News
Erhöhte Unsicherheit
Für Anlegerinnen und Anleger war der Februar ein guter Monat. Angesichts des Krieges im Iran sind die Kursgewinne allerdings Anfangs März weitgehend dahingeschmolzen.
Der militärische Angriff der USA und Israels auf den Iran dominiert aktuell das Geschehen an den Finanzmärkten und überschattet die Börsenentwicklung im Februar. Die Performance des abgelaufenen Monats ist in den ersten Handelstagen förmlich weggeschmolzen.
Durch den Ausbruch des Krieges erhöhte sich die geopolitische Unsicherheit um eine weitere Komponente. In diesem Umfeld wurde Gold seinem Ruf als sicherer Hafen einmal mehr gerecht. Zur strukturell hohen Nachfrage kommt mit Ausbruch des Krieges kurzfristig ein zusätzlicher Kurstreiber hinzu. Gleichzeitig entpuppt sich die Kursentwicklung als äusserst volatil, weil der Markt von langfristig orientierten Käufern und kurzfristig getriebenen Spekulanten dominiert wird.
Der Ölpreis ist im Fokus
Im Zentrum des Konflikts steht jedoch Öl, dessen Preis und die weltweite Versorgung. Dabei spielt die Strasse von Hormus eine wichtige Rolle, denn diese ist für den Transport von Öl und Gas von strategischer Bedeutung. Rund 20 bis 25 Prozent des globalen Erdöls und Flüssiggases (LNG) werden über diesen Weg transportiert. Ein höherer Ölpreis wirkt inflationär, belastet Konsumenten wie auch Unternehmen und damit die Weltkonjunktur.
Im Rahmen der jüngsten geopolitischen Ereignisse haben wir unsere Prognosen für Öl und Gold nach oben revidiert. Beim schwarzen Gold haben wir unser 3-Monats-Kursziel von 60 auf 75 Dollar angehoben. Da wir im Verlauf der kommenden 12 Monate mit einer Beruhigung rechnen, belassen wir das Kursziel für diesen Zeitraum unverändert bei 65 US-Dollar. Beim Gold prognostizieren wir nach den jüngsten Kursanstiegen auf 3 und 12 Monate einen Goldpreis von 5'500 USD. Das Übergewicht in Gold halten wir bei.
Ein positiver Februar
Im Zuge der Aktualität geht beinahe unter, dass der Februar ein positiver Monat war. Der Swiss Market Index (SMI) verteuerte sich um gut 6 Prozent und jagte über weite Strecken von einem Rekord zum nächsten. Getrieben wurde der Index durch die starke Entwicklung der Schwergewichte Nestlé und Novartis, die je rund 14 Prozent zulegten. Als Überflieger entpuppte sich Amrize. Die Aktien des Baustoffzulieferers verteuerten sich allein im abgelaufenen Monat um 21 Prozent.
Dass der Schweizer Leitindex im Interesse der Anleger stand, liegt daran, dass das Thema Künstliche Intelligenz (KI) und die damit einher gehenden Milliarden Investitionen der grossen US-Technologiekonzerne und deren ökonomischer Nutzen zunehmend kritisch hinterfragt werden. Der KI-Überflieger Nvidia hat zwar mit einem sehr guten Ergebnis geglänzt, vermochte die Investoren aber nicht zu überzeugen. Die Aktien gerieten daraufhin unter Druck. Das spiegelt sich ebenfalls am breiten US-Aktienmarkt. Der S&P 500 büsste im Februar 1,4 Prozent ein und verlor während den ersten Handelstagen im März weitere 0,9 Prozent.
Leichte Dollarstärke
Der US-Dollar hat dagegen eine kleine Achterbahnfahrt hinter sich. Nach einem schwachen Jahresstart tendierte er mit Ausbruch des Krieges zur Stärke. Trotz all seiner strukturellen Defizite wird der Greenback im Ernstfall zu einem sicheren Hafen. Vor dem Hintergrund der äusserst schwachen Entwicklung im 2025 ist das jüngste Aufbäumen allerdings zu relativieren.
Mit Spannung war auch das Urteil des obersten US-Gerichtshofs zur Legalität der US-Handelszölle erwartet worden. Diese wurden vom Supreme Court für unzulässig erklärt. Die Turbulenzen sind damit aber keinesfalls vom Tisch. Im Gegenteil, betroffene Unternehmen haben bereits bekannt gegeben, dass sie die illegal bezahlten Steuern zurückfordern werden.
Anlagetaktisch tragen wir den gegenwärtigen Unsicherheiten mit unserer defensiven Positionierung bereits Rechnung. Unser Homebias präferiert den Schweizer Heimmarkt, der dank seiner defensiven Ausrichtung im aktuellen Umfeld besser abschneiden dürfte als viele andere Aktienmärkte. Hinzu kommt unser taktisches Untergewicht bei Aktien sowie die Übergewichte in Schweizer Immobilienfonds, Gold und einem hohen Anteil in Schweizer Franken.
Michael Probst, Leiter Vermögensberatung, Raiffeisenbank Surbtal-Wehntal
«Dass der Schweizer Leitindex im Interesse der Anleger stand liegt daran, dass das Thema Künstliche Intelligenz (KI) und die damit einher gehenden Milliarden Investitionen der grossen US-Technologiekonzerne und deren ökonomischer Nutzen zunehmend kritisch hinterfragt werden.»