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EZB-Optimismus lässt Zinsen steigen
EZB-Optimismus lässt Zinsen steigen
Die zuletzt ungewohnt optimistische Beurteilung zur wirtschaftlichen Lage der Eurozone durch Mario Draghi hallt an den Obligationenmärkten nach. Die Zinsen haben spürbar angezogen und auch die Rendite der Schweizer Eidgenossen wurde von dieser Aufwärtstendenz erfasst. Während die Bewegung an der Zinsfront für die Aktienmärkte belastend ist, wirkt sie sich jedoch positiv für EUR/CHF aus.
Beinahe mochte man seinen Augen nicht trauen: Die Rendite der zehnjährigen Eidgenossen kletterte am 6. Juli 2017 zumindest zeitweilig über die Nullmarke und notierte zwischenzeitlich bei 0,01 Prozent. Zwar ist dies nun wirklich kein Zins, der die Bezeichnung als solchen in normalen Zeiten überhaupt verdient. Aber mit der Liquiditätsschwemme der Zentralbanken leben wir bekanntlich seit fast einer Dekade bereits nicht mehr in geldpolitisch normalen Zeiten. Somit ist dieses kurzzeitige Renditeniveau in der Höhe eines positiven Basispunktes durchaus bemerkenswert. Abgesehen vom ebenso kleinen wie kurz andauernden Intraday-Sprung über die Nullmarke vom 10. März dieses Jahres muss man weit zurückblicken, um die Zinsen der zehnjährigen Schweizer Staatsanleihen zum letzten Mal im positiven Bereich notieren zu sehen. Genauer gesagt bis Mitte September des Jahres 2015.
Noch scheint es verfrüht, angesichts dieses zaghaften Schritts über die Nulllinie von der nachhaltigen Zementierung der langersehnten Zinswende zu sprechen. Tatsache ist jedoch, dass mit der durchaus optimistischen Einschätzung Mario Draghis zu Konjunktur und Inflation in der Eurozone die Anleiherenditen in EU-Staaten spürbar angezogen haben. Insbesondere die Rendite des deutschen Bundes legte im Nachgang an die Äusserungen des EZB-Präsidenten zu, welche an den Märkten als weitere rhetorische Vorbereitung einer näher rückenden Straffung der EZB-Geldpolitik aufgefasst wurde.
Erfreulicher Zinsanstieg für den Schweizer Franken
Weniger erfreut über diesen Zinsanstieg zeigte man sich an den Aktienmärkten. Auf viele Indizes wirkt der Renditenanstieg und die mögliche Aussicht auf weiteres – wenn auch moderates – Ansteigen des Zinsniveaus spürbar belastend. Zu sehr haben sich die Aktienmärkte an das jahrelang massenhafte Zentralbankgeld zum praktischen Nulltarif gewohnt. Solange die Konjunktur jedoch weiter wachsende Unternehmensgewinne zulässt, dürfte der zinsseitige Gegenwind jedoch von den Fundamentaldaten abgeschwächt oder sogar kompensiert werden.
Erfreulich ist der Zinsanstieg hingegen für den Schweizer Franken und die Schweizer Exportwirtschaft, welche nach wie vor durch die überbewertete Heimwährung belastet wird. Denn solange die Zinsen in der Eurozone stärker ansteigen wie hierzulande, verschafft dies der Gemeinschaftswährung Rückenwind und dürfte den Franken gegenüber dem Euro ohne (umfangreiche) Devisenmarktinterventionen der Schweizerischen Nationalbank weiter abschwächen lassen. Das Knacken der psychologisch bedeutsamen Marke von 1.10 bei EUR/CHF scheint vor diesem Hintergrund absehbar.
Marcel Crameri
Leiter Anlageberatung Raiffeisenbank Siggenthal-Würenlingen