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07.04.2017

Normalisierung? Nur sehr gemächlich

Normalisierung? Nur sehr gemächlich 

Obwohl mit der US-Notenbank (Fed) die wichtigste Zentralbank eine Normalisierung eingeläutet hat, bleibt man in den Industriestaaten noch sehr weit von einer normalen Notenbankpolitik entfernt. 

4.5 Billionen US-Dollar. Richtig, das ist eine vier mit unglaublichen 12 Nullen plus weitere 500 Milliarden. Rund 4‘500 Milliarden USD also – so viel umfasst die Bilanz der amerikanischen Notenbank Fed mittlerweile. Dass die Fed eine Bilanzsumme von deutlich mehr als dem Sechsfachen des Schweizer Bruttoinlandsproduktes aufweist, liegt an den quantitativen Lockerungsprogrammen, unter welchen die amerikanischen Währungshüter ab 2009 begannen, Anleihen aufzukaufen. Auch nach Beendigung dieser Programme behielt die Fed das Volumen ihrer Bilanz bei, indem sie fällig werdende Papiere gleich wieder reinvestierte. 

 

Behutsames Zurückfahren des Bilanzvolumens in Sicht

Unter dem Stichwort der „Bilanznormalisierung“ hat nun der Fed-Offenmarktausschuss (FOMC) erstmal über ein Zurückfahren des Bilanzvolumens zu diskutieren begonnen. Vorausgesetzt die US-Wirtschaft bleibt weiterhin auf Kurs, befürwortet zurzeit eine Mehrheit der FOMC-Mitglieder eine passive Änderung der Reinvestitionspolitik im späteren Jahresverlauf. Passiv bedeutet, dass keine Papiere verkauft werden, sondern lediglich fällig werdende Anleihen nicht mehr vollumfänglich reinvestiert werden.

Um keine Turbulenzen an den Märkten auszulösen, kann davon ausgegangen werden, dass die Fed dabei ähnlich behutsam vorgehen wird, wie bei der Zinserhöhung. Obwohl damit sowohl zinsseitig als auch auf Seite der Geldmenge die Zeiger tatsächlich in Richtung Normalisierung stehen, bleibt auch zu Beginn des zweiten Quartals die Geschwindigkeit äusserst behäbig. Denn mit der Bank of Japan (BoJ) und der Europäischen Zentralbank (EZB) verharren zwei weitere entscheidende Zentralbanken vorerst in einem ausserordentlich expansiven Modus. In der Schweiz fährt die Schweizerische Nationalbank (SNB) zwar kein Anleihensaufkaufprogramm, mit einem Negativzins von -0.75 Prozent ist man aber meilenweit von einer Zinslandschaft entfernt, die nur annähernd als normal bezeichnet werden kann.

 

Die Schweiz im Tiefzinsumfeld

An dieser Situation wird sich so schnell auch nichts ändern. Denn obwohl sich die Konjunktur in der Eurozone weiterhin auf intaktem Erholungspfad befindet und innerhalb der EZB zumindest Diskussionen über eine mögliche Zinserhöhung eingesetzt haben, dürfte Mario Draghi (Präsident der EZB) auch in diesem Jahr keine Straffung der geldpolitischen Zügel verkünden. Möchte die SNB den Franken somit nicht zusätzlich aufwerten lassen, ist ihr Handlungsspielraum faktisch inexistent.

Die Anleger werden also auch weiterhin mit einem Tiefzinsumfeld zurechtkommen müssen, welches sich nur graduell entschärft. Dies bei anhaltend teuer bewerteten Aktien und einem Regierungsstil des neuen US-Präsidenten, der immer fraglicher werden lässt, ob die ursprüngliche Trump-Euphorie in Erwartung des angekündigten Fiskal- und Konjunkturprogramms, tatsächlich gerechtfertigt war. Wenigstens scheinen in Europa nach den französischen Präsidentschaftswahlen die politischen Risiken spürbar abzuflauen. Zumindest auf dieser Ebene erfolgt somit eine Normalisierung, die nicht nur in Nuancen bemerkbar ist.

 

Marcel Crameri

Leiter Anlageberatung Raiffeisenbank Siggenthal-Würenlingen