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Anlageausblick 2020 – Das Japan-Szenario wird Realität

Nach dem sehr starken Aktienjahr 2019 werden die Gesamtrenditen im laufenden Jahr klar tiefer ausfallen. Matthias Geissbühler, Chief Investment Officer von Raiffeisen Schweiz, gibt einen Ausblick auf das Anlagejahr 2020 und ordnet die wichtigsten Entwicklungen an den Finanz- und Kapitalmärkten ein.

  

Im 2020 sind Anleger gefordert. Nach dem sehr starken Aktienjahr 2019 werden die Gesamtrenditen im laufenden Jahr klar tiefer ausfallen. Dafür verantwortlich sind einerseits die hohen Bewertungen von nahezu allen Anlageklassen, andererseits die politischen Unsicherheiten, die zu einer deutlich höheren Volatilität an den Börsen führen werden. Ein ausgewogenes Portfolio wird im besten Fall mittlere einstellige Erträge liefern. Anlegern wird empfohlen, ihr Portfolio breit zu diversifizieren und mit einer aktiven Anlagetaktik zu managen.

«Japanisierung» der Geldpolitik

Die Weltwirtschaft wird im 2020 mit knapp 3 Prozent moderat wachsen, die Schweizer Wirtschaft um rund 1,3 Prozent. Eine Rezession wird demnach vermieden. Auch die Inflationsraten werden sich auf tiefem Niveau und klar unter der 2 Prozent-Ziellinie der Notenbanken bewegen. Raiffeisen rechnet für dieses Jahr deshalb nicht mit Zinserhöhungen durch die Notenbanken. Die Tiefzinsen werden noch eine längere Zeit Bestand haben und ein Japan-Szenario wird für Europa und die Schweiz immer wahrscheinlicher.

In Japan bewegen sich die Leitzinsen seit nunmehr fast 25 Jahren um den Nullpunkt. Damit gilt das Land der aufgehenden Sonne als ein warnendes Beispiel dafür, dass sich Tiefzinsphasen über sehr lange Zeiträume erstrecken können und ein Ausstieg aus einer expansiven Geldpolitik nur sehr schwer zu bewerkstelligen ist. So oder so: Der Anlagenotstand, und damit die Suche nach Rendite, bleiben hierzulande zumindest auch 2020 bestehen.

Leitzinsen Japan sowie Europa und Schweiz (zeitlich verschoben)

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Was bedeutet das für Sparer und Anleger?

Das anhaltende Tiefzinsumfeld führt dazu, dass Sparer nach Abzug der Inflation Jahr für Jahr eine Kaufkrafteinbusse verkraften müssen. Deshalb ist es trotz der politischen Unsicherheiten sinnvoll, langfristig in die Finanzmärkte zu investieren, um das Vermögen zu erhalten respektive aufzubauen. Dabei wird neben der breiten Diversifikation des Portfolios eine aktive Anlagetaktik im Anlagejahr 2020 entscheidend sein. Die erhöhte Volatilität an den Märkten erfordert eine grössere Aufmerksamkeit der Anleger und Portfoliomanager. Die aktive Gewichtung der Anlageklassen sowie die sorgfältige Selektion der Einzelanlagen gewinnen eine besonders grosse Bedeutung. Für nicht geübte Privatanleger eignen sich deshalb aktiv gemanagte Anlagen am besten.

5-Jahres-Korrelation mit dem Swiss Performance Index SPI (wöchentlich)

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office