Ihre Zukunft verdient die beste Planung

Jede fünfte Person im Alter von 50 bis 64 Jahren hat sich noch nicht mit der Pensionierung auseinandergesetzt – weitere 30 % nicht mit den finanziellen Folgen. (Quelle: Raiffeisen MaFo) Wie sieht es bei Ihnen aus? Gerade bei der Altersvorsorge sind frühzeitige Planung und Eigenverantwortung entscheidend. Im Interview erklärt Melanie Oberholzer, worauf es ankommt, damit Sie Ihre Pensionierung finanziell gut vorbereitet und entspannt geniessen können.

Melanie Oberholzer, Fachspezialistin Vorsorge
«Eine fundierte Pensionsplanung bringt Struktur, Sicherheit und Perspektive – egal, wie Ihre finanzielle Ausgangslage aussieht.»

Melanie Oberholzer, Fachspezialistin Vorsorge

Experteninterview zur Altersvorsorge
mit Melanie Oberholzer

 

Wir leben länger und bleiben aktiver als frühere Generationen. Wie verändert das die Anforderungen an die Altersvorsorge?

Das bedeutet, dass mehr Kapital benötigt wird, um den Lebensstandard über viele Jahre zu sichern. Gleichzeitig wünschen sich viele Menschen auch im Alter finanzielle Flexibilität für Reisen, Hobbys oder neue Lebenspläne. Genau deshalb gewinnt die 3. Säule an Bedeutung, da sie eine individuelle und flexible Ergänzung zur staatlichen und beruflichen Vorsorge darstellt. Sie hilft, gezielt Eigenkapital aufzubauen, um persönliche Wünsche im Ruhestand besser zu realisieren.

 

Ab wann sollte man sich deiner Meinung nach ernsthaft mit der eigenen Pensionierung auseinandersetzen?

Mit etwa 50 bis 55 Jahren sollte man beginnen, sich bewusst mit der eigenen Pensionierung auseinanderzusetzen. In dieser Phase geht es weniger um Zahlen, sondern darum, sich Gedanken über persönliche Zukunftsvorstellungen, Wünsche und den gewünschten Lebensstil im Alter zu machen.

Zwischen 55 und 60 Jahren wird das Thema konkreter. Jetzt ist eine strukturierte Pensionsplanung sinnvoll, idealerweise mit fundierter Beratung, um Vorsorgelücken zu erkennen, Optimierungen vorzunehmen und steuerliche sowie finanzielle Möglichkeiten gezielt zu nutzen.

Ab etwa 60 Jahren stehen dann die entscheidenden Weichenstellungen an. In diesem Alter werden konkrete Entscheide getroffen, zum Beispiel über den Zeitpunkt der Pensionierung, einen möglichen gleitenden Übergang oder die Art des Rentenbezugs, damit der Start in den Ruhestand finanziell gut abgesichert ist.

Unabhängig davon ist es nie zu früh, mit der Altersvorsorge zu beginnen und Geld für die Pension beiseitezulegen.

 

Ein verbreiteter Gedanke ist, dass die Ausgaben nach der Pensionierung sinken. Warum ist diese Annahme oft trügerisch?

Diese Annahme stimmt häufig nicht. Heute sind Pensionierte aktiver als früher und geben mehr für Reisen, Freizeit und Hobbys aus. Gleichzeitig fallen mit der Pensionierung wichtige Steuerabzüge weg, etwa für Berufsauslagen oder Einzahlungen in die Vorsorge. Dadurch sinken die Steuern oft weniger stark als erwartet und die Ausgaben bleiben insgesamt höher, als viele annehmen.

 

 

AHV und Pensionskasse decken oft nicht das vorherige Einkommen ab. Wie gross ist die Vorsorgelücke in der Realität und wie kann man sie schliessen? 

In der Realität zeigt sich, dass AHV und Pensionskasse zusammen häufig nur rund 60 % des letzten Einkommens abdecken. Je höher das Einkommen während des Erwerbslebens war, desto grösser fällt in der Regel auch die Vorsorgelücke im Ruhestand aus, da nicht alle Lohnbestandteile vollständig versichert sind. Um diese Lücke zu schliessen, spielt die 3. Säule eine zentrale Rolle, da sie individuell gestaltet und frühzeitig aufgebaut werden kann. Sie ermöglicht zusätzliche finanzielle Sicherheit, bietet steuerliche Vorteile und erlaubt eine flexible Anlagestrategie. So lassen sich Vorsorgelücken gezielt, planbar und langfristig reduzieren.

Diese Grafik zeigt, dass die gesetzlichen Leistungen aus AHV und Pensionskasse im Durchschnitt nur rund 60 % des letzten Einkommens abdecken. Gleichzeitig liegt der tatsächliche Bedarf im Ruhestand häufig bei etwa 80 %, wodurch eine klare Vorsorgelücke entsteht. Diese Lücke macht deutlich, wie wichtig eine zusätzliche, private Vorsorge wie die 3. Säule ist, um den gewünschten Lebensstandard im Alter zu sichern.

 

 

Wie wichtig ist heute das Thema Sicherheit versus Flexibilität bei der Wahl zwischen Rente und Kapital?

Die Entscheidung zwischen Rente und Kapital ist heute sehr wichtig, sollte aber nicht auf allgemeinen Statistiken basieren, sondern auf den persönlichen Bedürfnissen und der individuellen Lebenssituation. Faktoren wie Lebenserwartung und Gesundheitszustand, familiäre Verhältnisse, der Umgang mit Anlageschwankungen sowie Einkommen, Vermögen und persönliche Ziele spielen dabei eine zentrale Rolle. Während die Rente mehr Sicherheit bietet, ermöglicht das Kapital mehr Flexibilität und individuelle Gestaltung. Mit einer fundierten Pensionsplanung lassen sich die finanziellen Auswirkungen der beiden Optionen transparent aufzeigen, sodass eine gut informierte und solide Entscheidung getroffen werden kann.

 

5 konkrete Tipps für eine sichere Altersvorsorge

1. Übernehmen Sie Verantwortung: Kümmern Sie sich selbst aktiv um Ihre Altersvorsorge und vermeiden Sie Überraschungen.

2. Planen Sie realistische Ausgaben: Rechnen Sie im Ruhestand nicht automatisch mit tieferen Kosten – mehr Freizeit bedeutet oft mehr Ausgaben.

3. Schliessen Sie Ihre Vorsorgelücke: AHV und Pensionskasse reichen meist nicht aus. Nutzen Sie die 3. Säule für zusätzliche Sicherheit und Steuervorteile.

4. Beginnen Sie frühzeitig: Je früher Sie vorsorgen, desto grösser ist Ihr finanzieller Spielraum.

5. Setzen Sie auf Planung statt Schätzung: Eine fundierte Pensionsplanung schafft Klarheit und zeigt konkrete Optimierungsmöglichkeiten auf.

Die 13. AHV-Rente sorgt aktuell für viel Aufmerksamkeit. Welche Bedeutung hat sie konkret für die persönliche Altersvorsorge? 

Für die persönliche Altersvorsorge sollte die 13. AHV-Rente realistisch eingeordnet werden. Sie verbessert das AHV-Einkommen zwar punktuell, ersetzt jedoch keine umfassende Vorsorgeplanung. Die zusätzliche Rente gleicht weder die steigenden Lebenshaltungskosten noch individuelle Vorsorgelücken aus – insbesondere nicht bei Personen mit mittleren oder höheren Einkommen. In der Praxis zeigt sich daher klar, dass der gewohnte Lebensstandard im Alter weiterhin nur durch eine Kombination aus 2. und 3. Säule gesichert werden kann. Die 13. AHV-Rente ist eine Ergänzung, nimmt aber niemandem die Verantwortung für die eigene Vorsorge ab.

 

 

Die Raiffeisenbank Wittenbach‑Häggenschwil bietet sowohl eine umfassende Pensionsplanung als auch einen Pensions‑Check an. Worin liegt der Unterschied zwischen diesen beiden Angeboten?

Der Pensions‑Check bietet eine kompakte Standortbestimmung zur Pensionierung und eignet sich ideal für einen ersten Überblick: Wie hoch fällt das voraussichtliche Renteneinkommen aus, wie kann das Kapital gestaffelt werden und welche grundlegenden Massnahmen sind sinnvoll?

Die Pensionsplanung geht deutlich tiefer. Sie analysiert die Einkommens‑ und Vermögensentwicklung vor und nach der Pensionierung, vergleicht verschiedene Planungsvarianten und mündet in einem detaillierten, individuell abgestimmten Massnahmenplan.

Detailinfos finden Sie hier.

 

 

Welchen Vorsorge‑Mythos würdest du gerne aus der Welt schaffen?

Ein weit verbreiteter Mythos ist, dass sich eine Pensionsplanung nur für wohlhabende Menschen lohnt. In Wirklichkeit kann eine fundierte Planung bei jeder finanziellen Ausgangslage einen grossen Mehrwert bieten. Sie schafft Sicherheit, zeigt transparent auf, welche Mittel im Alter zur Verfügung stehen, und hilft dabei, wichtige Themen nicht zu vergessen. Vor allem gibt sie einen klaren Plan an die Hand, damit fundierte Entscheidungen getroffen und der Ruhestand bewusst und sorgenfreier gestaltet werden kann.

 

 

 

 

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