Erfolg im Auslandsgeschäft

«Einigem ist man auch einfach ausgeliefert»

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Abhängigkeiten von Währungen, die Macht des Internet oder die Mehrkosten durch Swissness? André Bernheim, Inhaber der Uhrenfirma Mondaine, über seine Erfahrungen und Herausforderungen im Exportgeschäft.

André Bernheim, Inhaber von Mondaine

André Bernheim, Inhaber von Mondaine

Interview mit André Bernheim

Herr Bernheim, wie abhängig ist Mondaine vom Ausland?

Sehr. Wir exportieren in rund 50 Länder, erzielen rund 85 Prozent des Umsatzes ausserhalb der Schweiz.

 

Was empfinden Sie dabei als die grösste Herausforderung?

Unabhängig zu bleiben. Nur so können wir die Dinge machen, wie wir überzeugt sind, dass sie richtig sind ‒ mal mindestens die, die wir in der Hand haben. Einigem ist man auch einfach ausgeliefert, den Währungen zum Beispiel.

 

Wie respektive was sichern Sie ab?

Wir reden ein-, zweimal im Jahr mit Analysten, diskutieren, was sie in Sachen Währungsentwicklungen erwarten und sichern dann die für uns relevanten Währungen ab.

 

Und sonst?

Vielem sind wir ausgeliefert. Auf dem Schweizer Markt zum Beispiel sind wir auf Touristen angewiesen. Beim Euroschock mitten in der Wintersaison hatten wir einen sehr spürbaren Einbruch. Schweizer Händler haben uns angehalten, als Sofortmassnahme die Preise in der Schweiz zu senken. Wir haben darüber nachgedacht und gesagt, das machen wir nicht, denn es ist keine Lösung. Wenn der Franken gegenüber dem Euro frei schwanken kann, haben wir es mit einer neuen Situation zu tun und nicht mit einem momentanen Zustand. Statt im Inland die Preise zu senken, haben wir die Preise im Euroraum erhöht, weil unseren Händlern dort die Marge weggeschmolzen ist.

 

Macht es das Internet eigentlich einfacher oder schwieriger, mit dem Ausland zu geschäften?

Grundsätzlich spannender, wir sind sehr nah an den Fortschritten dran und werden in diesem Bereich noch mehr Gas geben.

 

Wie wichtig ist es für Ihr Geschäft?

Es wird immer wichtiger. Wir haben jüngst in der Schweiz ein digitales Marketingteam installiert und werden unsere Online-Kräfte noch weiter ausbauen. Der Konsument ist heute dank Internet sehr gut informiert, das kann man für sich nutzen und das Heft selber in die Hand nehmen. Wir können unsere Geschichte mit Text, Fotos und Videos auf diversen Kanälen erzählen und auch unsere Produkte selber anbieten. Trotzdem wird der stationäre Handel für uns von zentraler Bedeutung bleiben.

 

Wie wichtig ist «Swiss Made» für Ihr Auslandsgeschäft?

Natürlich sehr wichtig, wie für alle Schweizer Uhren. 

 

Gegen das Swissness-Gesetz , das seit 2017 in Kraft ist, haben Sie aber ganz schön angekämpft ...

Weil wir das Gesetz in der jetzigen Form nicht sinnvoll finden. Es bringt dem Konsumenten keinen Mehrwert und uns nur Mehrkosten. Um «Made in Switzerland» zu sein, müssen nun wertmässig 60 Prozent der Komponenten in einer Uhr «Swiss Made» sein. Die 60 Prozent sind willkürlich gewählt, enthalten weder Kosten für Miete des Hauptsitzes, Administration, Marketing-Strategie und Planung, Management oder IT. Dabei sind das alles Leistungen, die in der Schweiz erbracht werden und die ebenfalls wesentlich zum Erfolg von Schweizer Uhren beitragen.

 

Heisst, das Gesetz ist gut für die Luxusuhrenhersteller, die viel hier in der Schweiz produzieren, und schlecht für Hersteller wie Mondaine, die auch aus zugekauften ausländischen Komponenten günstigere Uhren herstellen?

Genau. Mein Bruder nannte das Gesetz nicht von ungefähr Lex Luxus. Aus Protest gegen ein nicht sinnvolles Gesetz haben sich dann auch viele Uhrenfirmen zur IG Swiss Made zusammengeschlossen, um gegen das vorgeschlagene Swissness-Gesetz zu kämpfen. Sich öffentlich zum Thema zu äussern, hat sich aber fast keiner getraut. Denn viele Uhrenhersteller sind abhängig von den hiesigen grossen Zulieferern.

 

Sind Sie das nicht?

Zum Glück nicht. Wenn man schon mehr für die Swissness machen wollte, hätte man es gescheiter machen können, sodass es den Konsumenten auch verständlicher wäre und es ihnen vor allem auch etwas gebracht hätte.

Denn das Gesetz ist aus Konsumentensicht fast paradox. Wenn wir heute ein Saphirglas aus Asien drauf haben, könnte man das ersetzen durch Schweizer Saphirglas. Das macht einen Preisunterschied von etwa 200 Franken ‒ bei unserem Preisniveau für Uhren ein Quantensprung. Für eine Luxusuhr kein Problem, für eine günstige Uhr aber schon. Sieht der Konsument besser durch das Schweizer Saphirglas hindurch? Nein. Der Konsument hat null und nichts davon.

 

Sie ärgern sich noch immer?

Ärgern? Nein, ich beantworte nur Ihre Frage. Seit das Gesetz in Kraft ist sagen wir, über etwas, was Realität ist, muss man nicht mehr diskutieren, unsere Uhren sind nach dem neuen Gesetz «Swiss Made». Heute ist das Gesetz in der Bundesverordnung verankert und damit ist es einfach wie es ist. Punkt.

Zu den Bernheims

André Bernheim
André Bernheim

André Bernheim besitzt zusammen mit seinem Bruder Ronnie die Uhrenmanufaktur Mondaine Group, die ihr Vater Erwin Bernheim 1951 gegründet hat. Unter dem Mondaine-Dach sind drei Firmen untergebracht: Mondaine mit der international bekannten Bahnhofsuhr, Luminox und Marlox. Letztere produziert und vermarktet als Lizenznehmerin Uhren von Marken wie Puma, Esprit und Givenchy.

André Bernheim führte das Unternehmen während 15 Jahren als CEO und hat dieses Amt per Anfang Jahr in die Hände von Bernd Stadlwieser gelegt. Seither verantwortet der 60-Jährige als Präsident des Verwaltungsrates, dem auch sein Bruder angehört, die strategische Ausrichtung des Familienunternehmens mit 130 Mitarbeitern.

www.mondaine.com