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Zinsanstieg belastet
Zinsanstiege prägten das Börsengeschehen im September. Obwohl die Stimmung der Investoren auf den ersten Blick intakt ist, mahnen gewisse Anzeichen zur Vorsicht. Der Fokus liegt nun auf den Quartalszahlen.
Die Aktienmärkte haben im September über weite Strecken geschwächelt. Während der breite Schweizer Markt, gemessen am Swiss Performance Index (SPI) 2,5 Prozent nachgegeben hat, verlor der europäische EuroStoxx 50 um 2,2 Prozent. Auch der US-Amerikanische S&P kam mit -0,4 Prozent nicht in Fahrt.
Der Volatilitätsindex des S&P 500 (VIX), auch als Angstbarometer bezeichnet, notiert zwar nahe an seinem Tiefststand seit Anfang Jahr und spiegelt damit eine gewisse Ruhe an den Märkten. Dieser Eindruck ist aber nicht ganz korrekt. Unter der Oberfläche, speziell im Technologiesektor, gehören zweistellige Kursschwankungen bei zahlreichen Aktien fast schon zur Tagesordnung.
KI freut, Iran belastet
Auslöser für die teils heftigen Kursbewegungen sind einerseits das Thema Künstliche Intelligenz, das in regelmässigen Abständen auch im abgelaufenen Monat für Börseneuphorie sorgte. Andererseits belastet der aufgrund des festgefahrenen Konflikts im Iran und der damit einhergehende hohe Ölpreis die Stimmung.
Dass das Geld nicht mehr so locker sitzt, zeigt auch der Blick auf die geplanten Börsengänge. So hat zum Monatsende hin der Smart-Ring-Hersteller Oura seinen Börsengang verschoben. Begründet wurde der Schritt, trotz angeblich guter Nachfrage, mit Unsicherheiten am IPO-Markt. Ob das ein Warnzeichen ist, wird sich zeigen. Insgesamt wollte das Unternehmen bis zu 2,2 Milliarden Dollar einsammeln. Das ist ein verhältnismässig bescheidener Betrag, vor allem mit Blick auf die erwarteten Börsengänge der KI-Unternehmen Anthropic und Open AI, die sich von Investorinnen und Investoren ein Vielfaches dieser Summe wünschen, deren Publikumsöffnungen aber auf sich warten lassen. Umso spannender wird der Blick auf die anstehenden Drittquartalszahlen.
Schwacher Franken
Im Fokus der Schweizer Investorinnen und Investoren stand im September der schwächelnde Schweizer Franken. Gegenüber dem US-Dollar verlor dieser 3,3 Prozent, verglichen mit dem Euro betrug das Minus im September 0,8 Prozent.
Wegen des schwachen Frankens können sich Anlegerinnen und Anleger, die in der hiesigen Valuta rechnen, über Fremdwährungsgewinne freuen. Auch die Exportindustrie vermag ihre Produkte derzeit im Ausland günstiger abzusetzen. Dies ist eine willkommene Abwechslung, nachdem die Frankenstärke in den vergangenen Jahren wie ein Fitnessprogramm für die Unternehmen gewirkt und diese zu Innovationen und Effizienzmassnahmen gezwungen hat, um wettbewerbsfähig zu bleiben
SNB wohl vor Zinserhöhung
Grund für die Frankenabwertung ist die zunehmende Zinsdifferenz, welche die Attraktivität des Frankens belastet. Das liegt daran, dass die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of Japan (BoJ) ihre Leitzinsen im September erneut um jeweils 25 Basispunkte erhöht haben, und nun auch die US-Notenbank Fed die Zinswende eingeleitet hat. Im Gegensatz dazu hält die Schweizerische Nationalbank (SNB) vorerst noch an ihrer Nullzinspolitik fest. Gleichzeitig mehren sich aber die Zeichen, dass auch sie in naher Zukunft ihren Leitzins anheben wird.
Die gestiegenen Leitzinsenzinsen und die entsprechenden Erwartungen spiegeln sich auch in den Kapitalmarktzinsen. Diese sind vielerorts auf Mehrjahreshöchststände geklettert. Problematisch wird das sowohl für die Konjunktur als auch für die Unternehmensgewinne. Zudem drückt der Zinsanstieg die Bewertungen. Die Stimmung an den Börsen könnte sich dadurch eintrüben.
Beim Gold ist diese bereits geschehen, weil die gestiegenen Zinsen die Opportunitätskosten der Anleger für das Halten von Gold verteuern. Die Geldpolitik der Währungshüter, geopolitische Unsicherheiten, gepaart mit steigenden Inflationsraten sprechen unseres Erachtens weiterhin für eine Goldallokation. Ein Sicherheitsanker schadet in diesem Umfeld sicher nicht.
Marcel Crameri
Leiter Vermögensberatung Raiffeisenbank Siggenthal-Würenlingen