Der attraktive Wirtschaftsplatz Schweiz

Chancen in der Industrie

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Martin Neff, Chefökonom Raiffeisen Schweiz, ist beeindruckt, wie Schweizer Unternehmen dem starken Franken trotzen und so zum Erhalt der industriellen Basis beitragen. Mit welchen Rezepten dies die Industrie in der Schweiz bereits sehr erfolgreich macht, lesen Sie in seiner Kolumne.
 

Amerikas Wirtschafts- und Geldpolitik

Donald Trump will «Amerika wieder gross machen» und dabei sind ihm fast alle Mittel recht. Für die amerikanische Wirtschaft setzte er milliardenschwere Steuererleichterungen durch. Das war's dann aber schon mit Zuckerbrot, die Peitsche dominiert seither. Die kriegen nicht nur andere Länder zu spüren, sondern auch die eigene Notenbank. Das ist aus meiner Sicht verheerend. In der Wirtschaftsgeschichte gibt es unzählige Beispiele davon, was passiert, wenn sich Politiker in die Geldpolitik einmischen, sei es, um sich selbst zu bereichern oder die eigene Wiederwahl sicherzustellen. Klar, Trump ist kein Diktator, und die USA sind kein Drittweltland. Schon lange aber hat kein US-Präsident mehr so viel Druck auf die Notenbank ausgeübt. Dass die Zinsen weltweit nun nochmals sinken, anstatt endlich zu steigen, ist daher teilweise auch sein «Verdienst». 

Innovative Nischenprodukte als Chance

Mit Nischenprodukten gegen einen starken Franken.

Wir werden nächstes Jahr sehen, wie das amerikanische Volk Trumps Bilanz sieht. Die Entwicklung der Staatsfinanzen geht auch unter ihm in die völlig falsche Richtung, und die Handelskriege schaden wohl auch den USA mehr, als sie nützen. Grundsätzlich geht es der Wirtschaft und dem Arbeitsmarkt aber sehr gut und ich meine hier auch die Industrie, von der in Amerika vor wenigen Jahren eigentlich nur noch Reste übrig waren. Vielleicht haben Trumps Steuersenkungen und aggressive Zollpolitik hier tatsächlich eine Trendwende ausgelöst.

 

Wie Schweizer Unternehmen dem starken Franken trotzen

Auch bei uns in der Schweiz hat die Industrie einen guten Lauf, und dies ganz ohne riesige Steuerpakete oder Zollmauern. Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie Schweizer Unternehmen dem starken Franken trotzen und so zum Erhalt der industriellen Basis beitragen. Anders als in vielen anderen Ländern ist es hierzulande in der Vergangenheit nie zu Massenauslagerung der Produktion ins Ausland gekommen. Unsere Vorteile sind die Konzentration auf hochkomplexe, innovative Nischenprodukte mit hohen Margen sowie die Sozialpartnerschaft zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Dieses Rezept ist auch heute noch erfolgreich und macht die Schweizer Wirtschaft stark, trotz hartem Franken oder gerade deswegen, denn der harte Preiswettbewerb ist auch ein Fitnessprogramm.

Schwer ersetzbare Produkte als Erfolgsrezept

Wir müssen uns eine starke Industrie bewahren, da bin ich mit Trump einig. Die Industrie zahlt in der Regel überdurchschnittliche Löhne, und vor allem ist sie ein grosser Innovationsmotor, den wir unbedingt am Laufen halten sollten. Was braucht es dazu? Natürlich gute Rahmenbedingungen durch die Politik. Und Sie, liebe Unternehmerinnen und Unternehmer, machen Sie bitte weiter so. Die Konzentration auf Nischen bleibt auch in Zukunft unabdingbar. Sorgen Sie zudem dafür, dass Ihre Produktionstätigkeit forschungs- und entwicklungsintensiver wird, denn das bringt Ihnen eine grössere Wertschöpfung. Je komplexer und wissensintensiver die Produktion, desto einfacher können Sie sich von der Konkurrenz unterscheiden.

 

In Wissen und Know how investieren

Wir Ökonomen nennen solche Produkte «Schumpetergüter». Doch eigentlich geht es um nichts anderes als darum, ein Produkt anzubieten, das nicht oder nur schwer zu ersetzen ist. Ich weiss, das ist kein einfaches Unterfangen und in einigen Branchen sogar eine Herkulesaufgabe. Wie soll sich z.B. der Wintertourismus unersetzlich machen, wenn wegen des Klimawandels in Zukunft immer mehr schneearme Winter herrschen? Oder wie kann sich ein Detailhändler von der Konkurrenz abgrenzen, wenn heute sowieso alles im Internet verfügbar ist? In der Industrie sehe ich hingegen deutlich bessere Aussichten, auch dank der Digitalisierung. Machen Sie es sich zur Maxime, unablässig in Wissen und Know-how zu investieren. Es lohnt sich, denn dann haben Sie eine echte Chance, sich unersetzlich zu machen.

Chefökonom Martin Neff

Martin Neff, Chefökonom Raiffeisen, gehört zu den führenden Immobilienexperten in der Schweiz. Er ist seit Anfang 2013 bei Raiffeisen Schweiz. Neff studierte Volkswirtschaft an der Universität Konstanz. Von 1988 bis 1992 arbeitete er beim Schweizerischen Baumeisterverband (SBV) in Zürich, bevor er in die CS eintrat, dort das «Schweiz Research» aufbaute und seit 2008 Chefökonom war.