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Inflation drückt Konsumentenstimmung
Solide Halbjahreszahlen stehen einer nachlassenden Konjunkturdynamik gegenüber. Zudem sorgt China für Verunsicherung.
Von wegen Sommerflaute, an der Börse ist eher von einem Sommerloch zu sprechen. Der Swiss Market Index (SMI) verlor im August 1.6 Prozent. Allerdings tauchte der Schweizer Leitindex im Monatsverlauf – im Zuge der chinesischen Immobilienkrise – um bis zu 5 Prozent, erholte sich anschliessend aber wieder. Auf Monatssicht stechen die Aktien der UBS hervor, die sich satte 21.9 Prozent verteuern. Die Halbjahreszahlen der Grossbank sorgten für einen regelrechten Kurssprung. Während das operative Geschäft gegenüber dem Vorjahr leicht rückläufig war, verdeutlicht der Sondergewinn von 28.9 Milliarden US-Dollar, dass der Kaufpreis der Credit Suisse ein Schnäppchen war. Das unterstreicht auch der Kurs der UBS-Valoren, die seit Anfang Jahr um 36.6 Prozent zugelegt und sich an die Spitze des SMI gesetzt haben.
Auch der US-Markt, gemessen am S&P 500, enttäuschte im August mit einem Rückgang von 1.8 Prozent, notiert seit Jahresbeginn aber immer noch 17.4 Prozent im Plus. Seinen positiven Trend vermochte der Index dank einem starken Technologiesektor und Halbjahresabschlüssen, die im Rahmen der Erwartungen ausgefallen sind, halten. In den USA haben 58 Prozent der Unternehmen die Umsatzerwartungen geschlagen. Beim Gewinn waren es gar 80 Prozent. Der Index hat seit Beginn der Berichtssaison Mitte Jahr sogar noch zugelegt.
Nvidia überzeugt – vorerst
Hervorzuheben sind Berkshire Hathaway und Nvidia. Die Aktien des Anlagevehikels der Investorenlegende Warren Buffett erklommen nach der Publikation der Halbjahreszahlen ein Allzeithoch. Dasselbe erreichten die Valoren des Halbleiterherstellers Nvidia. Der Überflieger des Jahres profitierte von der starken Nachfrage rund um das Thema Künstliche Intelligenz und publizierte ein sehr gutes Ergebnis. Aufgrund der hohen Bewertung wird die Luft allerdings dünner und lässt keinen Platz für Enttäuschungen.
Was die Märkte auch im August beschäftigte, ist die Geldpolitik. Die Frage, ob die Zinsen weiter steigen oder ob sie ihren Zenit erreicht haben, bleibt auch nach dem jährlichen Treffen der Notenbank-Elite in Jackson Hole unbeantwortet. Immerhin scheinen sich die Währungshüter darüber einig, dass die höheren Zinsen die Wirtschaftsdynamik verlangsamen und deshalb den Wirtschaftsdaten eine besondere Bedeutung zukommt.
Dazu gehören auch die anhaltenden Inflationssorgen in den USA und in Europa. Vor allem die Kernrate, ohne die Entwicklung der Nahrungsmittel und Energiepreise, verharrt auf hohem Niveau. Das trübt mittlerweile die Konsumentenstimmung. Die jüngsten Erhebungen haben gezeigt, dass sowohl die aktuelle Lage als auch die künftige Einschätzung betroffen sind. Eine Ausnahme ist die Schweiz, wo die Teuerung im August gegenüber dem Vorjahr lediglich um 1.6 Prozent angestiegen ist und sich damit unter der Obergrenze der Schweizerischen Nationalbank (SNB) befindet.
China taumelt
Für Verunsicherung sorgte China. So hat die Immobilienkrise mit dem Zahlungsausfall des grössten Immobilienentwicklers Country Garden neue Dynamik erhalten. Durch die Ausgabe neuer Aktien will der Konzern kurzfristige Verbindlichkeiten begleichen und einen Konkurs abwenden. Das ändert allerdings nichts daran, dass die Probleme bestehen bleiben. Hinzu kommt eine schwächelnde chinesische Wirtschaft, die mit einer Deflation kämpft.
Seit die Immobilienkrise in China wieder aufgeflammt ist, hat sich auch der Goldpreis verteuert. Das gelbe Edelmetall macht seinem Ruf als Krisenschutz somit wieder einmal alle Ehre. Dass es zunächst in der Gunst der Anleger gesunken ist, liegt vor allem daran, dass die gestiegenen Zinsen das Halten von Gold verteuert haben. Nichtsdestotrotz halten wir an unserem Übergewicht fest. Als Diversifikator verbessert Gold das Risiko-Rendite-Profil eines Portfolios. Zudem rechnen wir mit einem graduellen Kursanstieg über die kommenden Monate.
Aufgrund der konjunkturellen Unsicherheiten halten wir an unserer defensiven Positionierung vorerst fest. Nebst der nachlassenden Wirtschaftsdynamik steht auch saisonal ein schwacher Monat an. So hat der SMI seit seiner Einführung im Jahr 1987 im September im Schnitt 2.3 Prozent eingebüsst. Vorsicht ist also geboten. Aber es könnten sich daraus auch Kaufgelegenheiten ergeben.
Marcel Crameri
Leiter Vermögensberatung Raiffeisenbank Siggenthal-Würenlingen