Börsenweisheiten

«Wer die Aktien nicht hat, wenn sie fallen, der hat sie auch nicht, wenn sie steigen»

Wieviel Wahrheit steckt in der Börsenweisheit «Wer die Aktien nicht hat, wenn sie fallen, der hat sie auch nicht, wenn sie steigen»? Das erklärt Ihnen Gabriela Ziltener, Abteilungsleiterin Anlegen bei Raiffeisen Schweiz im Interview.

Unsere Expertin zeigt Ihnen in der vierten Börsenweisheit dieser Serie, wer die Analogie erstmals erwähnte, wie hoch deren Wahrheitsgehalt tatsächlich ist und wie Sie in der Praxis davon selber Gebrauch machen können.

Frau Ziltener, woher kommt die Weisheit?

G. Z.: Diese Weisheit ist eine weitere Aussage von André Kostolany. Der Finanz- und Börsenexperte war auch als Kolumnist, Schriftsteller und Entertainer tätig – darum erstaunt es nicht, dass ziemlich viele Aussagen über das Anlegen und Traden von ihm stammen. So auch «Wer die Aktien nicht hat, wenn sie fallen, der hat sie auch nicht, wenn sie steigen.» Damit spricht er diejenigen an, die nicht investiert sind und jahrelang auf noch weiter sinkende Kurse und damit eine günstige Einstiegschance warten. 

Wie hoch ist der Wahrheitsgehalt der Weisheit?

Die Weisheit zielt auf das Market-Timing. Das heisst, es gibt Anleger, die darauf spekulieren, zum richtigen Zeitpunkt einzusteigen, nämlich dann, wenn die Kurse am tiefsten sind, um anschliessend nur noch von steigenden Kursen zu profitieren. Die Chance, dieses perfekte Timing zu finden, liegt jedoch nahezu bei null. Genauso klein ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten Punkt wieder auszusteigen. Eine Untersuchung von Fidelity International zeigt: wer über einen langfristigen Zeithorizont – etwa zehn Jahre – in Aktien investiert war, hat eine positive Rendite erzielt. Wer zwischendurch ausgestiegen und die zehn besten Tage in diesem Zeitraum verpasst hat, musste eine negative Performance verkraften.

Was soll der Anleger nun tun?

Ein disziplinierter Anleger kauft Aktien oder andere Anlageprodukte und hält sie über Jahre. Zwischenzeitliche Kursschwankungen interessieren ihn kaum und auch bei stärkeren Einbrüchen behält er die Nerven. Sein Pendant, der Spekulant, versucht das perfekte Timinig zu finden, was oft nicht funktioniert. Geduld ist vermutlich das wichtigste Stichwort an der Börse. Denn wer Aktien hält, wenn sie sinken, ist so auch dabei, wenn sie wieder steigen. Zudem ist die Disziplin extrem wichtig, das heisst man soll an seiner Anlagestrategie festhalten und sich nicht durch kurzfristige Bewegungen leiten lassen. Wichtig dabei ist, immer auch die Diversifikation im Portfolio zu beachten. Es kann sich   auch durchaus lohnen, gestaffelt zu investieren, sprich über einen Zeitraum von mehreren Monate oder wie bei einem Fonds-Sparplan über mehrere Jahre hinweg  So profitiert man bei schwankenden Kursen von langfristig vorteilhafteren Durchschnitts-Einstandspreisen. 

 Gabriela Ziltener - Leiterin Produktmanagement Anlegen