Raiffeisen KMU PMI (Konjunkturindikator)

KMU der Industrie: Erholung wird Zeit brauchen

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Die Raiffeisen KMU PMI konnte sich nach dem Coronaschock im März und April zwar etwas erholen. Das ist jedoch kein grosser Lichtblick. Die Geschäftslage ist weiter rückläufig und der Einbruch der Auftragsbestände bereitet den KMU grosse Sorgen.
 

«Wir verschieben unsere Investitionen auf unbestimmte Zeit», sagt der Geschäftsführer eines Maschinenbauunternehmens aus dem Berner Jura und drückt damit die Stimmung aus, die derzeit bei vielen KMU aus der Industrie herrscht. Denn auch nach den ersten beiden Etappen zur Lockerung der Schutzmassnahmen ist die Unsicherheit über den weiteren Geschäftsverlauf gross. Der Raiffeisen KMU PMI ist im Mai zwar von 30.6 auf 37.4 Indexpunkte angestiegen, er blieb aber deutlich unter der Wachstumsschwelle von 50 und zeigt damit unverändert eine schwere Rezession an. Der Rückgang der Geschäftstätigkeit hat sich im Mai also lediglich verlangsamt, mehr nicht. Gemäss den von Raiffeisen befragten Unternehmen waren der Auftragsbestand, die Produktion und die Beschäftigung erneut stark rückläufig (siehe Tabelle), wenn auch nicht mehr ganz so massiv wie im April.

 

Weit vom Normalbetrieb entfernt

Auch in der Industrie müssen Abstandhalten und Hygienemassnahmen nach wie vor eingehalten werden, was teilweise die Produktion beeinträchtigt. Einige KMU sind laut eigener Aussage noch weit vom Normalbetrieb entfernt. So berichtet z.B. ein Maschinenbauer aus der Region Zimmerberg im Kanton Zürich davon, dass es «noch keine Veränderung zum besseren gibt, die Produktion nach wie vor geschlossen und die Belegschaft zu 100 % in der Kurzarbeit ist». Noch viel schwerer als die Eindämmungsmassnahmen des Bundes wiegt aber der Einbruch des Auftragsbestands, der bereits vor der Pandemie rückläufig war. Die entsprechende Komponente des Raiffeisen KMU PMI notiert seit Dezember 2019 durchgängig unter der Wachstumsschwelle von 50. So meldet etwa ein mittelgrosser Hersteller von Metallerzeugnissen aus dem Rheintal aktuell einen Einbruch der Auftragseingänge auf rund 60 % des langjährigen Mittelwerts, was «in der Fertigung vor allem die Monate Juni bis August betreffend wird». Die Corona-Krise wird die exportorientierte Industrie daher auch im weiteren Jahresverlauf stark belasten. Damit rechnet auch ein Metallunternehmen aus dem Thurtal im Kanton Sankt Gallen, das sich als «Spätzykliker» sieht und «entsprechend die Auswirkungen auch erst mit Verzögerung zu spüren bekommen wird».

links: Raiffeisen KMU PMI Mai 2020 | rechts: Raiffeisen KMU PMI Subkomponenten (I)

links: Raiffeisen KMU PMI Mai 2020 ­ rechts: Raiffeisen KMU PMI Subkomponenten (I)

  Januar Februar März April Mai
Gesamtindex
45.0 45.3 41.4 30.6 37.4
Auftragsbestand
45.2 46.8 34.1 23.8 33.1
Produktion
45.8 43.5 37.7 20.0 34.3
Beschäftigung
43.2 41.8 43.8 26.8 34.8
Lieferfristen
42.5 47.5 52.4 58.2 51.7
Einkaufslager
49.3 48.7 50.6 43.6 41.7


50 = Wachstumsschwelle

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Raiffeisen-Ökonom Domagoj Arapovic

Domagoj Arapovic, Senior Economist Raiffeisen Schweiz
Domagoj Arapovic, Senior Economist Raiffeisen Schweiz

Domagoj Arapovic hat an der Universität Zürich Volkswirtschaft studiert und arbeitete anschliessend von 2007 bis 2012 bei der Schweizerischen Nationalbank im Economic Research und im Risikomanagement. Seit 2011 hält er das Chartered Financial Analyst- Diplom und seit 2013 ist er bei Raiffeisen Schweiz als Senior Economist tätig.

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