bluechip-Index schwingen die beiden SMI-Neulinge Sika und Lonza oben auf. Aber auch die Uhren- und Luxusgüterhersteller Swatch und Richemont legen überdurchschnittlich zu. Sie profitieren unter anderem von der Konjunkturerholung in den Schwellenländern. Im hinteren Feld sind weiterhin die Banken, welche unter dem Ende der Trump-Euphorie leiden.
Weitere Kursavancen denkbar
Seit der Jahrtausendwende ist die Mai-Bilanz im Schweizer Gesamtmarkt nur 2013 besser ausgefallen als in diesem Jahr. Damals resultierte für das Gesamtjahr sogar ein Anstieg von 25 Prozent. Auch in diesem Jahr scheint die Luft für weitere Kursavancen noch nicht draussen, aber im gleichen Tempo wie in den Vormonaten dürfte es nicht weitergehen. Aktuell sind die Aktienkurse gut unterstützt von der Dynamik bei den Unternehmensgewinnen. Global zeigt diese aufwärts und auch die Revisionen bei den Gewinnerwartungen der Analysten bleiben positiv. Dies war auch nötig, denn durch die starke Aktienmarktperformance der vergangenen Jahre bei gleichzeitig relativ bescheidener Ertragsverbesserung bei den Unternehmen sind die Bewertungen an den Aktienmärkten auf teure Niveaus angestiegen. Mit Blick auf die robuste globale Konjunkturdynamik und insbesondere die gute Unternehmensstimmung in Deutschland sollte sich die Bewertungssituation allerdings entspannen und dem Aktienmarkt Rückhalt geben.
Zinsen bleiben historisch tief
Darüber hinaus sind die tiefen Zinsen ohne Zweifel ein wichtiges Element für die aktuellen Niveaus der Aktienindizes. Auch wenn die US-Notenbank Mitte Juni zu einer weiteren Zinserhöhung schreitet und im Jahresverlauf sogar nochmals nachlegen dürfte, bleiben die Zinsen historisch tief. Somit bleibt die Zinssituation freundlich für Aktien. Dagegen gestalten sich die Herausforderungen für Anleiheinvestoren weiterhin anspruchsvoll. Der leicht steigende Zinstrend bei Staatsanleihen sollte die von uns favorisierten Unternehmensanleihen bei guter Ertragslage kaum beeinträchtigen. Im aktuellen Tiefzinsumfeld bieten auch High-Yield und Schwellenländer-Anleihen eine attraktive Möglichkeit zur Portfoliobeimischung.
Die Börsen dürften allerdings in den kommenden Monaten nicht in ruhigem Fahrwasser treiben. Die Brexit-Verhandlungen, mögliche Neuwahlen in Italien und sprunghafte Aktionen der US-Regierung sorgen für politischen Zündstoff. Überdies werden die bereits recht optimistisch erwarteten Konjunktur- und Unternehmensdaten konstant auf ihre Nachhaltigkeit geprüft und bei Unsicherheit auch temporär in Frage gestellt. Das aktuelle Börsenhoch ist also fundamental gut unterstützt, für deutliche zusätzliche Avancen dürfte aber von den aktuellen Niveaus das positive Überraschungsmoment fehlen.
Marcel Crameri
Leiter Anlageberatung Raiffeisenbank Siggenthal-Würenlingen