News

09.12.2024

Die US-Börsen ziehen davon

Finanz Ecke Dez

 

Während die Aktienmärkte in den USA ihren Rekordlauf fortsetzen, divergiert die Entwicklung in Europa. Die Regierungskrise in Frankreich sorgt für zusätzliche Unsicherheit.

Die Performanceschere ist im November weiter auseinander gegangen. Ausschlaggebend war der klare Wahlsieg von Donald Trump, der ab Januar als 47. Präsident die Geschicke der Vereinigten Staaten lenken wird. Obwohl die mittelfristigen Auswirkungen unklar sind, lautete das kurzfristige Verdikt: Trump ist gut für die Wirtschaft und die Unternehmen. Die Stimmung der Investoren verbesserte sich, die Börse jubilierte.

Der S&P 500 und der Dow-Jones-Index verbuchten in der Folge mit einem Plus von 6 Prozent resp. 7 Prozent den stärksten Monat des Jahres und kletterten – einmal mehr – auf Rekordstände. Noch gefragter waren Aktien des Russel 2000, die sich im Schnitt um 11 Prozent verteuerten. In diesem Index sind die 2’000 kleinsten Unternehmen zusammengefasst. Diese dürften von den geplanten Steuersenkungen überdurchschnittlich profitieren.

Gefragte Finanzwerte
Im Gegensatz dazu steht die Entwicklung der Schweizer Börse. Drohende Zölle der nächsten US-Regierung dürften die Nachfrage bremsen. Der Swiss Market Index (SMI) büsste im November 0,2 Prozent ein. Massgeblich dazu beigetragen haben die Index-Schwergewichte Roche und Nestlé mit Kurseinbussen von 5 Prozent bzw. 6,5 Prozent. Am oberen Ende des Kurstableaus tummelten sich die Finanzwerte. Allen voran der Rückversicherer Swiss Re, der 17 Prozent zulegte. Aber auch die Grossbank UBS, der Vermögensverwalter Partners Group und der Versicherer Zurich Insurance liegen zwischen 7 Prozent und 10 Prozent im Plus.

Unterschiedlich sieht das Bild in Europa aus. Während der deutsche DAX von einem Rekord zum nächsten springt, im abgelaufenen Monat 2,9 Prozent zulegte und anfangs Dezember erstmals die 20'000 Punkte Marke überstieg, bekundet der EuroSTOXX 50 Index mit -0,5 Prozent Mühe.

Förmlich abgeschlagen verlor der französische Aktienmarkt 1,5 Prozent. Seit Anfang Jahr liegt er im Gegensatz zu den anderen Börsen sogar im Minus. Die Probleme um das Haushaltsbudget in Frankreich gipfelten in einer Regierungskrise und einem Misstrauensvotum gegen Michel Barnier, das der Premierminister verlor. Diese Turbulenzen spiegeln sich auch an den Zinsmärkten. Der französische Staat bezahlt mittlerweile gleich viel wie Griechenland, wenn er für 10 Jahre Geld aufnimmt. Noch Anfang Jahr finanzierte er sich einen halben Prozentpunkt günstiger als Griechenland.

Zinsen bleiben länger hoch
Auch in den USA gerieten die Zinsen in den Fokus der Anlegerinnen und Anleger. Da die geplanten Massnahmen unter dem designierten Präsidenten inflationär wirken und die abnehmenden Steuereinnahmen die Verschuldung weiter in die Höhe treiben werden, haben Anlegerinnen und Anleger damit begonnen, weitere Zinssenkungen auszupreisen. Zudem fordern sie für Obligationen mit einer längeren Laufzeit eine höhere Risikoprämie.

Gleichzeitig spielen Schweizer Obligationen ihren Trumpf als sicherer Hafen aus. Die hohe Nachfrage hat die Rendite von helvetischen Staatspapieren mit einer Laufzeit von 10 Jahren auf aktuell noch 0,2 Prozent gedrückt. Nach Abzug der Inflation, die zuletzt auf 0,7 Prozent wieder leicht angestiegen ist, resultiert für Anlegerinnen und Anleger ein realer Kaufkraftverlust.

Bitcoin knackt 100'000 Dollar
Die US-Präsidentschaftswahl hat auch die Kryptowährungen beflügelt. Donald Trump hatte sich bereits im Wahlkampf als Kryptofreund geäussert, der von einer nationalen Kryptoreserve träumt. Dass Elon Musk, der den digitalen Vermögenswerten ebenfalls zugetan ist, ihn im Wahlkampf unterstützte, hat geholfen, einen regelrechten Hype auszulösen. Allein im November kletterte der Bitcoin Kurs um fast 40 Prozent und Anfang Dezember knackte er die 100'000 Dollar. Anlegerinnen und Anleger scheinen aber nicht nur aus Überzeugung einzusteigen, sondern sie haben Angst etwas zu verpassen. Gerade deshalb ist Vorsicht geboten, denn diese Angst ist ein gefährlicher Ratgeber.

Im Gegensatz dazu hat der Goldpreis in den vergangenen Wochen etwas nachgegeben. Grund sind der höhere Dollar, der Ausblick auf eine restriktivere Geldpolitik und eine risikofreudigere Stimmung der Investoren. Letztere könnte zu einer Jahresendrally führen. Aufgrund des starken Börsenjahrgangs 2024 und mit Blick auf die anstehenden Unsicherheiten ist diese aber alles andere als eine ausgemachte Sache. 

Marcel Crameri
Leiter Vermögensberatung Raiffeisenbank Siggenthal-Würenlingen