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13.11.2017

Reform oder Reförmchen?

Reform oder Reförmchen? 

Während die Marktauswirkung einer allfälligen US-Steuerreform ungewiss bleibt, dürfte der Wechsel an der Fed-Spitze keine grossen Reaktionen an den Märkten auslösen.

 

Phänomenal. Grossartig. An Bescheidenheit fehlte es Präsident Trump bei der Umschreibung seiner in Aussicht gestellten Steuerreform nicht. Die Ausarbeitung und Konkretisierung dieser umfassenden Reform erwies sich dann aber als weder ausgesprochen phänomenal noch als besonders grossartig – sie verdient wohl eher die Prädikate schleppend und mühselig. Rund ein Jahr nach der Wahl Donald Trumps ins Weisse Haus kommt mit der Vorstellung des Reformkonzeptes im Repräsentantenhaus neue Bewegung in die Angelegenheit. Im Gegensatz zur Euphorie bei Trumps Amtsantritt fällt die Erwartungshaltung unter den Anlegern aber deutlich gedämpfter aus. Man erinnere sich: Die Vorfreude auf einen grossangelegten fiskalischen Stimulus durch die Administration Trump bewirkte in den USA einen eigentlichen Reflation-Hype – die US-Renditen stiegen ebenso wie auch die amerikanischen Aktien oder der Greenback.

 

Verhaltene Erwartungen an die Steuerreform

Von dieser Jubelstimmung ist ein Jahr später nicht mehr viel zu spüren. Zwar hält der Höhenflug an den Aktienbörsen angesichts – in der Tendenz – weiter steigender Unternehmensgewinne und der insgesamt nur gemächlich fortschreitenden Zinsnormalisierung gegenwärtig weiter an. Die Anleger sind ob der erhofften Auswirkungen der Steuerreform jedoch merklich skeptischer geworden. Denn einerseits dürfte die Senkung der Unternehmensteuer nur schrittweise erfolgen und andererseits ist bereits heute mehr als fraglich, ob die tieferen Steuersätze tatsächlich von dauerhafter Natur sein werden, da fundierte Ideen zur Gegenfinanzierung noch immer auf sich warten lassen. Auch wenn die «phänomenale» Steuerreform dereinst also tatsächlich zustande kommen sollte, besteht somit die Gefahr, dass sie angesichts der Kompromisse an die realpolitischen Begebenheiten nur noch minimale Auswirkungen entfaltet oder sogar ein weiteres Konsternieren nach sich zieht.

 

Jerome Powell als Fed-Chef nominiert

Während die Causa Steuerreform also nach wie vor mit Ungewissheit behaftet bleibt, stehen die Zeichen beim geldpolitischen Kurs der US-Notenbank weiterhin auf Kontinuität. Denn mit der Nominierung von Jerome Powell als Nachfolger von Janet Yellen an der Fed-Spitze entschied sich Donald Trump für einen äusserst konsensorientierten Währungshüter. So hat der seit 2012 dem Federal Open Market Committee angehörende Powell den Kurs der inkrementellen Zinserhöhung stets mitgetragen, was eine Veränderung der Gangart oder gar einen Richtungswechsel der Fed-Politik unter seiner Führung äusserst unwahrscheinlich erscheinen lässt.

 

Auswirkungen auf die Aktienmärkte bescheiden

Insofern dürfte der anstehende Wechsel an der Fed-Spitze für die Aktienmärkte ein «Non-Event» bleiben. So wie auch die Berichtssaison zum dritten Quartal insgesamt keine drastischen Auswirkungen bei den Aktien auslösen sollte. Die weiter gefestigte Entwicklung steigender Unternehmensgewinne sorgt angesichts der robusten konjunkturellen Lage und der insgesamt nach wie vor sehr tiefen Zinsen vorerst für anhaltende Hochs an den Aktienbörsen. Gleichzeitig wurde eine Verbesserung bei den Unternehmenszahlen auf breiter Front erwartet. Eine ledigliche Erfüllung dieser Erwartung reicht nicht mehr für ein eigentliches Kursfeuerwerk – entsprechend dürften sich die Aktienkurse im November entwickeln. Zwar nicht «phänomenal» und auch nicht «grossartig», aber immerhin solide.

 

Marcel Crameri

Leiter Anlageberatung Raiffeisenbank Siggenthal-Würenlingen