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Unsicherheit dominiert
Die restriktive Geldpolitik der Notenbanken belastet die Wirtschaft und verunsichert die Investoren. Es ist nicht das Umfeld, um Anlagerisiken einzugehen.
Der August wurde seinem Ruf als schwacher Börsenmonat gerecht. Mit einem Minus von 2,6 Prozent liegt die Entwicklung des Swiss Market Index (SMI) hinter dem langfristigen August-Durchschnitt von -0,8 Prozent zurück. Dabei verlief der Start in den Monat zunächst vielversprechend. Dank Halbjahresergebnissen, die weitgehend im Rahmen der Erwartungen ausfielen, tendierte der SMI während der ersten Monatshälfte seitwärts und gab erst zum Monatsende nach.
Für Verunsicherung sorgte die Rede von Jerome Powell. Der Chef der US-Notenbank Fed äusserte sich anlässlich des Treffens der Notenbanken in Jackson Hole sehr dezidiert zur Preisstabilität und sagte damit der Inflation den Kampf an. Die Aussagen schürten die Angst, dass die restriktive Geldpolitik länger anhalten wird als bislang von den Marktteilnehmenden gedacht. Damit stieg die Wahrscheinlichkeit einer Rezession im Verlauf des Monats deutlich an. Wir erwarten zwar noch keine Schrumpfung der Wirtschaft, haben aber ebenfalls unsere konjunkturellen Wachstumsaussichten reduziert. Die Aktienmärkte quittierten das mit saftigen Abgaben.
Hohe Inflation, niedriger Euro
Auch in Europa bleibt Inflation das bestimmende Thema. Die Teuerung ist mit einer Rate von 9,1 Prozent auf den höchsten Stand geklettert, seit es den Euro gibt. Ein Ende ist nicht in Sicht, zumal etwa in Deutschland Kraftstoffsubventionen und das 9-Euro-Ticket ab dem ersten September wegfallen. Und trotzdem wird die Europäische Zentralbank (EZB) die Inflation weniger rigoros bekämpfen können als etwa die US-Fed. Zu unterschiedlich sind die Volkswirtschaften in der Europäischen Union (EU). Dass die wirtschaftliche Verlangsamung in dieser bereits ihre Spuren hinterlässt, zeigt sich am Einkaufsmanagerindex (PMI), der im August mit 49.2 Punkten auf den niedrigsten Stand seit 18 Monate gefallen ist. Ein Wert unter 50 bedeutet eine Kontraktion.
In diesem Umfeld erstaunt es daher nicht, dass die europäische Einheitswährung gegenüber dem Schweizer Franken im August ein Rekordtief von 0.9552 markierte. Ein Grossteil der Euroschwäche ist auf den starken US-Dollar zurückzuführen. Dieser profitiert von der Aussicht auf weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed und von einer robusteren Konjunktur.
Einen Strich durch die Rechnung machte der Wirtschaft auch der heisse Sommer. Karge Felder, brennende Wälder und ausgetrocknete Flüsse belasten Europa. Neben den negativen Auswirkungen auf Gemüse- und Fruchternten, verteuert der tiefe Wasserpegel in den Flüssen die Transportkosten, da das Beladungsgewicht der Frachtschiffe reduziert werden muss. Zudem hat das geringe Wasservolumen einen negativen Einfluss auf den Energiesektor. Betroffen sind die Wasserkrafterzeugung, die Kühlsysteme von Kraftwerken sowie die Stromerzeugung durch Kohle. Aufgrund der aktuellen geopolitischen Ereignisse könnte der Zeitpunkt dafür kaum schlechter sein – eine Entspannung bei den hohen Energiepreisen ist vorerst nicht in Sicht.
Attraktives Gold
Obwohl Gold in einem solchen Umfeld gefragt sein sollte, neigte es zur Schwäche. Ausschlaggebend sind die höheren Zinsen, wodurch das Halten von Gold immer teurer wird. Trotzdem erachten wir das aktuelle Kursniveau als attraktiv. Gerade im Zuge der geopolitischen Spannungen, wie dem seit nunmehr sechs Monaten anhaltenden Krieg in der Ukraine oder dem Säbelrasseln zwischen China und Taiwan, dürfte das gelbe Edelmetall die Entwicklung eines Portfolios stabilisieren.
Aber nicht nur Aktienmärkte, sondern auch die Langfristzinsen schwanken stark. Allein im August haben sich die 10-jährigen Renditen von 0,4 Prozent auf teilweise über 0,8 Prozent gut verdoppelt, nachdem sie sich im Juli mehr als halbiert hatten. Die Volatilität am Zinsmarkt ist zurzeit doppelt so hoch wie im Schnitt der vergangenen fünf Jahre.
Aufgrund dieser anhaltenden Unsicherheiten haben wir bei Raiffeisen unser Übergewicht in Schweizer Aktien Ende August neutralisiert. Die dadurch generierte Liquidität erhöht den Handlungsspielraum im Fall von Marktverwerfungen.
Marcel Crameri
Leiter Vermögensberatung Raiffeisenbank Siggenthal-Würenlingen