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07.02.2022

Keine neuen Gipfelstürme

Finanz-Ecke Februar 2022

Das Börsenjahr hat schwach begonnen. Die Aussicht auf eine restriktivere Geldpolitik, geopolitische Unsicherheiten und die hohen Bewertungen haben zu Kursrücksetzern geführt.

Bergsteiger kennen das Dilemma: Egal wie schön es oben am Gipfelkreuz auch sein mag, irgendwann kommt die Zeit des Abstiegs – und sei es nur, um den nächsten Gipfel erklimmen zu können. Auch für die Aktienmärkte ging es nach den Gipfelstürmen des vergangenen Jahres im Januar erstmal nach unten. Der Swiss Market Index (SMI) unterschritt zeitweise die Marke von 12'000 Punkten und markierte damit seinen tiefsten Stand seit Oktober 2021. Ende Monat resultierte ein Minus von rund 5 Prozent. Dass der Rücksetzer nicht noch deutlicher war, dürfte mitunter der laufenden Berichtssaison zuzuschreiben sein: Die mehrheitlich soliden Geschäftszahlen stützen den Schweizer Leitindex. Ebenfalls rote Zahlen schrieben die US-Märkte. Der breite S&P 500 Index verlor währungsbereinigt fast 4 Prozent, die Technologie-Börse Nasdaq rutschte gar um 8 Prozent ab. Mit Verlusten verabschiedete sich auch der europäische Stoxx 600 Index aus dem Januar (-3.3 Prozent).    

Die Volatilität an den Börsen nahm in den ersten Handelswochen des neuen Jahres deutlich zu. Der Angstbarometer VIX, welcher die Schwankungsbreite des S&P 500 Index misst, kletterte zeitweise auf ein 12-Monatshoch bei 32 Punkten. Ein ähnliches Bild auch bei seinem Schweizer Pendant, dem VSMI. Der Goldpreis profitierte allerdings nicht von der gestiegenen Nervosität der Marktteilnehmer. Das gelbe Edelmetall verbuchte zu Ende Monat ein Minus von gut 1,8 Prozent. Grund dafür ist vor allem der starke US-Dollar. 

Märkte im Bann der US-Notenbank
Auslöser für die Turbulenzen an den Aktienmärkten sind vor allem die US-Notenbank Fed und der sich zuspitzende Ukraine-Konflikt. Angesichts der hartnäckig hohen Inflation in den USA (Dezember: +7,0 Prozent) strebt diese eine rasche Straffung ihrer Geldpolitik an. Im März dürfte ein erster Zinsschritt erfolgen – wir gehen derzeit für 2022 von insgesamt drei Zinserhöhungen aus. Auch eine Reduktion der Notenbankbilanz dürfte bald anstehen. Entsprechend ist es wenig verwunderlich, dass sich die gesamte Zinskurve zuletzt nach oben verschoben hat. So warfen etwa 10-jährige US-Staatsanleihen zu Jahresbeginn noch eine Rendite von 1,51 Prozent ab. Ende Januar lag diese bereits bei 

1,77 Prozent. Das Schweizer Pendant, die Eidgenossen, notierten wieder über der Nulllinie – zum ersten Mal seit 2018. Für die Aktienmärkte bedeutet dies, dass der bisherige Rückenwind zunehmend zum Gegenwind wird. Insbesondere die teuren und zinssensitiven Wachstumswerte werden dies zu spüren bekommen. Zum einen verschlechtern steigende Zinsen die Finanzierungsbedingungen. Zum anderen verlieren weit in der Zukunft liegende Cashflows aufgrund steigender Diskontierungssätze deutlicher an Wert. Entsprechend findet an den Märkten eine Sektorrotation von Wachstumswerten in Richtung Substanzwerte statt.

OPEC hält an Förderpolitik fest
Das Rohöl (Brent) ist im Januar auf über 90 US-Dollar pro Fass gestiegen (+17,3 Prozent). Die Allianz der Ölexportstaaten OPEC hält dennoch an ihrer strikten Förderpolitik fest. Grund dafür dürfte mitunter sein, dass einige Mitgliedsstaaten im Zuge der Corona-Krise die notwendigen Investitionen zur Ausweitung der Förderkapazitäten nicht getätigt haben. Infolgedessen können sie derzeit schlichtweg nicht mehr des schwarzen Goldes auf den Markt bringen. Angesichts der weitreichenden Lockerungen der Corona-Massnahmen in vielen Ländern wird der Druck auf den Ölpreis in den nächsten Wochen deshalb kaum abnehmen. Wir taxieren den Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent auf 3-Monatssicht bei 88 US-Dollar. Die abermals gestiegenen Energiepreise dürften entsprechend den Inflationsdruck hochhalten. 

Es bleibt volatil
Angesichts der geld- und geopolitischen Unsicherheiten gehen wir davon aus, dass die Volatilität in den kommenden Wochen erhöht bleiben wird. Wir empfehlen Anlegern daher einen kühlen Kopf zu bewahren. Wer breit diversifiziert und seinem Risikoprofil entsprechend investiert ist, sollte an seiner Anlagestrategie festhalten. Kursrücksetzer eröffnen zudem Opportunitäten und bieten sich für antizyklische Zukäufe im Portfolio an.   

Marcel Crameri
Leiter Vermögensberatung Raiffeisenbank Siggenthal-Würenlingen