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06.10.2017

Ein weiterer Lackmustest für die Eurozone

Aktienkompas

Ein weiterer Lackmustest für die Eurozone

Die Abstimmung in Katalonien hat bislang nur zu isolierten Marktreaktionen geführt. Es wird sich allerdings weisen müssen, ob in der Eurozone neben der konjunkturellen auch die politische Erholung gefestigt ist.

 

Dass sich in der Eurozone die Konjunkturerholung schon seit geraumer Zeit festigt, zeigt sich mit Blick auf die entsprechenden Wirtschaftsindikatoren. Doch neben der konjunkturellen Stabilisierung scheint auch das politische Gefüge der Währungsunion auf einem stabileren Fundament zu stehen als auch schon. Zumindest wenn man die Marktreaktion auf den politischen Schwebezustand nach der Autonomieabstimmung Kataloniens als Gradmesser nimmt.

 

Europäische Leitindexe stabil

So manifestierte sich die Ungewissheit in der Woche nach dem Referendum als zumindest vorerst regional begrenztes Marktproblem. Zwar musste der spanische Leitindex IBEX 35 deutliche Kursverluste hinnehmen und notierte zeitweilig über vier Prozent tiefer als vor dem Referendum, doch die Aktienbörsen der anderen sogenannten Peripherie-Staaten Europas liessen sich dadurch nur wenig aus dem Tritt bringen. Der Leitindex Italiens etwa, das im kommenden Frühjahr ebenfalls vor richtungsweisenden politischen Entscheidungen steht, gab in der gleichen Woche «lediglich» um rund zwei Prozent nach, während die Aktien von Spaniens Nachbarland Portugal (PSI 20) nur geringfügig unter Druck gerieten. Und bei der grössten Volkswirtschaft der Währungsunion zeigten sich die Aktien praktisch unbeeindruckt: Nur gerade drei Handelstage nach der Abstimmung knackte der deutsche Dax ein neues Allzeithoch.

 

Geringe Auswirkungen an der Währungsfront

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch mit Blick auf den Anleihenmarkt: Während der Risikoaufschlag zehnjähriger spanischer Staatsanleihen gegenüber dem deutschen Bund in der Woche nach der Abstimmung zeitweilig um rund 20 Basispunkte zulegte, zeigte sich beispielsweise weder bei den portugiesischen noch bei den italienischen Papieren eine nennenswerte Spread-Veränderung. Und schliesslich hielten sich in den Tagen nach dem katalonischen Votum auch die Auswirkungen an der Währungsfront in Grenzen. Zwar büsste die Gemeinschaftswährung sowohl zum Dollar als auch zum Schweizer Franken ein, jedoch keinesfalls in einem Ausmass, um von einer eigentlichen Spanien-induzierten Eurokrise sprechen zu müssen.

 

Spanien im Fokus

Dass sich die Marktauswirkungen damit bislang auf Spanien begrenzt hielten, kann somit durchaus als Indiz dafür gewertet werden, dass der Glauben und das Vertrauen in den politischen Zusammenhalt der Währungsunion wieder etwas zugenommen hat – optimistisch formuliert. Etwas pessimistischer ausgedrückt, lässt sich die zumindest initial nicht erfolgte Ansteckung wenigstens als Zeichen dafür werten, dass ein Auseinanderbrechen der Eurozone nicht mehr als ganz so reale Möglichkeit betrachtet wird, als dies auch schon der Fall war. Von den weiteren Entwicklungen sowie dem Verhalten der europäischen Institutionen bei der möglichen Unabhängigkeits-Deklaration Kataloniens hängt ab, ob sowohl die politischen als auch die wirtschaftlichen Zentrifugalkräfte für die Währungsunion wieder zunehmen werden. Das wäre angesichts der mittlerweile breit abgestützten Konjunkturerholung sowie des sich abzeichnenden Beginns einer geldpolitischen Normalisierung umso frustrierender. Vorerst zeigen sich die Finanzmärkte jedenfalls immun gegen diese Risiken.

 

Marcel Crameri

Leiter Anlageberatung Raiffeisenbank Siggenthal-Würenlingen