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Anlageguide Mai 2026: Angst und Gier – die Macht der Emotionen
- Trotz geopolitischer Unsicherheiten erreichen Aktienmärkte neue Höchststände
- Psychologische Faktoren sorgen für Kursentwicklungen, die der wirtschaftlichen Realität widersprechen
- Emotionale Reaktionen sorgen für typische Fehlentscheidungen bei Anlegern
- Raiffeisen bleibt aufgrund des volatilen Marktumfelds leicht defensiv positioniert
St.Gallen, 1. Mai 2026. Trotz anhaltender geopolitischer Spannungen, der blockierten Strasse von Hormus und stark gestiegener Energiepreise erreichten im April mehrere Aktienmärkte neue Höchststände. Diese Entwicklung steht im Widerspruch zur konjunkturellen Lage. Seit Jahresbeginn haben die Energiepreise durchschnittlich um über 80 Prozent zugelegt, die Inflation hat in den USA und Europa deutlich zugenommen und die Kapitalmarktzinsen sind gestiegen. Und mit jeder zusätzlichen Woche der Seeblockade nimmt das Risiko von realen Versorgungsengpässen zu. Höhere Preise und Zinsen belasten Konsum, Unternehmensgewinne und öffentliche Haushalte – fundamental spricht dies gegen nachhaltig steigende Aktienkurse. Zuletzt ist auch das Konsumentenvertrauen sowohl in den USA wie auch in Europa eingebrochen, was eine Stagflation – steigende Preise kombiniert mit einer lahmenden Wirtschaft – begünstigt.
Angst und Gier als Kurstreiber
Die jüngste Markterholung ist daher kaum eine Folge von wirtschaftlichen Verbesserungen, sondern vielmehr durch psychologische Faktoren erklärbar. In Phasen erhöhter Unsicherheit beeinflussen Emotionen wie Angst und Gier das Anlageverhalten besonders stark. Noch Mitte März war die Stimmung angesichts der Eskalation im Nahen Osten ausgesprochen pessimistisch. Viele Anleger verkaufen in solchen Situationen und realisieren damit Verluste, obwohl sich die Kurse häufig rasch wieder erholen. Mit der Aussicht auf einen Waffenstillstand im Nahen Osten drehte die Marktstimmung abrupt. Die Angst, eine Kurserholung zu verpassen, gewann bei Anlegerinnen und Anlegern Oberhand und trieb die Kurse nach oben. Matthias Geissbühler, Chief Investment Officer bei Raiffeisen Schweiz erklärt: «In steigenden Märkten werden Risiken häufig ausgeblendet, während in Korrekturphasen negative Nachrichten überbewertet werden. Dieses Wechselspiel führt zu typischen Anlagefehlern wie prozyklischem Investieren oder dem Abweichen von der langfristigen Strategie.»
Volatiles Marktumfeld spricht für eine aktive Anlagetaktik
Angesichts der anhaltend hohen geopolitischen Unsicherheiten bleibt Raiffeisen defensiv positioniert. Raiffeisen hat unmittelbar nach der Ankündigung des Waffenstillstandes zwischen dem Iran und den USA Anfang April die Untergewichtung von europäischen Aktien und Aktien aus Schwellenländern verringert und dafür die Liquidität etwas reduziert.
Über den Raiffeisen Anlageguide
Im monatlichen Anlageguide beleuchtet Matthias Geissbühler, Chief Investment Officer bei Raiffeisen Schweiz, zusammen mit seinem Team die aktuelle Lage an den Finanzmärkten und die Implikationen auf die verschiedenen Märkte und Anlageklassen. Zudem widmet sich der Anlageguide im Fokusteil jeden Monat einem aktuellen Thema, welches die Finanzmärkte beschäftigt, und liefert spannende Hintergrundinformationen dazu. Mehr zum Anlageguide sowie weitere Markteinschätzungen finden Sie unter raiffeisen.ch/anlageguide.