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07.01.2022

Fokus auf die Risiken tut gut

Fokus auf Risiken

Rekorde prägten den Dezember. Obwohl die Aussichten weiterhin positiv sind, ist Vorsicht angebracht. Denn wenn alle Investoren auf einem Gewinn sitzen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass dieser realisiert wird.

Auf zu neuen Höchstständen. So lässt sich die Entwicklung der Aktienmärkte im Dezember zusammenfassen. Damit ging der Trend zum Jahresende hin Hand in Hand mit demjenigen des gesamten Jahres. So erklomm der Swiss Market Index (SMI) noch am drittletzten Handelstag 2021 ein Allzeithoch und liebäugelte mit der Marke von 13'000 Punkten, vermochte diese aber nicht zu überschreiten. Im Dezember resultierte ein Plus von gut 6 Prozent. Über das Jahr gesehen verteuerte sich der Schweizer Leitindex um gut 20 Prozent. Ein ähnliches Bild liefern die Aktienmärkte weltweit. Überflieger war – einmal mehr – der US-Aktienmarkt. Der breite S&P 500 verteuerte sich im Jahresverlauf knapp 27 Prozent. Getrieben wurde er von dem Techgiganten Alphabet, dem Softwareunternehmen Microsoft und dem iPhone-Hersteller Apple. 

Die überdurchschnittliche Entwicklung vieler Aktienmärkte zeigt jedoch nur eine Seite der Medaille. Enorm ist die Kursspanne der einzelnen Aktien. Allein im SMI lag diese zwischen einem Plus von gut 70 Prozent beim Luxusgüterhersteller Richemont und einem Kursverlust von 22 Prozent bei der Grossbank Credit Suisse. Ebenfalls unter dem Wert von Anfang Jahr handelten die Titel des Pharmariesen Novartis, des Zementherstellers Holcim und des Technologiekonzerns Logitech. Trotz dieser stark divergierenden Performance unterstreicht die Tatsache, dass 80 Prozent der SMI-Valoren 2021 mit einer positiven Performance abgeschnitten haben, das gute Aktienjahr. 

Fed sorgt für Klarheit
Dabei liessen sich Anleger von den Notenbanken nicht aus dem Konzept bringen. Im Gegenteil. Als die US-Notenbank aufgrund rekordhoher Inflationszahlen Mitte Dezember ein schnelleres Zurückfahren der Anleihenkäufe verkündete und Zinserhöhungen in Aussicht stellte, reagierten die Börsen freundlich. Obwohl höhere Zinsen die Aktienrenditen normalerweise negativ beeinflussen, überwog der Optimismus über die gewonnene Klarheit bezüglich den Zinsaussichten. 

Diese Euphorie dürfte im 2022 etwas zurückkommen, denn steigende Zinsen reduzieren in der Regel die Attraktivität von Aktien. Ein anderer Aspekt ist, dass das Gewinnwachstum der Unternehmen 2022 deutlich geringer ausfallen wird als im Vorjahr. Wir rechnen mit einem Plus im hohen einstelligen Prozentbereich.

Euro schwächelt
Schwach war einmal mehr der Euro. Gegen den Schweizer Franken hat er 2021 rund 4 Prozent verloren. Damit sank die europäische Einheitswährung auf den niedrigsten Stand seit 2015 und tauchte im Dezember unter die Marke von 1,04 gegen den Schweizer Franken. Da die hiesige Währung weiter als sicherer Hafen gesucht sein dürfte, prognostizieren wir auch 2022 einen leicht schwächeren Euro. 

Stützend aus Schweizer Franken Sicht ist auch, dass die Inflationssorgen hierzulande verhältnismässig bescheiden ausfallen, während sich die Teuerungsrate in den USA und in Europa deutlich über den langfristigen Zielen der Notenbanken bewegt. Damit liegt die Realverzinsung in der Schweiz aktuell über derjenigen im Ausland. 

Günstiges Gold
Trotz aufkeimender Inflation kam Gold seiner Rolle als Inflationsschutz nicht nach und notiert im 12-Monatsvergleich in Franken unverändert. Inflationssorgen haben allerdings dazu geführt, dass sich das gelbe Edelmetall von seinen Jahrestiefständen lösen konnte. Zum Jahresstart halten wir an unserem Übergewicht in Gold fest, da es als Portfoliodiversifikator und Inflationsschutz zunehmend nachgefragt sein dürfte. Einen regelrechten Jahresschlussspurt absolvierten Schweizer Immobilienfonds. Auch sie gelten als Inflationsschutz und überzeugen mit einer Ausschüttungsrendite von 2 Prozent.

Da statistisch in vielen Fällen auf ein sehr gutes Börsenjahr ein weiteres positives Jahr folgt, ist ein gewisser Optimismus angebracht. Aufgrund der abnehmenden Wirtschaftsdynamik, der anhaltend teuren Bewertung und mit der Aussicht auf eine restriktivere Notenbankpolitik ist aber eine etwas vorsichtigere Gangart angezeigt.

Marcel Crameri
Leiter Vermögensberatung Raiffeisenbank Siggenthal-Würenlingen