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Finanz-News Februar
Turbulent ins neue Jahr
Das geopolitische Umfeld verunsichert Anlegerinnen und Anleger. Entsprechend präsentierten sich die Börsen zum Jahresauftakt volatil. Die Geschäftszahlen der Unternehmen fielen derweil mehrheitlich im Rahmen der Erwartungen aus.
Die Aktienmärkte starteten vielversprechend, teils mit neuen Rekordständen, ins Jahr 2026. Angesichts der geopolitischen Spannungen rund um Grönland, Venezuela und dem Iran sowie des drohenden Verlusts der Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed machte sich unter Anlegerinnen und Anlegern aber Nervosität breit, was der zeitweise Anstieg des Volatilitätsindex (VIX) widerspiegelte.
Für den Swiss Market Index (SMI) resultierte zu Ende Januar ein Nullsummenspiel. Positiv fielen mit einem Plus von über 12 Prozent die Aktien des Industriekonzerns ABB auf. Sie profitierten von ansprechenden Geschäftszahlen. Ebenfalls stark gefragt waren die Papiere des Telekommunikationsanbieters Swisscom, des Vermögensverwalters Partners Group sowie der Pharmagiganten Roche und Novartis. Trotz guter Geschäftszahlen unter Abgabedruck standen die Valoren des Computerzubehörbauers Logitech und des Luxusgüterherstellers Richemont. Regelrecht enttäuscht waren die Investoren von Sika. Der Baustoffspezialist wurde im vergangenen Jahr von der schwachen Konjunktur in China ausgebremst. Generell ist die Berichtssaison von Licht und Schatten geprägt. Während Industriefirmen unter der schwachen Wirtschaft leiden, sieht die Bilanz vieler Dienstleister gut aus. Bei den exportorientierten Unternehmen hat der schwache US-Dollar Bremsspuren hinterlassen.
Die ausländischen Aktienmärkte entwickelten sich unterschiedlich. Der EURO STOXX 50 verbuchte in Franken gerechnet ein Plus von 1,1 Prozent, die amerikanische Technologiebörse Nasdaq dagegen büsste 2,1 Prozent ein. Die Berichtssaison in den USA zeigt dabei, dass der Hype um künstliche Intelligenz (KI) anhält, die Investoren aber zunehmend die immensen Kosten für den Infrastrukturausbau hinterfragen.
Goldpreis fährt Achterbahn
Das Gold profitierte einmal mehr von seinem Charakter als sicherer Hafen. Der Unzenpreis kletterte im Januar bis knapp unter die Marke von 5'600 US-Dollar. Zu Monatsende musste das Edelmetall allerdings einen Teil seiner Gewinne wieder abgeben. Grund war zum einen die Nomination von Kevin Warsh zum künftigen Fed-Präsidenten. Die Märkte gehen davon aus, dass die amerikanische Geldpolitik unter diesem etwas weniger locker ausfallen könnte als unter den anderen Kandidaten, was zu einer temporären Stabilisierung des Dollars führte. Zum anderen wurden Spekulanten durch höhere Margenanforderungen der Chicagoer Derivatebörse ausgebremst. Zudem nutzten viele Marktteilnehmer den fulminanten Kursanstieg beim gelben Edelmetall für Gewinnmitnahmen. Auch Raiffeisen hat ihre Goldquote leicht reduziert, bleibt aus Diversifikationsgründen aber übergewichtet.
Die unberechenbare Politik von US-Präsident Donald Trump führt derweil zu einem fortschreitenden Vertrauensverlust der Investoren in die USA, was sich in höheren Risikoprämien für amerikanische Staatsanleihen niederschlägt. Mit 4,3 Prozent warfen etwa solche mit einer Laufzeit von zehn Jahren im Januar zeitweise rund 15 Basispunkte mehr ab als zu Jahresanfang.
Notenbanken im Pause-Modus
Die US-Notenbank Fed hat an ihrer ersten Sitzung im Jahr 2026 die Leitzinsen trotz des politischen Drucks erwartungsgemäss unverändert belassen. Aufgrund der hartnäckig hohen Teuerung (Dezember: +2,7%), die seit März 2021 konstant über dem Inflationsziel von 2 Prozent liegt, ist der Spielraum für weitere Zinssenkungen limitiert. Wir rechnen in diesem Jahr noch mit einer letzten Zinsreduktion um einen Viertelprozentpunkt. Die Leitzinszyklen in Europa und der Schweiz dürften hingegen bereits abgeschlossen sein.
Die konjunkturellen Aussichten für das laufende Jahr sind durchzogen. Beiderseits des Atlantiks dürfte die Wirtschaft unter Potenzial wachsen. Sorgenkind bleibt insbesondere die Industrie. Zudem sorgen die Krisenherde rund um den Globus für Unsicherheit. Trotz des positiven Starts der Aktienmärkte in den Februar dürfte es also in den kommenden Wochen volatil bleiben. Wir halten bei Aktien an unserem leichten Untergewicht fest. In Erwartung einer sich fortsetzenden Sektorrotation in Richtung defensiver Werte sowie aufgrund der moderaten Bewertung und der attraktiven Dividendenrendite präferieren wir innerhalb der Anlageklasse den Schweizer Markt.
Michael Probst, Leiter Vermögensberatung, Raiffeisenbank Surbtal-Wehntal
«Die Berichtssaison in den USA zeigt, dass der Hype um künstliche Intelligenz (KI) anhält, die Investoren aber zunehmend die immensen Kosten für den Infrastrukturausbau hinterfragen.»