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Ein schwarzer September
Die Notenbanken stemmen sich mit aller Macht gegen die Inflation. Die erneuten Zinserhöhungen beschleunigten im September den Abwärtstrend an den Börsen. Neues Ungemach droht in Form der bevorstehenden Berichtssaison zum dritten Quartal.
Gute Nachrichten für Schweizer Sparer. Um die Inflation im Schach zu halten, hat sich die Schweizerische Nationalbank (SNB) im September als letzte Notenbank weltweit von den Negativzinsen verabschiedet. Die helvetischen Währungshüter haben den Leitzins um 75 Prozentpunkte auf 0,5 Prozent angehoben. Das konsequente Vorgehen scheint sich auszuzahlen. Der Preisauftrieb hierzulande ist im internationalen Vergleich relativ gering. Im vergangenen Monat ist die Teuerungsrate, entgegen den Erwartungen der Analysten, von 3,5 Prozent auf 3,3 Prozent gesunken.
Auch die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank Fed haben im vergangenen Monat kräftig an der Zinsschraube gedreht (jeweils +0,75 Prozent). Die Notenbanken haben dabei nochmals unterstrichen, dass für sie die Bekämpfung der Inflation aktuell höchste Priorität habe. Dafür wird notfalls sogar eine Rezession in Kauf genommen.
Korrektur setzt sich fort
An den Börsen kommt die «hawkishe» Tonalität der Notenbanken alles andere als gut an. Bedeutet diese doch, dass der geldpolitische Gegenwind – anders als von vielen Marktteilnehmern erhofft – wohl nicht auf absehbare Zeit abflauen wird. Entsprechend hat sich die Talfahrt der Aktienmärkte im September nochmals verschärft. Der Swiss Market Index (SMI) verzeichnete einen Wertverlust von fast 5,5 Prozent. Unter Verkaufsdruck standen insbesondere Finanzwerte. Einziger Lichtblick waren die Papiere des Pharmariesen Roche (+2,6 Prozent), welche einen noch tieferen Rutsch des Index verhinderten. Ebenfalls tief im roten Bereich verabschiedeten sich der europäische STOXX 600 Index (-6,6 Prozent) und der amerikanische S&P 500 Index (-9,3 Prozent) aus dem Monat. Eine Achterbahnfahrt machten die Schweizer Immobilienfonds durch. Der SWIIT Index rauschte in der ersten Monatshälfte zeitweise über 10 Prozent in den Keller. Zu Monatsende grenzte er seine Verluste dann aber wieder etwas ein (-4,4 Prozent). Schuld sind die steigenden Zinsen. Infolge derer vermehrt Kapital abfliesst, was die Agios unter Druck setzt.
Günstiges Gold, günstiger Euro
Vom unsicheren Marktumfeld nicht profitieren konnte Gold. Der Preis für das gelbe Edelmetall fiel bis auf 1'614 US-Dollar pro Feinunze: Das ist der tiefste Stand seit März 2020. Grund dafür ist neben dem starken US-Dollar die Zinswende, welche das Halten von Gold verteuert. So kletterte beispielsweise die Rendite für 10-jährige Eidgenossen im September bis auf 1,55 Prozent. Ihre US-Pendants warfen zeitweise mit über 4 Prozent so viel ab wie zuletzt während der Finanzkrise. Angesichts der hohen Inflation sowie der wachsenden Rezessionsgefahr gehen wir aber davon aus, dass Gold in den kommenden Monaten wieder stärker gefragt sein wird. Wir sehen den Preis auf Jahressicht bei 1'950 US-Dollar je Unze.
Der Schweizer Franken hat sich indes einmal mehr als sicherer Hafen in stürmischen Zeiten erwiesen. Insbesondere gegenüber dem Euro neigt er unverändert zur Stärke: Im September markierte der EUR/CHF-Kurs ein neues Allzeittief bei 0.9410. Der europäischen Einheitswährung bescheren die Rezessionsgefahr, die Heterogenität ihrer Mitgliedsstaaten und nicht zuletzt der politische Rechtsruck in Italien Gegenwind. Wir gehen allerdings davon aus, dass auf Seiten des Euro bereits viel Negatives eingepreist ist.
Defensiv und chancenorientiert
Panik ist bei den Anlegern derzeit nicht verbreitet. Der Angstbarometer VIX notiert zwar über seinem langjährigen Schnitt, aber klar unter der Marke von 40 Punkten. Angesichts der aktuellen Gemengelage gehen wir davon aus, dass die Volatilität erhöht bleiben wird. Insbesondere die bevorstehende Berichtssaison zum dritten Quartal dürfte nochmals für Nervosität an den Börsen sorgen. Denn: Die Gewinnschätzungen der Analysten sind wohl zu optimistisch, Revisionen somit wahrscheinlich. Wir raten Anlegern daher weiterhin zu einer defensiven taktischen Ausrichtung. Angesichts der bereits weit fortgeschrittenen Bewertungskorrektur empfiehlt es sich aber die Augen nach Einstiegschancen offen zu halten.
Marcel Crameri
Leiter Vermögensberatung Raiffeisenbank Siggenthal-Würenlingen