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10.09.2026

Finanz-News September

Erstaunliche Resilienz

 

Ein Ende des Nahost-Konfliktes ist weiterhin nicht in Sicht. Zugleich sind die Kapitalmarktzinsen gestiegen. Grund sind neben der kriegsbedingten Inflation strukturelle Treiber wie die explodierende Staatsverschuldung und der massive Ausbau von KI-Infrastruktur. Die Aktienmärkte konnte das im August nicht aus dem Tritt bringen. 

Die Frist über ein Abkommen zwischen dem Iran und den USA ist ergebnislos abgelaufen. An einer Verlängerung zeigten beide Seiten kein Interesse. Infolgedessen setzten Ende August in der Golfregion erneut Gefechte ein. Die US-Regierung kündigte darüber hinaus wirtschaftliche Sanktionen gegen Teheran an. Eine Normalisierung der Rohstofftransporte durch die Strasse von Hormus ist somit wieder in weitere Ferne gerückt, was den Fasspreis für Rohöl (Brent) zurück über die Marke von 90 US-Dollar klettern liess.

Die Aktienmärkte zeigten sich von all dem weitgehend unbeeindruckt. Der EURO STOXX 50 und der US-amerikanische S&P 500 Index verteuerten sich im August in Schweizer Franken gerechnet um 1,8 Prozent respektive 2,5 Prozent. Noch stärker legte die Technologiebörse Nasdaq 100 mit einem Plus von 4,1 Prozent zu. Getragen wurde die positive Dynamik von den sehr soliden Halbjahreszahlen vieler Unternehmen sowie der Hoffnung der Marktteilnehmer auf signifikante Produktivitätsgewinne im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz (KI).

Der Swiss Market Index (SMI) markierte seinerseits zunächst einen Rekordstand. In der zweiten Monatshälfte wurde er aber von den defensiven Schwergewichten sowie dem geringen Anteil an Technologiewerten ausgebremst. Per Ende August resultierte ein Wertverlust von 0,4Prozent.

 

Steigende Kapitalmarktzinsen

Die Resilienz der Aktienkurse ist auch vor dem Hintergrund der Entwicklungen am Kapitalmarkt erstaunlich. Denn wegen des hartnäckigen Inflationsdrucks fordern Anlegerinnen und Anleger für länger laufende Staatsanleihen höhere Risikoprämien. Für Zinsdruck sorgten zudem strukturelle Faktoren, unter anderem die geldpolitische Wende in Japan, die militärische Aufrüstung, der massive Ausbau der KI-Infrastruktur sowie die weltweit explodierende Staatsverschuldung. In den USA hat diese beispielsweise im vergangenen Monat die Marke von 40 Billionen US-Dollar durchbrochen, womit bis zum Erreichen der momentanen Schuldenobergrenze ein Puffer von nur noch rund einer Billion Dollar resultiert. Der nächste Government Shutdown in Washington dürfte also vorprogrammiert sein.

 

Gold auf Erholungskurs

Trotz des Zinsanstiegs war der August auch für Gold ein guter Monat. Das Edelmetall hat sich von seinen Juli-Tiefständen um 4'000 Dollar pro Unze gelöst und kletterte bis knapp unter die Marke von 4'700 Dollar. Auf Monatssicht resultierte in Franken gerechnet ein Kursgewinn von 10,0 Prozent. Damit notiert es gegenüber Jahresanfang rund 4,7 Prozent im Plus. Geholfen haben die anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten (US-Zollpolitik, Nahost-Konflikt und der Ukraine-Krieg), welche die Eigenschaft von Gold als sicherer Kapitalhafen zurück in den Fokus der Investoren rückten. Darüber hinaus wollen viele Notenbanken ihre Abhängigkeit vom US-Dollar reduzieren, was für eine konstant höhere Nachfrage sorgt. In diesem Zusammenhang hat China die sommerliche Kursschwäche genutzt, um seine Goldreserven rascher aufzustocken. Angesichts dessen halten wir bei dem Edelmetall an unserem taktischen Übergewicht fest.

 

Achtung Risiken

Mit dem September steht den Börsen der statistisch schwächste Handelsmonat bevor. Zusätzlichen Gegenwind verspricht das Marktumfeld, mitunter in Form der höheren Zinsen, der ungebremst steigenden Staatsschulden und des weiterhin ungelösten Nahost-Konfliktes. Darüber hinaus war das Gewinnwachstum in der abgelaufenen Berichtssaison von drei Sektoren getrieben. Die Banken profitierten von der steileren Zinskurve, die Energiewerte von den höheren Ölpreisen und die Technologietitel von dem Capex-Boom der grossen US-Hyperscaler im Zusammenhang mit der KI-Euphorie. Alle drei Faktoren sind jedoch kaum nachhaltig, was perspektivisch für ein abnehmendes Gewinnmomentum spricht. Vor diesem Hintergrund halten wir die aktuellen Analystenprognosen für zu ambitioniert und raten Anlegerinnen und Anlegern zu einer leicht defensiven Positionierung. Innerhalb der Aktienquote präferieren wir den Schweizer Markt. Dieser weist wenig Technologiewerte mit KI-Bezug, dafür zahlreiche qualitativ hochwertige und dividendenstarke Titel auf.

 

Michael Probst, Leiter Vermögensverwaltung, Raiffeisenbank Surbtal-Wehntal

 

«Das Gewinnwachstum in der abgelaufenen Berichtssaison war von drei Sektoren getrieben. Die Banken profitierten von der steileren Zinskurve, die Energiewerte von den höheren Ölpreisen und die Technologietitel von dem Capex-Boom der grossen US-Hyperscaler im Zusammenhang mit der KI-Euphorie. Alle drei Faktoren sind jedoch kaum nachhaltig.»