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08.09.2025

Lauer Spätsommer

Finanz Ecke Sept 25

Trotz des unsicheren Marktumfeldes und der unvorteilhaften Saisonalität ging es für die Aktienmärkte im August weiter aufwärts. In den USA gibt derweil die Notenbank Fed dem Druck der Administration Trump nach und stösst die Tür für eine Leitzinssenkung im September auf.

Der Trump’sche Zollhammer hat die Schweiz mit voller Wucht getroffen. Seit dem 7. August müssen heimische Unternehmen 39 Prozent an Sonderabgaben auf Importe in die USA zahlen. Die Anleger beunruhigte das aber nicht. Der Swiss Market Index (SMI) legte im vergangenen Monat um 3 Prozent zu. Grund ist zum einen die Hoffnung der Marktteilnehmer darauf, dass es dem Bundesrat im weiteren Jahresverlauf gelingt einen Deal zu deutlich besseren Konditionen auszuhandeln. Zum anderen umfasst der Leitindex vor allem Grosskonzerne, die von den US-Zöllen gar nicht oder nur marginal betroffen sind.

Trotz des unsicheren Marktumfeldes und der schwachen Saisonalität haben sich auch der EURO STOXX 50 und der S&P 500 mit Kursgewinnen (+0,6% respektive +1,9%) aus dem August verabschiedet. Letzterer profitierte dabei von den soliden Quartalsabschlüssen vieler US-Firmen. Insbesondere der Hype um das Thema «Künstliche Intelligenz» (KI) hält weiterhin an. Infolgedessen gelang es etwa dem Halbleiterhersteller Nvidia die hohen Erwartungen der Analysten mit seinem Zahlenkranz erneut zu schlagen. Einziger Wehrmutstropfen ist das China-Geschäft: Wegen des Technologieembargos der USA konnte das weltweit grösste Unternehmen keine KI-Chips in das Reich der Mitte exportieren.

Gratwanderung der US-Fed
Anlegerinnen und Anleger, die in Schweizer Franken rechnen, konnten sich über den anhaltenden Aufwärtsdrang des US-Aktienmarktes allerdings nur bedingt freuen, wurden die Kursgewinne doch durch die Wechselkursentwicklung grösstenteils aufgefressen. Denn trotz des Zollhammers gegen die Schweiz tendierte der Dollar zum Franken im August einmal mehr schwächer (-1,5%). Belastet wird der Greenback mitunter vom massiven politischen Druck der US-Administration auf die Notenbank Fed, welcher mittlerweile Früchte trägt. So haben die Währungshüter im Rahmen des Notenbankentreffens in Jackson-Hole wegen der Abschwächung am amerikanischen Arbeitsmarkt die Tür für eine Leitzinssenkung im September aufgestossen. Damit beschreitet die Fed einen schmalen Grat. Denn die Inflation in den USA präsentiert sich zäh: Obwohl die preistreibenden Effekte durch die Handelszölle bislang nur marginal durchschlagen, ist die Kernrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) wieder über die 3 Prozent-Marke geklettert.

Diesseits des Atlantiks scheint die Inflation derweil weitgehend gebannt: In der Schweiz verteuerten sich die Konsumentenpreise im August wie schon im Vormonat um 0,2 Prozent. In der Eurozone stieg die Rate leicht, von 2,0 Prozent auf 2,1 Prozent. Damit bewegt sich letztere aber nach wie vor in Reichweite des Ziels der Europäischen Zentralbank (EZB). Nichtsdestotrotz dürften die Währungshüter im September ihre Zinssenkungspause fortsetzen.

Gefragtes Gold
Angesichts des unsicheren Marktumfeldes sowie der gestiegenen Zinssenkungserwartungen in den USA haben viele Anleger im vergangenen Monat verstärkt bei Gold zugegriffen. Infolgedessen hat der Preis für das gelbe Edelmetall zu Anfang September ein neues Rekordhoch bei über 3'500 Dollar pro Feinunze markiert. Obwohl sich dieses seit Anfang Jahr bereits um gut ein Drittel verteuert hat, halten wir an unserem starken Übergewicht fest. Auf 12-Monatssicht sehen wir den Preis bei 3'600 Dollar je Unze.

Der Bitcoin dagegen stand, wie schon im Nachgang zum «Liberation Day» im April, verstärkt unter Abgabedruck. Damit wird die Kryptowährung ihrem unter Fans weit verbreiteten Ruf als digitalem Gold nicht gerecht. Hinzu kommt die im Vergleich zum gelben Edelmetall signifikant höhere Volatilität.

Es bleibt volatil
Gemäss eines Zusatzes der Börsenweisheit «Sell in May» sollten Anleger ab Mitte September wieder in Aktien investieren. Wir raten dennoch weiterhin zu einer vorsichtigen Positionierung. Denn Trumps Handelszölle sind zwar von einem Berufungsgericht als unzulässig erklärt worden. Der Präsident wird allerdings vor dem obersten Gerichtshof in Washington Berufung einlegen. Entsprechend bleiben die Zölle mindestens bis zu einem allfälligen Entscheid von diesem in Kraft. Zugleich wird die Konjunktur in Übersee weiter an Schwung einbüssen, was vor dem Hintergrund der hohen Bewertungen das Aufwärtspotenzial des US-Aktienmarktes limitiert. Darüber hinaus ist zuletzt auch eine Friedenslösung im Ukraine-Krieg wieder in weitere Ferne gerückt.

Marcel Crameri
Leiter Vermögensberatung Raiffeisenbank Siggenthal-Würenlingen