Erfolg im Auslandsgeschäft

«Für Produkte, die mit dem Schweizerkreuz gekennzeichnet sind, kann man gut und gerne 20 Prozent mehr verlangen.»

Drucken

SWISS LABEL blickt auf eine über 100-jährige Geschichte zurück. Heute hat das Herkunftslabel fast 1'000 Mitglieder, darunter auch Raiffeisen. Präsident Ruedi Lustenberger über den Wert von Swissness in der globalisierten Wirtschaft.

Ruedi Lustenberger, Präsident von Swiss Label

«In der Geschichte unseres Labels spiegelt sich die Entwicklung der Schweizer Wirtschaft, die bekanntlich stark durch KMU geprägt ist.»

 

Herr Lustenberger, was macht die Marke Schweiz aus?

Die Marke Schweiz bürgt seit Jahrzehnten weltweit für Qualität, Zuverlässigkeit und Tradition. Auch wenn das Image der Schweiz in den letzten Jahren vielleicht etwas gelitten hat, gelten Schweizer Produkte im Ausland nach wie vor als sehr exklusiv. Dafür sind sie meist auch etwas teurer.

 

Wie viel ist Swissness wert? Können Sie das beziffern?

Der Bundesrat hat in seiner Botschaft zum Markenschutzgesetz festgehalten, dass man für Produkte, die mit dem Schweizerkreuz gekennzeichnet sind, gut und gerne 20 Prozent mehr verlangen kann. Es gibt auch Märkte, in denen dieser Preisaufschlag noch um einiges grösser ist, bei Schokolade oder Uhren zum Beispiel.

In welchen Ländern lassen sich Schweizer Produkte am besten vermarkten?

Überall dort, wo in den letzten Jahren eine neue, kaufkräftige Bevölkerungsschicht entstanden ist. Die besten Beispiele dafür sind Russland und China. Die neuen Wohlhabenden dieser Länder zeigen gerne, dass sie sich mehr leisten können als der Durchschnittsbürger. Schweizer Produkte eignen sich gut dafür – erst recht, wenn ein Schweizerkreuz darauf abgebildet ist.

 

Wie wichtig ist die Herkunft in der globalisierten Wirtschaft denn überhaupt noch?

In vielen Marktsegmenten ist ein günstiger Preis wichtiger als Herkunft und Qualität. Doch es gibt auch einen Gegentrend: Vor allem jungen Konsumenten ist es wichtig zu wissen, woher Produkte stammen. Es tönt zwar widersprüchlich, aber die Globalisierung stärkt das Regionale. Konsumenten sind bereit, für einen guten Wein aus dem Wallis oder ein individuell gefertigtes Möbel aus dem Entlebuch mehr zu bezahlen als für ausländische Waren. SWISS LABEL hilft bei der Vermarktung solcher Produkte, denn es bürgt für Qualität und ist ein klares Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Schweiz.

 

Welche weiteren Vorteile bietet das Label?

SWISS LABEL ist primär ein Herkunftslabel. Da man mit dem Produktionsstandort Schweiz automatisch hohe Qualität in Verbindung bringt, ist es gleichzeitig auch ein Qualitätslabel, mit dem sich Mitglieder von der Konkurrenz abheben können. Darüber hinaus profitieren Unternehmen von einem Wissensvorsprung im Markenrecht: Jedes Mitglied hat Anrecht auf eine kostenlose Erstberatung zu markenrechtlichen Fragen. Zudem informieren wir unsere Mitglieder laufend über die Entwicklungen im Zusammenhang mit Swissness. 

 

2017 trat das Swissness-Gesetz in Kraft. Welche Auswirkungen hatte das Gesetz auf SWISS LABEL?

Seit der Gesetzesänderung müssen bei Produkten mindestens 60 Prozent der Herstellungskosten im Inland anfallen, damit diese mit dem Schweizerkreuz beworben werden dürfen. Früher waren es 50 Prozent. Wir haben beschlossen, dass wir unsere Anforderungen noch etwas höher ansetzen, da hohe Auflagen die Attraktivität unseres Labels stärken. Heute fordern wir einen Anteil von 70 Prozent. Bei Lebensmitteln sind wir mit 90 Prozent ebenfalls 10 Prozent über dem gesetzlichen Minimum.

 

Der Mitgliederbestand ist in den letzten 15 Jahren von gut hundert auf fast 1'000 angewachsen. Wie erklären Sie sich diesen starken Zulauf?

In den frühen Nullerjahren hat SWISS LABEL stagniert und stand vor dem Aus. 2003 haben wir einen Neustart gewagt und die Geschäftsführung beim Schweizerischen Gewerbeverband angegliedert. Danach ging es steil aufwärts. Vor allem durch Empfehlungen von bestehenden Mitgliedern kamen immer mehr neue Unternehmen zu uns. Es war der klassische Schneeballeffekt.

 

Letztes Jahr hat SWISS LABEL das 100-Jahr-Jubiläum gefeiert. Wie hat sich das Label über die Jahre verändert?

In der Geschichte unseres Labels spiegelt sich die Entwicklung der Schweizer Wirtschaft, die bekanntlich stark durch KMU geprägt ist. In den letzten Jahren kam es zu einer Verschiebung vom zweiten Sektor hin zum dritten: Hatten wir zu Beginn vor allem Produktionsbetriebe als Mitglieder, stossen heute vermehrt auch Dienstleistungsbetriebe zu uns. Die Palette reicht von Institutionen aus dem Bildungsbereich über Zahnlabors bis hin zu Übersetzungsbüros.

 

Der grösste Dienstleistungsbetrieb unter Ihren Mitgliedern ist Raiffeisen. Welchen Nutzen bietet die Mitgliedschaft der Bank und ihren Kunden?

Swiss Label und Raiffeisen passen sehr gut zusammen. Beide sind lokal verwurzelt und in allen vier Sprachregionen aktiv. Das Alleinstellungsmerkmal von Raiffeisen ist Nähe – und genau dafür steht auch Swiss Label. Als genossenschaftliche Inlandbankengruppe mit über 13'000 Mitarbeitenden kann sich Raiffeisen somit noch besser von der Konkurrenz, die tendenziell immer mehr Arbeitsplätze ins Ausland verlagert, abgrenzen. Mit unserem Know-how in der Vermarktung von Swissness können wir die Bank beraten, wie sie zusätzlichen Mehrwert für ihre Kunden schafft.

Ruedi Lustenberger, Präsident von Swiss Label
Ruedi Lustenberger, Präsident von Swiss Label

Ruedi Lustenberger ist Präsident von SWISS LABEL, der Gesellschaft zur Promotion von Schweizer Produkten und Dienstleistungen mit dem Armbrustzeichen. Das Herkunftslabel wurde 1917 als Schweizer Woche gegründet und 1989 in SWISS LABEL umbenannt. Der Verein zählt knapp 1'000 Mitglieder. Es sind vor allem KMU aus allen Wirtschaftssektoren und Landesteilen.

www.swisslabel.ch