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06.12.2021

Wie gewonnen, so zerronnen

Finanz Ecke Dez

Nach einer starken ersten Monatshälfte gaben die Aktienmärkte ihre Gewinne bis Ende November grösstenteils wieder ab. Schuld war einmal mehr die Corona-Pandemie.

Beflügelt vom Nachwirken der soliden Drittquartalszahlen und der Alternativlosigkeit der Anleger markierte der Swiss Market Index (SMI) am 18. November einen Höchststand bei 12'625 Punkten. Doch die vielerorts explodierenden Corona-Fälle, die damit einhergehenden Massnahmenverschärfungen sowie das Auftreten der Omikron-Variante brachten im weiteren Monatsverlauf die Pandemiesorgen zurück auf das Börsenparkett. Infolgedessen resultierte Ende November für den SMI ein mickriges Plus von 0,4 Prozent. Ebenfalls auf der Stelle traten die US-Märkte: Der breite S&P 500 Index verlor währungsbereinigt rund 0,5 Prozent, die Technologie-Börse Nasdaq notierte 0,6 Prozent höher. Mit deutlichen Verlusten verabschiedete sich der europäische Stoxx 600 Index aus dem November (-4,2%).

Die Sorgen rund um die Corona-Pandemie blieben auch am Devisenmarkt nicht ohne Folgen. Anleger suchten verstärkt sichere Häfen wie den Schweizer Franken. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat sich derweil nur verhalten gegen den neuerlichen Aufwertungsdrang des Frankens gestemmt. Zum einen verfolgt die SNB mit Blick auf ihre Devisenmarktinterventionen einen Währungskorbansatz. Der Euro hat zwar zuletzt deutlich an Boden verloren, zugleich wertete jedoch der US-Dollar gegenüber dem Franken auf. In Summe hielten sich beide Veränderungen etwa die Waage. Zum anderen ist angesichts der wachsenden Inflationsdifferenz zwischen Eurozone und Schweiz ein schwächerer Euro durchaus plausibel. In der Folge war die europäische Einheitswährung zu Monatsende mit knapp über 1.04 Franken so günstig wie seit Sommer 2015 nicht mehr.

Fed läutet geldpolitische Wende ein
Mitte November war es soweit: Die US-Notenbank Fed hat die geldpolitischen Zügel angezogen. Spätestens bis Juni 2022 wird sie ihre Anleihekäufe schrittweise zurückfahren. Ein erneutes Taper Tantrum, sprich eine heftige Marktreaktion auf die restriktivere Geldpolitik, konnten die Währungshüter um ihren Chef Jerome Powell bislang erfolgreich verhindern. Die Renditen für 10-jährige US-Staatsanleihen sind im November gar um 11 Basispunkte auf 1,44 Prozent gesunken.

Angesichts des anhaltenden Inflationsdrucks könnte das Tapering in Übersee noch schneller vonstattengehen, damit die Fed bei Bedarf früher in der Lage ist Zinserhöhungen einzuleiten. Wir rechnen mittlerweile für das Jahr 2022 mit zwei Zinsschritten in den USA. In Europa hingegen ist eine geldpolitische Wende nicht in Sicht. Die Europäische Zentralbank (EZB) warnte zwar zuletzt, dass der Inflationsdruck doch länger anhalten könnte als erwartet, einen Grund von ihrem expansiven Kurs abzuweichen sieht sie darin jedoch nicht. 

Jahresendrally oder Konsolidierung?
Historisch betrachtet gilt der Dezember als guter Börsenmonat und verspricht in der Regel steigende Kurse. Aktuell spricht aber vieles eher für eine Konsolidierung. Die Aktienmärkte verzeichnen in diesem Jahr mit einem satten zweistelligen Plus bereits eine überdurchschnittliche Performance. Unternehmensseitig dürften kurstreibende Impulse eher rar gesät sein. Darüber hinaus belastet die neuerliche Corona-Welle sowie die Ausbreitung der Omikron-Variante die Märkte. Als kurzfristige Volatilitätstreiber dürften zudem die Budgetdiskussionen und die zwingend nötige Anhebung der Schuldenobergrenze in den USA relevant sein: Deadline hier ist Mitte Dezember. 

Die Liste an Risikofaktoren ist lang. Wir raten Anlegern daher mit Blick auf das Jahresende zu einer leicht defensiven Positionierung. In unserer Anlagepolitik bevorzugen wir sichere Häfen wie Gold, Immobilienfonds und Schweizer Aktien.

Marcel Crameri
Leiter Vermögensberatung Raiffeisenbank Siggenthal-Würenlingen