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09.08.2021

Volatile Märkte voraus

Finanz Ecke Aug

Die Berichtssaison neigt sich dem Ende zu. Negative Überraschungen sind ausgeblieben. Viele Unternehmen lieferten, was von ihnen erwartet wurde. Einige packten gar eine «Schippe» drauf. Den Börsen brachte dies aber kaum weiteren Aufwind. 

Der zurückliegende Börsenmonat war von starken Schwankungen geprägt. Entsprechend verhalten entwickelten sich die Renditen. Die Indizes bewegen sich zwar immer noch auf Rekordniveaus, die Luft nach oben wird jedoch zunehmend dünner. Der Schweizer Aktienmarkt, gemessen am Swiss Market Index (SMI), verbuchte im Juli ein mageres Plus von 1,2 Prozent. Die US-Märkte tendierten schwächer: Der breite S&P 500 Index verlor währungsbereinigt rund 0,4 Prozent, die Technologie-Börse Nasdaq notierte 1,1 Prozent tiefer. Ebenfalls im Minus lag der europäische Stoxx 600 Index (-0,7 %).

Am Anleihemarkt machte sich derweil das abnehmende Momentum der Konjunkturerholung bemerkbar. Die Renditen für 10-jährige US-Staatsanleihen fielen im Monatsverlauf um über 20 Basispunkte auf knapp 1,22 Prozent. Ein ähnliches Bild ergab sich bei ihren Schweizer Pendants, welche nach einem Minus von 15 Basispunkten zuletzt nur noch mit -0,40 Prozent rentierten. In Folge der volatileren Aktienmärkte stieg das Gold wieder in der Gunst der Anleger (+2,1 %) und sprang über die Marke von 1'800 US-Dollar pro Unze. Seinem Ruf als «äusserst volatiles» Finanzinstrument machte einmal mehr der Bitcoin (+21,7 %) alle Ehre: Nach einem kurzzeitigen Fall unter 30'000 US-Dollar schoss die Kryptowährung gegen Monatsende innert weniger Tage auf über 40'000 US-Dollar hoch.

Starke Geschäftszahlen verpuffen
Die Schweizer Unternehmen haben bis dato grösstenteils sehr solide Geschäftszahlen vorgelegt. Als Corona-Profiteur entpuppte sich der Finanzsektor. Die kräftige Konjunkturerholung füllte jedoch auch die Auftragsbücher der heimischen Industriebetriebe. Infolgedessen haben beispielsweise ABB und Georg Fischer ihre Prognosen für das verbleibende Geschäftsjahr nach oben korrigiert. Dank coronabedingter Nachholeffekte im Konsumentenverhalten präsentierte sich der Schokohasenhersteller Lindt & Sprüngli ebenfalls stark. Wenig überraschend war auch das Ergebnis von Logitech: Die Homeoffice-Pflicht verhalf dem Computerzubehörzusteller zu einem massiven Wachstumsschub. Bei Nestlé fiel das Fazit hingegen durchwachsen aus: Der Nahrungsmittelkonzern aus Vevey legte ein solides organisches Umsatzwachstum hin, die gestiegenen Rohstoffpreise drückten jedoch die Margen. Licht und Schatten gab es auch beim Pharmariesen Roche: Während die Diagnostik-Sparte zulegte, schrumpfte der Pharma-Bereich. 

Die einzelnen Aktien reagierten unterschiedlich auf die jeweiligen Abschlüsse. Dem Gesamtmarkt brachte die Gewinnsaison allerdings wenig Impulse. Zu viel war im Vorfeld in den Kursen vorweggenommen. Die Marktteilnehmer blicken bereits in die Zukunft, wo sich eine Abschwächung der Wachstums- und Gewinndynamik abzeichnet. 

Auf den Spuren der US-Fed
Im Zuge der Corona-Krise hat die US-Notenbank Fed bereits im Herbst 2020 ihr Inflationsziel flexibilisiert. Nun tat es ihr die Europäische Zentralbank (EZB) gleich: Neu gilt in der Eurozone ein «symmetrisches» Inflationsziel von 2 Prozent. Dies bedeutet, dass die Währungshüter künftig auch jenseits dieser Marke liegende Teuerungsraten zeitweise akzeptieren. Ein Automatismus zu einer restriktiveren Geldpolitik ist somit nicht mehr gegeben. Zynisch gesprochen kommt dies einer «Lizenz zum Gelddrucken» gleich.

Die US-Fed indessen gab – angesichts der auch im Juni hohen US-Inflation (+5,4 %) – weiterhin vorsichtige Signale für eine kommende restriktivere Geldpolitik. Wir gehen davon aus, dass es spätestens an der Jackson-Hole-Konferenz Ende August nähere Information zum Thema «Tapering» (Drosselung der Anleihekäufe) geben wird.

Volatile Börsenwochen stehen bevor
Abseits der Gewinnsaison sind derzeit kaum frische Impulse für eine Fortsetzung der Aktienrally auszumachen. Dafür bieten die ungünstige Saisonalität, die Delta-Mutation, die hohen Bewertungsniveaus sowie die Verlangsamung der Wirtschaftserholung genügend Zündstoff für eine Korrekturbewegung im Bereich von 5 bis 10 Prozent. Die Aussicht auf eine restriktivere Geldpolitik dürfte zusätzlich für Volatilität sorgen. Wir raten Anlegern daher auf qualitativ hochstehende, bilanz- und margenstarke Valoren zu setzen. Keinesfalls sollte dabei aber die wohl wichtigste Portfolioweisheit ausser Acht gelassen werden: Breite Diversifikation ist Trumpf.

Marcel Crameri
Leiter Vermögensberatung Raiffeisenbank Siggenthal-Würenlingen