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Optimistische Börsen
Eine gute Börsenentwicklung im Mai ist auf eine Beruhigung im Nahen Osten und starke Quartalszahlen zurückzuführen. Die unsichere geopolitische Lage rückt in den Hintergrund.
Im Mai wurden Anlegerinnen und Anleger trotz der geopolitischen Unsicherheiten von der Börse fürstlich entschädigt. Der Swiss Performance Index (SPI) hat im abgelaufenen Monat 3,3 Prozent zugelegt und liegt seit Anfang Jahr gut fünf Prozent im Plus. Gar auf einem Allzeithoch schlossen die US-Börsen den abgelaufenen Monat ab. Zur guten Stimmung beigetragen hat unter anderem eine Entspannung im Iran-Krieg. Investoren gehen zunehmend davon aus, dass sich die Situation trotz Ungewissheit beruhigt.
Getrieben wurden die Kurse und die Stimmung der Anleger zudem von guten Quartalszahlen aus dem Technologiesektor und dabei insbesondere aus dem Bereich Künstliche Intelligenz (KI). Aktien von Unternehmen, die mit diesem Thema in Verbindung stehen, entwickelten sich prächtig. So hat der technologielastige Nasdaq 100 im abgelaufenen Monat rund zehn Prozent zugelegt. Seit Anfang Jahr resultiert ein Plus von 20 Prozent.
KI treibt Börse
Massgeblichen Einfluss hatte Nvidia. Der KI-Überflieger präsentierte einen sehr guten Zahlenkranz und untermauert somit das Wachstum im KI-Segment. Zu den jüngsten Überfliegern gehörte allerdings Micron Technology. Der Aktienkurs des auf Speicherchips spezialisierten Unternehmens verteuerte sich allein im Mai um gut 80 Prozent. Mit dieser Bewegung knackte die Marktkapitalisierung von Micron die 1'000 Milliarden Dollar Marke.
Die Angst der Anlegerinnen und Anleger, Kursgewinne zu verpassen, ist offensichtlich – ebenso die Gefahr einer Blasenbildung. Seit Anfang 2025 hat sich der Kurs der Micron-Valoren verzehnfacht. Dass die Aktien des Computerkonzerns Dell zum Monatsende hin, allein an einem Tag aufgrund guter Quartalszahlen einen Drittel zulegten und sich im Mai verdoppelten, unterstreicht die Angst der Investoren, etwas zu versäumen. Die Marktkapitalisierung von Dell erhöhte sich im Zuge dessen um 68 Milliarden Dollar.
Temporäre Goldschwäche
Nicht auf die Sprünge kam Gold. Der Kurs ist weiter rückläufig. Grund sind die gestiegenen Zinsen, die das Halten des gelben Edelmetalls verteuern. Wir gehen jedoch davon aus, dass die Kursrücksetzer und der Seitwärtstrend temporär sind. Dafür sprechen die erhöhte Inflation und die strukturelle Nachfrage seitens verschiedener Notenbanken nach Gold. Diese sollten die Preise perspektivisch hochhalten und weiter ankurbeln. Wir halten deshalb an unserem Übergewicht fest.
Eine zentrale Rolle an den Finanzmärkten spielt seit Kriegsbeginn der Ölpreis. Dieser ist von seinen Höchstständen zuletzt zwar etwas zurückgelaufen, notiert aber immer noch deutlich über dem Kurs von Anfang Jahr und die Wirkung des hohen Ölpreises ist klar inflationstreibend. Das bestätigt auch die weltweite Teuerungsentwicklung. In den USA verzeichnete der Preisindex für private Konsumausgaben den stärksten Anstieg seit drei Jahren. Die Konsumentenpreise entfernen sich damit zunehmend von der Obergrenze der US-Notenbank Fed von zwei Prozent. Damit sinkt auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Währungshüter ihre Leitzinsen bald senken.
Zinserhöhungen in Europa
In Europa rechnen wir bereits im Juni mit einer ersten Zinserhöhung um 25 Basispunkte. Im Verlauf der kommenden 12 Monate dürfte eine weitere folgen. In diese Richtung zielt denn auch die generelle Zinsentwicklung. Tatsächlich haben die Zinsen im Mai eine regelrechte Achterbahnfahrt hinter sich. In der ersten Hälfte des Monats dominierten die gestiegenen Inflationserwartungen, welche die Renditen in vielen Märkten auf den höchsten Stand seit vielen Jahren hievten. Zum Monatsende hin hat sich die Situation dann allerdings wieder entspannt.
Wie fragil die Situation ist, zeigt sich auch immer dann, wenn die Spannungen im Nahen Osten zunehmen. In der Regel geht dies mit einem höheren Ölpreis und einem Stimmungseinbruch bei den Investoren und Konsumenten einher. Dabei darf die Kauflaune nicht unterschätzt werden, denn der Konsument bleibt die wichtigste Stütze der Konjunktur.
Marcel Crameri
Leiter Vermögensberatung Raiffeisenbank Siggenthal-Würenlingen