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Wie gewonnen, so zerronnen
Das Börsenjahr 2021 hat so begonnen, wie das alte Jahr aufgehört hat: volatil. Euphorie und Panik haben sich im Januar die Klinke in die Hand gegeben. Das dürfte auch im weiteren Jahresverlauf anhalten, denn obwohl sich die Weltwirtschaft erholt, bleiben Unsicherheiten.
Zurück auf Feld eins. So kann die Börsenentwicklung im ersten Monat 2021 kurz und knapp beschrieben werden. Der Swiss Market Index (SMI) verlor im Januar, trotz eines vielversprechenden Starts, gut 1 Prozent. Nachdem der Schweizer Leitindex in den ersten drei Wochen knapp 3 Prozent zugelegt hatte, hat er in den letzten drei Handelstagen des Monats alles wieder abgegeben.
Dabei waren die im Januar publizierten Jahresabschlüsse ermutigend. Die Grossbank UBS lieferte das beste Ergebnis seit 10 Jahren. Auch der Pharmazulieferer Lonza hat sehr solide Zahlen vorgelegt. Dennoch fiel die Reaktion an der Börse verhalten aus, da ein solches Ergebnis vom Markt erwartet wurde. Weniger erfreulich wurde das Ergebnis von Novartis aufgenommen. Der Pharmariese hat zwar mehr verdient, mit einem zaghaften Ausblick aber die Erwartungen der Anleger gedämpft. Auch bei anderen Unternehmen fiel der Ausblick für das laufende Jahr zurückhaltend aus.
US-Börsen auf Höchstständen
Keinen grossen Einfluss hatten die Turbulenzen im Zusammenhang mit dem Sturm auf das Capitol in Washington, sie vermochten die Börsen nicht aus dem Trott zu bringen. Die als Corona-Gewinner bekannten US-Technologiewerte überzeugten mehrheitlich mit Glanzresultaten. Auch die Aussicht auf zusätzliche Hilfspakete der neuen US-Regierung wurde von den Börsen positiv aufgenommen. Das führte dazu, dass der US-Markt, gemessen am breiten S&P 500 und am technologielastigen Nasdaq, ein Allzeithoch markierte.
Gefragt waren auch kleine und mittelgrosse Unternehmen. Der auf diese Unternehmen fokussierte Russell 2000 Index legte in US-Dollar allein im Januar 4,7 Prozent zu. Seit seinem Tief im März vergangenes Jahr sind es inklusive Dividenden gar 111 Prozent. Aber die Stimmungs-Indikatoren hatten teilweise derart positiv ausgeschlagen, dass die Euphorie als Warnsignal zu interpretieren war. Der Abverkauf an der Börse zum Monatsende hin war denn auch kurz und heftig.
Auslöser war, wie so oft in den vergangenen Monaten, das Coronavirus. Trotz vorhandener Impfstoffe schreiten die Impfungen nur zögerlich voran. Bis die Bevölkerung breitflächig geimpft ist, dürfte es wohl länger dauern. Kurzfristig wurden aufgrund der anhaltend hohen Infektions- und Todesfallzahlen in vielen Ländern neue Corona-Massnahmen erlassen, verlängert oder verschärft. Das dämpft die wirtschaftlichen Aussichten auf eine baldige Erholung. Wie fragil die Situation ist, zeigte sich am Beispiel Deutschland. Der Motor der europäischen Wirtschaft reduzierte bereits im Januar seine Wachstumsaussichten für das laufende Jahr von 4,5 Prozent auf 3 Prozent.
Aufschwung erzwingen
Dabei setzen die Regierungen weltweit alle Hebel in Bewegung und versuchen die Wirtschaft mit der Brechstange anzukurbeln. Dazu werden milliardenschwere Hilfsprogramme angestossen. Gerade in den Bereich Infrastruktur fliesst viel Geld. Um als Anleger von diesem Thema zu profitieren, gleichzeitig aber die Unsicherheiten zu berücksichtigen, halten wir an einer neutralen Aktienquote fest. Übergewichtet bleiben wir in Europa und den Schwellenländern, da diese Märkte besonders zyklisch sind und von einem Aufschwung stärker profitieren. Kehrseite dieser Hilfsprogramme sind die Zinsen. Weil sich die Staaten zur Finanzierung dieser Massnahmen weiter verschulden, fordern Investoren eine höhere Entschädigung. Für Anleger bedeuten steigende Zinsen, dass die Kurse für länger laufende Obligationen unter Druck kommen.
Ähnlich wie Obligationen entwickelten sich Immobilienfonds. Steigen die Zinsen, verlieren sie an Wert. Die kurzfristige Entwicklung sollte allerdings nicht darüber hinweg täuschen, dass die Rendite, der Inflationsschutz, ein knappes Angebot sowie die anhaltend hohe Nachfrage gerade nach Wohnraum weiterhin für Immobilienanlagen sprechen. Eigenschaften, die die Anlageklasse von Obligationen unterscheidet. Im Zuge der Anlegereuphorie zum Jahresbeginn hat auch Gold etwas nachgegeben. Als Krisenwährung, aufgrund der niedrigen Zinsen und weil die wirtschaftlichen Unsicherheiten momentan anhalten, dürfte das gelbe Edelmetall aber weiter gefragt bleiben.
Marcel Crameri
Leiter Vermögensberatung Raiffeisenbank Siggenthal-Würenlingen