«Beim Sanieren lässt sich nicht alles planen» - Interview mit Viktor Röthlin

Ein über 200-jähriges Haus in Schuss zu halten und energetisch zu sanieren kann ganz schön aufwändig und komplex sein. Diese Erfahrung macht der Langstreckenläufer Viktor Röthlin. Der in Ennetmoos lebende Running-Coach vergleicht eine Sanierung mit einem Marathon.

Als Weltklasse-Marathonläufer hat sich Viktor Röthlin einst akribisch auf seine Rennen vorbereitet. Er hat sich eine Taktik zurecht gelegt, einen Ernährungsplan verfolgt, die Strecke analysiert. Der seriösen Vorbereitung zum Trotz wurde er im Laufe eines Wettkampfs immer wieder von ungeplanten Ereignissen überrascht. Überraschungen erlebt der 44-jährige in Kerns geborene Obwaldner auch als Hausbesitzer bei der Sanierung seines über 200-jährigen Hauses. «Wenn man zu stark versucht, nur das umzusetzen, was man sich vorgenommen hat, dann ist man zu wenig flexibel», stellt Röthlin fest.

Gerade bei einem historischen Wohnhaus, bei welchem Pläne fehlen, lässt sich nicht alles im vornherein planen. Viktor Röthlin, einst einer der besten Langstreckenläufer der Welt, träumte immer vom Leben in einem alten Haus. Nach vielen Jahren in der Ferne, in Bern, Magglingen, La Neuveville, in Kenia und in Sempach ist er vor neun Jahr in seine Heimat in die Innerschweiz zurückgekehrt. Sein Bankberater kannte den Besitzer der Liegenschaft in Ennetmoos, er wusste von dessen Verkaufsabsichten und auch, dass sein Kunde Viktor etwas Ähnliches suchte. Die Bank brachte die beiden zusammen.

Viktor Röthlin hat es nicht bereut, dass die finanzierende Raiffeisenbank später das Thema Sanierung angesprochen hat. «Sie hilft mir, mich als Immobilienbesitzer weiter zu entwickeln», sagt er. Den ganzheitlichen Beratungsansatz schätzt er sehr und die Tatsache, dass die Unterstützung durch die Bank mit dem Hypothekarabschluss nicht aufhört. Was ihn als Sanierer so alles umtreibt, erfahren Sie im folgenden Interview.

Interview

Als Marathonläufer waren Sie Weltklasse, wie erfolgreich sind Sie als Sanierer unterwegs?

Als Marathonläufer war es einfacher, erfolgreich zu sein, weil jedes Rennen ein Ende hatte. Eine Sanierung hingegen ist ein immerwährendes Projekt und scheint kein Ende zu kennen. Im Sport und beim Sanieren braucht es aber Ausdauer und ein langfristiges Denken, um etwas zu verändern. Ob sanieren oder Marathon laufen, bei beiden Projekten lauert viel Unbekanntes. Es lässt sich nicht alles planen.

 

Sie fühlen sich als Marathonläufer wohler denn als Sanierer?

(überlegt kurz) Marathon konnte ich für mich allein laufen, beim Sanieren brauche ich Fachleute, welche die verschiedenen Massnahmen für mich umsetzen.

 

Was gab den Ausschlag für die Sanierung?

Ich habe mir immer wieder überlegt, was ich am Haus noch verbessern könnte. Der Wunsch war immer in mir drin. Schon beim Einzug ins Haus war klar, dass wir in einer ersten Etappe das Dach isolieren und dann die Ölheizung werden ersetzen müssen. Im letzten Winter wurde uns dann bewusst, dass wir für die weiteren Schritte eine exakte Analyse des Zustands des Hauses brauchten. Damit das Zusammenspiel der verschiedenen Erneuerungsmassnahmen funktioniert.

 

Die Analyse haben Sie machen lassen: Wie haben Sie sich im über 40-seitigen Bericht den Durchblick verschaffen können?

Der Umfang der Analyse war echt eine Herausforderung (lacht). Ich habe es mir ganz einfach gemacht, indem ich mit dem GEAK-Experten den Bericht gemeinsam besprochen habe. Er konnte mir die wichtigsten Erkenntnisse aufzeigen.

 

Der Bericht zeigt einige mögliche Sanierungsmassnahmen auf. Welche Überlegungen haben Sie sich hier gemacht?

Ich könnte - gestützt auf den Bericht - so vieles angehen. Am Schluss muss ich mich auf wenige Massnahmen einigen, die sich umsetzen lassen und finanzierbar sind. Es geht letztlich darum, Ressourcen zu schonen, den Komfort und die Lebensqualität zu steigern. Darauf haben wir uns konzentriert.

 

Wie muss man sich die Sanierung konkret vorstellen?

Den Ersatz der Heizung haben wir während den Ferien geplant. Den Einbau der neuen Fenster werde ich vermutlich auch in unsere Ferien terminieren, im Sommer und nicht in der kalten Jahreszeit. So können wir der Baustelle aus dem Weg gehen. Wir sanieren möglichst in Etappen, so dass wir in dieser Zeit nicht ausziehen müssen.

 

Ein Tipp?

Sich für Handwerker entscheiden, denen man vertrauen kann. Diese kommen dann auch, wenn etwas nicht funktioniert. Der billigste Handwerker ist nicht die beste Lösung. Ich selber habe den Anspruch, fair entlöhnt zu werden. So bin ich auch bereit, andere Menschen fair zu bezahlen.

 

Wo haben Sie energetisch noch Potenzial?

Bei der Beleuchtung und bei der Zimmertemperatur. Bei Letzterem bin ich aber im permanenten Clinch mit meiner Frau, die es gerne etwas wärmer hätte.

 

Wie nimmt die Familie das Thema Energiesparen auf?

Wie in vielen Familien drehen sich die Diskussionen um Licht, das zu lange brennt oder wenn ich die Wäsche aufhänge anstatt sie in den Tumbler zu tun. Ich mache mich wegen den Sparbemühungen im Haushalt fast schon etwas unbeliebt (lacht).

 

Wenn Sie das Haus eben erst erworben hätten, was würden Sie im Rückblick beim Sanieren anders machen?

Alles, was wir gemacht haben, war gut so. Ich habe nichts davon bereut oder schon wieder ersetzt. Im Nachhinein wäre es vielleicht vernünftiger gewesen, die Fenster früher zu ersetzen.

 

Was bereitet Ihnen bei der Sanierung Bauchschmerzen?

Das Raumklima beschäftigt mich sehr. Ich habe das Gefühl, ein 200-jähriges Haus darf nicht zu dicht sein. Rein energetisch betrachtet, müsste ich das Haus besser isolieren. Konfrontiere ich einen Experten mit der Frage, ob das Raumklima bei besserer Isolation bestehen bleibt, dann ist seine Antwort nicht schwarz oder weiss. Er kann nicht genau sagen, wie sich das Raumklima dadurch verändern würde und ob dann nicht irgendwo Schimmel auftauchen würde. Oder wenn durch die bessere Isolierung das Cheminée nicht mehr so gut ziehen würde wie jetzt, dann wäre dies enorm schade.

 

Sie müssen sich bei der Sanierung auf Experten abstützen. Wer hilft Ihnen alles?

Nebst dem GEAK-Experten ist für mich aktuell der auf ältere Häuser spezialisierte Fensterbauer wichtig. Und natürlich wird, wenn es um die Finanzierung geht, auch noch mein Bankberater involviert werden.

 

Wie sieht der Kosten-Nutzen-Vergleich?

Wenn man dies nur wegen der Kosten macht, dann saniert man nicht. Es geht primär um Lebensqualität und um die Zukunft unserer Kinder. Wenn jeder nur auf sich und sein Portemonnaie schaut, dann werden wir den Planet schneller verlassen müssen als uns lieb ist. Wir alle sind ja hier nur zu Gast.

Zur Person

Viktor Röthlin
Viktor Röthlin

Viktor Röthlin, Europameister und WM-Dritter im Marathon, bringt mit seiner Firma VIKMOTION (www.vikmotion.ch) Bewegung ins Leben von vielen Menschen. Zudem ist er als Running-Experte bei OCHSNER SPORT angestellt. Der ausgebildete Physiotherapeut ist mit der Kinderärztin Renate verheiratet, Vater zweier Kinder, Luna (7), Ben (5), und er lebt in Ennetmoos NW.