Anlagewissen einfach erklärt

Was ist nachhaltiges Anlegen?

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Sein Geld «nachhaltig» anzulegen ist nicht neu. So gibt es das Prinzip, bewusst nicht in kritische Unternehmen zu investieren, schon seit rund 100 Jahren. Doch erst zur Jahrtausendwende setzte ein Trend ein, der sich inzwischen auch bei institutionellen Anlegern zum Standard entwickelt. Was aber ist nachhaltiges Anlegen denn genau? 

 

Eine ökologische Krise – und die Lehre daraus

Die Idee der Nachhaltigkeit ist über 300 Jahre alt. Sie stellt die Lehre aus einer ökologischen Krise dar, als am Ende des 17. Jahrhunderts in Europa eine Holzverknappung drohte. Holz war damals als Baumaterial für Häuser und Schiffe aber auch als Energieträger eine zentrale Ressource, die rücksichtslos ausgebeutet wurde. In Anbetracht der damit verbundenen Probleme hat Hans Carl von Carlowitz (1645 – 1714), Oberberghauptmann am kursächsischen Oberbergamt in Freiberg/Sachsen, 1713 ein so einfaches wie auch einleuchtendes Prinzip formuliert: Immer nur so viel Holz schlagen, wie durch planmässige Aufforstung wieder nachwachsen kann. Oder anders formuliert: Man solle von den Erträgen und nicht von der Substanz leben.

Mit ähnlichen ökologischen, aber auch sozialen Herausforderungen vor Augen hat 1987 die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen (auch nach ihrer Vorsitzenden als Brundtland-Kommission bezeichnet) das forstwirtschaftliche Prinzip der Nachhaltigkeit erweitert zum Leitbild einer nachhaltige Entwicklung und dieses wie folgt definiert:

 

«Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.»

 

Richtig bekannt wurde der Begriff einer nachhaltigen Entwicklung durch die Konferenz von Rio 1992. Acht Jahre später, auf dem UN-Milleniumsgipfel in New York haben sich die UN-Mitgliedsstaaten acht Millenniums-Entwicklungsziele als Handlungsfelder für die internationale Politik definiert. 2015 wurden daraus die 17 sogenannten Sustainable Development Goals (SDGs).

Genau auf diesem Leitbild baut die Idee nachhaltigen Anlegens auf: Eine langfristig tragfähige wirtschaftliche Entwicklung ist nur möglich, wenn ökologische Grenzen respektiert und gesellschaftliche Systeme gefördert werden.

 

Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung

Gelten für alle Staaten: die 17 „Ziele für nachhaltige Entwicklung“ wurden 2015 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet.

Quelle: https://www.17ziele.de/downloads.html

Gelten für alle Staaten: die «17 Ziele für nachhaltige Entwicklung» wurden 2015 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet.
 

 

Augen auf! – Zielkonflikte auch beim Nachhaltigen Anlegen

Nachhaltige Geldanlagen unterscheiden sich von konventionellen Geldanlagen darin, dass zusätzlich zu den klassischen, rein finanziellen Bewertungskriterien auch die drei Themengebiete Umwelt, Soziales und Governance (darunter werden die Grundsätze guter Unternehmensführung verstanden) untersucht werden.

Das magische Dreieck des Anlegens

Diese zusätzlichen Kriterien werden heute üblicherweise auch unter dem Akronym «ESG» zusammengefasst: E für Umwelt (Englisch: environment), S für Soziales (social) und G für gute Unternehmensführung (governance). Sinn und Zweck dieser zusätzlichen Kriterien ist es, ein vollständiges Bild von Unternehmen zu gewinnen, um so unterscheiden zu können, welche von ihnen langfristig «fitter» für die Zukunft sind und welche eher mit Problemen zu kämpfen haben werden. Erstere haben ein grösseres Wachstumspotenzial, letztere bergen grössere Risiken für Anleger. 

Trotz dieses Weitblicks gilt es, auch beim nachhaltigen Anlegen – unabhängig vom Anlageziel – das «magische Dreieck des Anlegens» immer im Blick zu behalten: Die drei verständlichen Wünsche nach hoher Rendite, maximaler Sicherheit und jederzeitiger Verfügbarkeit stehen auch hier in einem Konflikt zueinander.

 

Nachhaltiges Anlegen ist nicht gleich nachhaltiges Anlegen

Wie genau fliessen nun ökologische und soziale Aspekte in die Anlageentscheidungen? Nachhaltiges Anlegen ist nicht gleich nachhaltiges Anlegen. Über die Zeit wurden unterschiedliche Ansätze entwickelt, die sich nicht nur im Vorgehen, sondern auch in der Wirkung unterscheiden. Wobei unter Wirkung dreierlei verstanden werden kann:

  1. Finanzielle Wirkung: Wie hoch sind die zu erwartende Rendite und das voraussichtliche Risiko des gewählten Ansatzes insbesondere im Vergleich zu konventionellen Anlagen?

  2. Ökologische und gesellschaftliche Wirkung (wird auch «Impact» genannt): Welche ökologischen Wirkungen sind mit den Investments verbunden. Ein bekanntes Beispiel für ein solches Mass ist der CO2-Fussabdruck.

  3. Wirkung auf das persönliche Wohlbefinden: Inwiefern bildet der gewählte Ansatz die persönlichen Werte des Anlegers ab?

Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die verschiedenen Ansätze nachhaltigen Anlegens und deren jeweiligen Wirkungen:

  Wirkung auf Rendite/Risiko Ökologische und soziale Wirkung Abbilden der eigenen Werte
Ausschlusskriterien

0 bis - (abhängig vom Umfang)

0

++

Best-in-Class/Best-in-Service

+ bis ++

0 bis +

 

+

ESG-Integration

+ bis ++

0

0

Dialog mit Unternehmen/ Stimmrechtsausübung

0 bis +

0 bis ++ (im Erfolgsfall)

+

Thematisches Anlegen

+

0 bis +

0 bis +

Impact Investing

0

++

++

Nachhaltiges Anlegen eröffnet Ihnen neue, attraktive Möglichkeiten

Auf den ersten Blick erscheint diese Vielfalt nachhaltiger Anlagestrategien verwirrend. Anders als zum Beispiel der Dschungel an Nateltarifen haben Sie hier allerdings einen wichtigen Vorteil: Mit der Wahl Ihrer Investments haben Sie nicht nur Einfluss auf das Risiko und die erwartete Rendite. Sie können damit darüber hinaus Ihren persönlichen ökologischen und sozialen Fussabdruck steuern. Ganz wichtig ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass eine Vielzahl von wissenschaftlichen Studien festgestellt hat, dass nachhaltige Anlagen unter zusätzlicher Berücksichtigung des Risikos vorteilhafter sind. Denn nachhaltige Unternehmen agieren zum einen umsichtiger, steuern also ihre Geschäftsrisiken besser. Und sie haben langfristig betrachtet höhere Renditechancen, da solche Firmen ihre Produkte und Prozesse konsequent auf die Zukunft ausrichten. Das ist gut für die Umwelt, die Gesellschaft – und Ihren Geldbeutel.

Wer Anlagen tätigen will, die als nachhaltig positioniert sind oder dieses Attribut im Namen tragen, sollte sich genauer erkundigen, welche Strategien dort konkret verfolgt werden. Nur so lässt sich entscheiden, ob sich dies mit den eigenen Interessen bzw. Motivationen gut vereinbaren lässt.

 

Tipps vom Experten

  • Wenn Sie langfristig investieren wollen, führt heute an nachhaltigen Investments kaum ein Weg mehr vorbei. Sie stehen hinsichtlich Rendite oder Risiko einem traditionellen Portfolio in nichts nach.
  • Auch bei nachhaltigen Anlagen sollten Sie im Vorhinein eine klare Anlagestrategie basierend auf Ihrer Risikofähigkeit und –bereitschaft definieren. Überlegen Sie sich zudem, worauf es Ihnen beim nachhaltig investieren ankommt und welche Ziele Sie unterstützen wollen. So können Sie leichter erkennen, welche nachhaltigen Anlagestrategien besser zu Ihren Renditeerwartungen einerseits als auch persönlichen Werten andererseits passen.
  • Wichtig ist, dass ein Vermögensverwalter über genügend Know-how verfügt. Ein gutes Zeichen hierfür ist Transparenz darüber wie Nachhaltigkeit genau umgesetzt wird. Der Europäische Transparenz Kodex für nachhaltige Publikumsfonds ist ein gutes Indiz und Hilfsmittel. Hier müssen Anbieter genau Auskunft geben, zum Beispiel welche ESG-Kriterien sie anwenden.
  • Schauen Sie sich an, welche Unternehmen in nachhaltigen Portfolios (z. B. Fonds) genau enthalten sind. Entsprechen diese Ihrer Nachhaltigkeitsstrategie? Denken Sie daran: Damit eine ESG-Analyse ihre Vorteile richtig ausspielen kann, sollte sie «bissig» sein.

 

 

Persönliche Beratung

Ihre Kundenberaterin oder ihr Kundenberater informieren Sie gerne über die Ihre Möglichkeiten im Bereich nachhaltiges Anlegen.