Märkte & Meinungen

Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Die Angst vor weiteren wirtschaftlichen Einbussen aufgrund verschärfter Massnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie grassiert. Sie belastet die Börsen, obwohl die Quartalsergebnisse einen Funken Hoffnung versprühen.

Chart der Woche

Schweizer bleiben vermehrt daheim

Sinkender Aktivitätsindikator der KOF

Schweizer bleiben vermehrt daheim

Quellen: KOF, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Der Aktivitätsindikator der Konjunkturforschungsstelle KOF zeigt einen Trend: Herr und Frau Schweizer sind wieder weniger unterwegs. Damit folgen sie der Empfehlung des Bundesrates, arbeiten im Homeoffice und bleiben eher zu Hause, um das Corona-Infektionsrisiko zu reduzieren. Aktuell liegt die Aktivität zwar unter dem Niveau von Anfang Jahr, von den Tiefstständen während des Lockdowns der ersten Welle ist man jedoch noch weit entfernt.

Aufgefallen

SAP kappt Prognose

Der Softwarekonzern SAP hat zum zweiten Mal seine Jahresprognose für 2020 reduziert. Auch die Ziele für 2023 werden ausgesetzt. Weil Kunden aufgrund der Pandemie zurückhaltender sind und SAP das Cloudgeschäft forcieren will, gelten nun Ziele für 2025. Die Aktien verlieren fast einen Viertel. Anleger brauchen Geduld.

 

Auf der Agenda

Berichtssaison läuft auf Hochtouren

Es ist die Zeit der Quartalsabschlüsse. 18 an der Schweizer Börse kotierte Unternehmen berichten in der kommenden Woche über den Geschäftsverlauf im vergangenen Quartal.

Die Stimmung der Anleger ist gekippt

Plötzlich geht alles ganz schnell. Die Corona-Infektionszahlen klettern rasant, Regierungen verschärfen die Massnahmen zur Eindämmung des Virus. Die Stimmung an den Börsen kippt und die Aktienkurse bröckeln. Was steigt, ist die Volatilität und die Angst der Investoren. Gemessen am Schweizer Leitindex SMI ist sie gut doppelt so hoch wie vor der Krise und bereits wieder rund 50 % über dem Stand von Mitte Oktober. Vorsicht ist andernorts aber schon länger ein Thema: Unternehmen reduzieren und verschieben ihre Investitionen, Privathaushalte erhöhen die Sparquote. Der Effekt ist derselbe: Der Konsum leidet, das Geld fehlt in den Kassen der Unternehmen, der wirtschaftliche Aufschwung droht ins Stocken zu geraten. 

Hinzu kommen die Ungewissheit rund um die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie, der unsichere Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen und der mögliche EU-Austritt Grossbritanniens ohne Freihandelsabkommen. Um das Risiko zu senken, reduzieren wir deshalb taktisch unsere Aktienquote. Neu sind wir nicht mehr nur in Japan, sondern auch in den USA untergewichtet. Den Schweizer Heimmarkt reduzieren wir von übergewichten auf neutral.

 

Enttäuschungen sind noch selten, aber es gibt sie

Die Berichtssaison zum dritten Quartal ist in vollem Gang. Enttäuschungen blieben bislang mehrheitlich aus. Das hat vor allem zwei Gründe: Erstens sind die Erwartungen der Analysten nach dem schwachen zweiten Quartal immer noch niedrig, zweitens gelang vielen Unternehmen im dritten Quartal ein regelrechter Zwischenspurt. Dieser wurde aber vielfach von aufgeschobenen Ausgaben aus dem zweiten Quartal beflügelt. 

Ganz so rosig ist das Bild allerdings nicht. Unternehmen stellen sich auf das neue Umfeld ein. Kostensenkungen sind das Eine, Restrukturierungen und Neuausrichtungen das Andere. Neben SAP (vgl. Aufgefallen) will sich auch Implenia neu aufstellen. Damit hängen auch Wertberichtigungen im Ausland zusammen. Ob das ein unternehmensspezifisches Ereignis ist oder ob Unternehmen vermehrt das schwache Jahr 2020 nutzen, um schlechte Nachrichten zu verpacken, wird sich zeigen. 

 

Grösster Börsengang aller Zeiten

Am 5. November ist es soweit. Ant Financial Services wagen den Sprung an die Börse. Mit einem Volumen von 35 Mrd. US-Dollar soll es ein Rekord-Börsengang werden und die bislang grösste Publikumsöffnung des saudischen Ölkonzerns Saudi Aramco (29 Mrd.) aus dem Jahr 2019 übertreffen. Das Unternehmen strebt nach einer Gesamtbewertung um 280 Mrd. Dollar – aufgrund der hohen Nachfrage. Ursprünglich waren 250 Mrd. angepeilt worden.

Gehandelt werden die Aktien an den Börsen in Hongkong und Shanghai. Eine US-Kotierung ist nicht geplant. Die Tochtergesellschaft des chinesischen Online-Händlers Alibaba bietet mit Alipay mobile Bezahldienste an und betreibt mit Yu‘e Bao den weltweit grössten Geldmarktfonds. Ant Financial Services wurde 2004 vom Mutterkonzern Alibaba als Alipay gegründet und 2014 umbenannt. Wachstumspotenzial besteht im Ausland, wo die Aktivitäten noch in den Kinderschuhen stecken. Durch die Zusammenarbeit mit den grossen Kreditkartengesellschaften Visa und Mastercard ist der Grundstein für die internationale Expansion aber bereits gelegt und bietet künftige Wachstumschancen.