Beat Bütikofer - vorzeitige Pensionierung - eine Ära geht zu Ende

Interview:
Petra Herger aus Schattdorf - heute Mitarbeiterin Dienste/Marketing - war 1997 Lernende im 1. Lehrjahr, als Beat Bütikofer seine Tätigkeit als Vorsitzender der Bankleitung bei der damaligen Raiffeisenbank Urner Unterland begann.

 

1. Persönlicher Einstieg

Beat, wie fühlt es sich an, den Schritt in die vorzeitige Pension zu gehen?
Es kommen mir drei Stichworte in den Sinn: Dankbarkeit – Vorfreude – Respekt.  Dankbarkeit für die erfüllende Zeit bei der Raiffeisenbank Urnerland mit vielen wertvollen Kontakten zu Menschen. Vorfreude auf einen neuen Lebensabschnitt, in dem ich mehr Zeit für Bewegung, Natur, persönliche Interessen und natürlich die Familie habe. Respekt, ob die Transformation vom Bankangestellten zum zufriedenen Früh-Pensionär gelingen wird.

Gab es einen Moment, in dem du wusstest: „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt“?
Der Rückzug aus dem Erwerbsleben mit 58 Jahren gehört seit langem zu meinem Lebensplan. Ich habe in jungen Jahren berufsbegleitend viel Zeit in Aus- und Weiterbildung gesteckt und investierte dazu Ferien, Wochenenden und Freitage. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, diese Investition zu kompensieren. Eine seriöse Finanzplanung zeigte die Machbarkeit auf.

 

2. Rückblick auf die berufliche Laufbahn

Was macht dich am meisten stolz?
Dass wir als Team die Bank nicht nur wirtschaftlich weitergebracht haben, sondern auch menschlich und regional stark verankert geblieben sind. Als genossenschaftlich organisierte Bank muss dies auch zwingend unser Anspruch sein.

Besondere Projekte oder Erlebnisse?
Der Erwerb der Bankräume im Kesselbachhaus in Altdorf im Jahr 2000 katapultierte die damalige Raiffeisenbank Urner Unterland in eine andere Liga. Plötzlich gelang es, neue Kunden anzusprechen. Die Investition allein machte uns nicht zu einer besseren Bank. Aber sie setzte ein Zeichen: Raiffeisen ist eine Bank mit Innovationsdrang und will wachsen.  

Grösste Herausforderung?
Die Corona-Zeit war sicher eine der grösseren Herausforderungen. Die Balance zwischen Sicherheit, Nähe und Stabilität zu halten, hat viel von der Führung abverlangt – aber auch gezeigt, wie stark unser Team ist. Weitere Herausforderungen waren wirtschaftliche Ereignisse, welche zu starken Wellenbewegungen beim Kundenzuwachs führten. Ich denke da an das Swissair-Grounding, oder ans Wanken oder gar Verschwinden von Mitbewerbern im Markt. Ein Berufskollege hat mich in einer solchen Zeit einmal angesprochen: «Wir müssen derzeit wohl beide Überstunden machen – ihr aber wenigstens wegen Kundenzuwachs…».  

Entscheidungen mit grosser Wirkung?
Unspektakuläre und seriöse Arbeit, verbunden mit einer Prise Bescheidenheit zeigt langfristig die grösste positive Wirkung. Mit 118 Jahren ist unsere Bank eine Dame im besten Alter und kein Start-up-Unternehmen, das sich quartalsweise den kritischen Investoren offenbaren und die Projektkosten rechtfertigen muss. Unsere zentrale Aufgabe ist es, langfristig Mehrwert für unsere Genossenschafter/-innen zu schaffen.

Worauf bist du besonders stolz?
Auf die Kultur, die wir gemeinsam aufgebaut haben: offen, vertrauenswürdig, wertschätzend und zukunftsorientiert. Viele aus meinem Team sind neben Mitarbeitenden auch Weggefährten.

Beat Bütikofer
«Besonders stolz bin ich auf die Kultur, die wir bei der Raiffeisenbank Urnerland aufgebaut haben.»

Beat Bütikofer

3. Beweggründe für die vorzeitige Pension

Was hat dich dazu bewogen?
Als Vorsitzender der Bankleitung habe ich den Anspruch, in allem bei den Besten zu sein. Das war einmal. Bei technologischen Neuerungen bin ich längst nicht mehr der Erste, der alles voll im Griff hat. Das kann im Moment noch kompensiert werden durch die Erfahrung. Aber auch diese Reserve ist irgendwann einmal aufgebraucht. Der richtige Zeitpunkt für mich, jüngeren Kräften Platz zu machen.

Auslöser oder langfristige Entscheidung?
Es war wie erwähnt eine langfristige Entscheidung; selbstverständlich seit Jahrzehnten abgesprochen mit meiner Frau Lydia. Wir operieren stets als Team.

 

4. Persönliche Highlights & Anekdoten

Lustige oder berührende Geschichte?
Mein erster Verwaltungsratspräsident und grosser Förderer bei Raiffeisen, Sepp Walker sel. aus Altdorf, fuhr eines Abends im Dezember mit seinem Wagen vor. Im Dunkeln roch ich den neuen Katalysator und fragte: «Sepp, hast Du einen neuen Auspuff?» Er schaute mich völlig entgeistert an und entgegnete: «Das ganze Auto ist neu!!!».

Wer oder was hat deinen Alltag bereichert?
Ganz klar: die Menschen. Das Team, die Kundschaft, die Partner – sie haben jeden Tag besonders gemacht.

 

5. Ausgleich, Work-Life-Balance

Wie hast du deine Balance gehalten?
Meinen Ausgleich finde ich im Freien. Meine Freizeitbeschäftigungen finden in der Natur statt. Da finde ich den so wichtigen Ausgleich zu meiner Arbeit, denn Abschalten vom Arbeitsalltag ist wichtig.

Umgang mit Stress?
Ich habe Arbeit und Privat stets getrennt, so gut es ging. Viel Arbeit bedeutet noch lange nicht Stress; dazu braucht es auch noch eine negative Komponente wie z.B. Konflikte. Ich habe gelernt, Dinge nicht zu dramatisieren und Lösungen zu suchen, statt Probleme zu wälzen. Darüber bin ich froh.

Wo tankst du Energie?
Innerhalb meiner Familie, in den Bergen, beim Wandern, beim Angeln, beim Holzen oder einfach bei einem Blick in die Natur. Auch kulinarischen Ereignissen pflege ich nicht aus dem Weg zu gehen.

Beat Bütikofer
«Meinen Ausgleich finde ich in der Natur.»

Beat Bütikofer

6. Blick in die Zukunft

Was bedeutet der neue Lebensabschnitt?
Freiheit, Selbstbestimmung und die Chance, weitere Seiten des Lebens zu entdecken.

Neue Projekte, Hobbys oder Reisen?
Ich freue mich auf mehr Zeit für Bewegung. Es gibt einige Projekte, die ich machen möchte. Ich bevorzuge das Langsam-Reisen. Sei es zu Fuss oder mit dem Velo. Wer mich kennt, der weiss, dass ich stets Projekte habe.

Was bedeutet „Lebensqualität“ für dich?
Gesundheit, Zeit für Menschen, die mir wichtig sind, und die Möglichkeit, jeden Tag bewusst zu gestalten, möglichst losgelöst von einer Agenda. Angenehm ist auch, wenn das Mobiltelefon nicht klingelt. Aber das ist bei mir sowieso äusserst selten der Fall. Mein nahes Umfeld weiss, wovon ich spreche und meine schwere Erreichbarkeit via Mobiltelefon ist glaube ich ein «Running Gag» in meinem Team. Das stört mich aber keineswegs.

 

7. Botschaft an Kolleginnen und Kollegen

Was möchtest du mitgeben?

·    Bleibt neugierig.

·    Bleibt menschlich.

·    Bleib bescheiden.

Und vergesst nie: Vertrauen ist das Fundament unserer Arbeit.

Tipp für jüngere Mitarbeitende?
Habt Mut, Verantwortung zu übernehmen – aber achtet auch auf euch selbst. Habt auch etwas Geduld. Erfolg ist ein Prozess, kein Ereignis.

 

8. Abschluss – Persönliche Reflexion

Was wirst du am meisten vermissen?
Die Fachgespräche oder der Austausch über Freizeitaktivitäten mit Kolleginnen und Kollegen, die sich berufsbedingt auch mit Fragestellungen aus Wirtschaft und Finanz auseinandersetzen, werde ich bestimmt vermissen. Auch der Austausch mit Kundinnen und Kunden wird mir fehlen. Es wird aber an mir liegen, ein Umfeld zu pflegen, welches weiterhin interessante Fachdiskussionen zulässt. Ebenfalls vermissen werde ich mein grosses, helles Büro mit Blick zum «Baum» sowie das eine oder andere Bild. 
Petra, gerne möchte ich an dieser Stelle auch noch platzieren, was ich keinesfalls vermissen werde.

Ich bitte darum:  

Ganz sicher nicht vermissen werde ich die ständig neuen regulatorischen Vorschriften, die uns in der Finanzbranche fast wöchentlich herausfordern.

Nicht vermissen werde ich auch Menschen, die ausschliesslich preisgesteuert sind und Service für eine Selbstverständlichkeit ohne Dankeschön halten - davon gibt es aber zum Glück nicht so viele bei uns.

 

Ein Satz noch zu deiner Zeit als Vorsitzender der Bankleitung?

Es war eine Reise voller Begegnungen, denn ich war zum Glück nie allein unterwegs. 

 

Beat, ich danke dir für das Interview und die sehr gute, langjährige Zusammenarbeit. Ich wünsche dir für deine Zukunft alles Gute und allem voran gute Gesundheit.