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Finanz-News Juli
Iran-Hoffnung und KI-Sorgen
Investoren blicken auf ein volatiles, aber positives erstes Halbjahr zurück. Die Schwankungen dürften auch in der zweiten Jahreshälfte anhalten. Grund ist die nach wie vor fragile Lage im Nahen Osten sowie die als Folge der Tech-Rally entstandenen Konzentrationsrisiken.
Der Juni war für Anlegerinnen und Anleger ein guter Monat. Der Swiss Performance Index (SPI) eilte von einem Rekord zum nächsten und legte dabei um 4,5 Prozent zu. Seit Anfang Jahr notiert der Leitindex 9,2 Prozent höher. Diese Rendite übertrifft bereits nach sechs Monaten die langfristige Durchschnittsrendite eines Gesamtjahres. Noch stärker entwickelte sich der EURO STOXX 50, der sich im Juni in Schweizer Franken gerechnet um 5,9 Prozent verteuerte. Dazu beigetragen haben die Entspannungstendenzen im Nahen Osten. Angesichts des Rahmenabkommens zwischen den USA und dem Iran hoffen die Marktteilnehmer auf eine Lösung des Konfliktes und damit auf eine Normalisierung des Schiffsverkehrs durch die Strasse von Hormus. Das spiegelte sich in den Rohölnotierungen: Der Preis für ein Fass der Nordseemarke Brent verbilligte sich um fast ein Viertel. Mit 72 US-Dollar war es zu Monatsende so günstig wie letztmals vor Kriegsausbruch.
KI-Sorgen wachsen
Die US-Börsen wurden im ersten Halbjahr über weite Strecken von der Euphorie um Künstliche Intelligenz (KI) und der starken Entwicklung vieler Technologietitel getrieben. Im Juni flaute dieser Rückenwind jedoch merklich ab. Vor dem Hintergrund der sehr hohen Bewertungen vieler Halbleiter- und Hardwarefirmen befürchten die Anlegerinnen und Anleger eine Überhitzung des Technologiesektors. Zudem macht ihnen der schuldenfinanzierte Ausbau der KI-Infrastruktur Sorgen. Dass es für den S&P 500 und die Technologiebörse Nasdaq 100 im Monatsverlauf in Schweizer Franken dennoch um 2,4 respektive 3,3 Prozent nach oben ging, ist auf die markante Aufwertung des US-Dollars (+2.8%) gegenüber der hiesigen Valuta zurückzuführen.
Gold im Korrekturmodus
Der Goldpreis fiel im Juni temporär unter die Marke von 4'000 US-Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit November 2025. Zu Monatsende resultierte in Schweizer Franken ein Wertverlust von 8,2 Prozent. Damit summiert sich sein Minus im laufenden Jahr auf 5,4 Prozent. Belastungsfaktoren waren der stärkere Greenback sowie die höheren Kapitalmarktzinsen. Nichtsdestotrotz gehört das Edelmetall weiterhin in ein diversifiziertes Portfolio. Denn die Nachfrage der Notenbanken bleibt hoch und dürfte den Goldpreis stützen. Entsprechend halten wir zu Beginn der zweiten Jahreshälfte an unserem taktischen Übergewicht fest.
Anlagenotstand akzentuiert sich
Der Inflationsdruck hat dank des tieferen Ölpreises etwas nachgelassen, mit 4,2 Prozent (Mai) respektive 2,8 Prozent (Juni) liegt die Teuerung in den USA und der Eurozone aber nach wie vor über den Zielwerten der Notenbanken. Die zu Jahresbeginn von den Anlegerinnen und Anlegern erwarteten Zinssenkungen sind damit trotz nachlassender Konjunkturdynamik vom Tisch. Vielmehr hat die Europäische Zentralbank (EZB) im vergangenen Monat ihre Leitzinsen um 25 Basispunkte erhöht und die US-Notenbank Fed ihre Rhetorik verschärft.
Etwas anders ist die Situation in der Schweiz. Die Konsumentenpreise haben sich im Juni um 0,5 Prozent verteuert, im Vormonat lag die Rate bei 0,6 Prozent. Für die Schweizerische Nationalbank (SNB) besteht also kein Anreiz an ihrer Geldpolitik zu schrauben, zumal sich der langjährige Aufwertungsdruck auf den Franken abgeschwächt hat. Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass die SNB den Leitzins stabil halten wird. Für Schweizer-Franken-Anleger bedeutet das, dass sie weiterhin mit tiefen Zinsen konfrontiert sind. Unter Berücksichtigung der Inflation fallen die Sparzinsen aktuell sogar negativ aus.
Vorsicht Klumpenrisiken
Mit Blick auf die zweite Jahreshälfte rechnen wir mit volatilen Börsen. Denn zum einen bleibt die Lage im Nahen Osten fragil. Zum anderen hat mit der starken Entwicklung der Halbleiter- und Hardwareaktien die Gewichtung des Technologiesektors in vielen Aktienindizes weiter zugenommen, was zu Klumpenrisiken führt. Die hohe Konzentration in den Indizes, ambitionierte Bewertungen und die losgetretene Welle von Börsengängen deuten darauf hin, dass der KI-getriebene Marktzyklus bereits weit fortgeschritten ist. Entsprechend haben wir bei Schwellenländeraktien per Mitte Jahr Gewinne mitgenommen. Unverändert positiv stehen wir dem Schweizer Aktienmarkt gegenüber. Dieser punktet mit einer durchschnittlichen Dividendenrendite von rund 3 Prozent. Zudem dürfte er wegen seines hohen Anteils an Nicht-Technologiewerten von einer sich fortsetzenden Sektorrotation profitieren.
Michael Probst, Leiter Vermögensberatung, Raiffeisenbank Surbtal-Wehntal
«Mit der starken Entwicklung der Halbleiter- und Hardwareaktien hat die Gewichtung des Technologiesektors in vielen Aktienindizes weiter zugenommen, was zu Klumpenrisiken führt. Die hohe Konzentration in den Indizes, ambitionierte Bewertungen und die losgetretene Welle von Börsengängen deuten darauf hin, dass der KI-getriebene Marktzyklus bereits weit fortgeschritten ist.»