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05.04.2023

Eine gefährliche Gratwanderung

Finanz Ecke April 2023

Die rasante Zinswende hinterlässt ihre Spuren. Das zeigen die jüngsten Turbulenzen im Bankensektor. Angesichts der hartnäckigen Inflation werden die Notenbanken aber weiter auf die geldpolitische Bremse treten. Die Rezessionsgefahr nimmt entsprechend zu.

Der März 2023 ist ein trauriges Kapitel in der Schweizer Bankgeschichte. Nach 167 Jahren musste die Credit Suisse (CS) von ihrer Rivalin UBS übernommen werden. Grund waren massive Abflüsse von Kundengeldern, die nicht einmal eine Liquiditätsspritze der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zu stoppen vermochte. Die Escher-Bank war aber nicht das einzige Finanzinstitut, das seine Tore schliessen musste. Wegen unzureichend abgesicherter Zinsänderungsrisiken gerieten kurz davor in den USA die Silicon Valley Bank (SVB) sowie die Signature Bank in finanzielle Schieflage und meldeten Insolvenz an. Unter den Anlegern ging die Angst vor einer Finanzkrise 2.0 um. Entsprechend rauschten die Aktienmärkte in den Keller. Einmal mehr zeigte sich dann aber, wie schnell die Stimmung an der Börse drehen kann. Dank des Ausbleibens weiterer Hiobsbotschaften wurde zum Monatsende hin aus Angst einmal mehr Gier. Der Swiss Performance Index (SPI) beendete den März schliesslich mit einem Plus von 1,7 Prozent. Der STOXX 50 sowie der amerikanische S&P 500 Index kletterten um 1,8 Prozent respektive 3,5 Prozent. 

Das Gold ist angesichts der Turbulenzen im Bankensektor einmal mehr seinem Ruf als sicherer Hafen gerecht geworden. Der Preis für eine Unze des Edelmetalls schoss bisweilen auf über 2'000 US-Dollar. Zu Ende März resultierte ein Plus von fast 9 Prozent. Damit war Gold die beste Anlageklasse des Monats. Ebenfalls gefragt waren sichere Staatsanleihen. 10-jährige US-Treasuries rentierten zu Monatsmitte gerade mal 3,4 Prozent. Der Zinssatz für vergleichbare Eidgenossen fiel zeitweise bis auf 0,8 Prozent, was dem tiefsten Stand seit Herbst 2022 entspricht. Und auch der Schweizer Franken war in diesem unsicheren Umfeld von Anlegern gesucht.

Notenbanken priorisieren Preisstabilität
Das jüngste Bankenbeben zeigt, dass die Zinswende der Notenbanken nicht ohne Kollateralschäden bleibt. Eine Abkehr von ihrem derzeitigen geldpolitischen Kurs ist für die Währungshüter aber keine Alternative – auch wenn die Finanzmärkte bereits erste Zinssenkungen einpreisen. Die Inflation dürfte ihren Höhepunkt zwar überschritten haben. So ist in der Eurozone aufgrund von Basiseffekten die Teuerungsrate im März (6,9 Prozent) gegenüber dem Vormonat (8,5 Prozent) deutlich zurückgekommen. Und auch in den USA (Februar: 6,0 Prozent) und der Schweiz (März: 2,9 Prozent) haben sich die Konsumentenpreise zuletzt weniger stark verteuert. Die Kernraten (ohne Energie und Lebensmittel) verharren indes auf hohen Niveau – im Euroraum lag diese beispielsweise im März mit 5,7 Prozent auf dem höchsten Wert seit Aufzeichnungsbeginn. Konsequenterweise haben die US-Notenbank Fed (+0,25bps), die Europäische Zentralbank sowie die SNB (je +0,5bps) die Zinsen im vergangenen Monat weiter angehoben. Die Währungshüter signalisieren damit, dass sie die Preisstabilität klar priorisieren, zumal ihnen zur Sicherung der Finanzmarktstabilität andere Instrumente (z.B. Liquiditätshilfen) zur Verfügung stehen. Wir gehen davon aus, dass die Notenbanken zwar in Bälde das Ende ihres Zinserhöhungszyklus erreichen, die Zinsen anschliessend aber für einige Zeit hoch halten werden. Das bedeutet jedoch, dass der Grat zwischen Bekämpfung der Inflation und einer weiteren Abbremsung der Konjunktur immer schmaler wird. Die Rezessionsgefahr nimmt weiter zu.  

Für Euphorie ist es zu früh
Unserer Meinung nach ist die Gefahr im Bankensektor noch nicht gebannt. So haben sich zwar die Aktienkurse vieler Finanzhäuser zuletzt erholt, die Prämien für die Kreditausfallversicherungen (CDS) bewegen sich aber teilweise immer noch auf sehr hohem Niveau. Gegenwind bescheren den Aktienmärkten die restriktive Geldpolitik und deren konjunkturdämpfenden Effekte. Weitere Korrekturen sind somit nicht auszuschliessen. Ein Warnsignal sendet auch der Bondmarkt: Der MOVE Index, das Anleihependant zum Angstbarometer VIX, bewegt sich trotz seines jüngsten Rückgangs immer noch auf dem Niveau zu Anfang der Corona-Pandemie. Entsprechend halten wir anlagetaktisch an unserer vorsichtigen Positionierung fest. Bei den risikobehafteten Anlageklassen (Aktien und Hochzinsanleihen) sind wir untergewichtet. Bei Liquidität, Gold und Schweizer Immobilienfonds setzen wir auf ein taktisches Übergewicht. Darüber hinaus raten wir Anlegern zu einem Fokus auf Qualität sowie einer breiten Diversifikation des Portfolios.

Marcel Crameri
Leiter Vermögensberatung Raiffeisenbank Siggenthal-Würenlingen