Neue Wege gehen

Weg vom Heizöl, die Hälfte der Energie selbst erzeugt und den CO2-Ausstoss eliminiert! So lautet die positive Bilanz der energetischen Sanierung eines am Ende der 1970er-Jahre erbauten Hauses.

Die massive Bauweise des Gebäudes entsprach bereits zu seiner Bauzeit in mehreren Belangen einem gehobenen Standard bezüglich Wärmedämmung und Energieverbrauch. Auch die grossen Fenster waren schon dreifachverglast, was als Seltenheit galt. Gerne hätten die Besitzer auch eine Wärmepumpenheizung eingebaut. Zwei wichtige Voraussetzungen dazu waren aber noch nicht hinreichend erfüllt. Die als Betriebsmittel verwendeten fluorierten Chlorkohlenwasserstoffe (FCKW) wurden beschuldigt, im Falle eines Lecks die Klimaerwärmung zu begünstigen. Auch die Erfahrungen mit den Erdsonden als Wärmequellen waren noch lückenhaft.

Somit wurde eine bewährte Ölheizung gewählt, allerdings mit einer Niedertemperatur-Bodenheizung, die für den wirtschaftlichen Betrieb einer späteren Wärmepumpe notwendig war. Eine solare Warmwasseraufbereitungsanlage mit einer Fläche von 20 m2 wurde von Anfang an in der architektonisch dafür geplanten süd-orientierten Dachfläche eingebaut.

 

Schon beim Bau des Einfamilienhauses am Ende der 1970er-Jahre wurde viel Wert auf einen gehobenen Standard in puncto Wärmedämmung und Energieverbrauch gelegt.

Schon beim Bau des Einfamilienhauses am Ende der 1970er-Jahre wurde viel Wert auf einen gehobenen Standard in puncto Wärmedämmung und Energieverbrauch gelegt.

Während der letzten fünf Betriebsjahre vor Beginn der Sanierung wurden im Durchschnitt jährlich 3690 Liter Heizöl verbraucht, zuletzt für 3442 Franken. Bezogen auf den Heizwert eines Liters Öl entspricht dies einem Energieaufwand von 38 750 kWh, was eine damals übliche Energiekennzahl von 145 kWh pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m2a) bei einer beheizten Wohnfläche von 268 m2 ergibt. Gleichzeitig wurden 9,8 t Kohlendioxyd CO2 produziert. Bei einem Wirkungsgrad von etwa 84 % des Heizkessels standen damit 32 550 kWh an Wärme für Bodenheizung und Warmwasser zur Verfügung. Zusätzlich wurden im Durchschnitt 4600 kWh elektrischer Strom für Licht, Technik und Haushalt aus dem Netz bezogen.

 

Sanierung von 2012 bis 2014

Eine energetische Sanierung des Hauses drängte sich auf, weil die strengeren gesetzlichen Vorschriften betreffend Wirkungsgrad und Schadstoffausstoss für den bestehenden Heizkessel umfangreiche Anpassungen erforderten und der Ölpreis weiterhin auf hohem Niveau verweilte. Auch die technischen Fortschritte in der Nutzung der Sonnenenergie, besonders dank der Photovoltaik (PV) erlaubten einen wesentlich besseren Ertrag auf der zur Verfügung stehenden Dachfläche.

Nach einer eingehenden Analyse wurden 2012 bis 2014 folgende Arbeiten durchgeführt: Verstärkung der Wärmedämmung der Fensterfronten von 6 cm auf 12 cm, der Dachflächen von 12,5 cm auf 28 cm und die Elimination von Kältebrücken, Ersatz der Ölheizung durch eine Wärmepumpe und zwei Erdsonden, Neugestaltung und Vergrösserung des Solardaches mit 11,4 m2 Solarkollektoren für die Warmwasseraufbereitung und 34,2 m2 PV-Panels. Gleichzeitig wurde die Gelegenheit genutzt, die damals für Fassaden und Dächer oft verwendeten asbesthaltigen Eternit-Schindeln durch Swisspearl-Platten zu ersetzen. 

 

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  • Bohren und Einbau der Erdsonden für die Wärmepumpe.
  • Auf dem Dach werden die MegaSlate H+S Thermopanels 2 zur Warmwasser- Aufbereitung und die MegaSlate II Photovoltaik Solarpanels verlegt.
  • Solardach und neue Wandisolation mit Swisspearl Abdeckung.
  • Die Wärmepumpe von Waterkotte mit Buderus Warmwasser-Aufbereitungsanlage wurden im Technikraum installiert.
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    Positive Bilanz nach sechs Betriebsjahren

    Sechs Jahre nach der Renovation und dem gemeinsamen Betrieb der Solaranlage und der Wärmepumpenheizung können aufgrund der erfassten jährlichen Durchschnittsdaten folgende Schlüsse gezogen werden:

    • Die bessere Wärmedämmung senkte den durchschnittlichen Wärmebedarf des Hauses von 32 550 kWh auf 26 420 kWh, d. h. um 19 %.
    • Die grösste Reduktion des Energieverbrauchs entstand durch den Ersatz der Ölheizung durch die Wärmepumpe. Um die 26 420 kWh für das Haus und das Warmwasser zu decken, braucht die Wärmepumpe lediglich 6540 kWh elektrische Energie. Der Aufwand an elektrischer Energie ist damit, verglichen mit der in der Ölheizung umgesetzten chemischen Energie des Brennstoffes, um mehr als 82 % gesunken.
    • Die PV-Solaranlage lieferte durchschnittlich 5580 kWh Strom, der dank kostendeckender Einspeisevergütung (KEV) für 2167 Franken ins öffentliche Netz eingespeist wurde. Aus dem Netz wurden im Durchschnitt insgesamt 10 900 kWh für 2075 Franken bezogen. Davon wurden 6540 kWh für den Betrieb der Wärmepumpe und 4360 kWh für Haushalt, Licht und Technik verwendet.
    • Der von der Photovoltaik-Anlage ins Netz eingespeiste Strom entspricht ziemlich genau der Hälfte der aus dem Netz bezogenen Energie, d. h. die PV-Anlage erlaubt, bilanzmässig etwa 50 % der elektrischen Energie selbst zu erzeugen. Der Netto-Strombezug beträgt somit nur noch 5320 kWh im Jahr.
    • Die Kosten für den aus dem Netz bezogenen Strom werden fast gedeckt durch den Ertrag der PV-Anlage. Die damit entstandenen Ersparnisse erlauben somit, die Anlage und deren Einbau fast ganz zu amortisieren.

     

    Bewertung des Resultats

    Je nach Produktionsart des aus dem Netz bezogenen Stroms lassen sich schädliche Umwelteinflüsse, insbesondere der grösste Teil der CO2-Emissionen, weitgehend vermeiden. Die Durchschnittsleistung, d. h. der effektive Energieverbrauch von 5320 kWh während den 8760 Stunden eines Jahres, beträgt somit gerade noch 607 W. Dieser geringe Aufwand fürs Wohnen in einem so grossen Haus erlaubt einen riesigen Schritt in Richtung einer 2000-Watt-Gesellschaft.

    Auch die Energiekennzahl ist auf einen tiefen Wert von 20,3 kWh/m2a gesunken und entspricht etwa derjenigen eines Minergiehauses. Gerechterweise muss erwähnt werden, dass der Minergiestandard die aktive Solarenergienutzung nicht mit einbezieht, obschon diese für die Gesamtenergiebilanz eines Gebäudes relevant ist. Die Bewertung des Gebäudes auf der GEAK-Etikette liegt sicher im oberen grünen Bereich. Allerdings gibt es zwischen den Bewertungsstufen der GEAK-Etikette und dem praktisch und/oder theoretisch ermittelbaren Wert der Energiekennzahl keinen klaren und eindeutigen Zusammenhang. 

     

     

    Die Umwelt nimmt bei Raiffeisen einen wichtigen Platz ein

    Raiffeisen will mit einem umfassenden Beratungsprozess einen Beitrag zur Steigerung der Modernisierungsquote beim Heizungsersatz, Wärmedämmmassnahmen und Energieeffizienz in der Schweiz leisten. Das ist im Interesse des Bundes und seiner Klimastrategie 2050, aber auch im Interesse von Raiffeisen (Kundenzufriedenheit). Und letztlich profitiert der Kunde durch Werterhalt und mehr Komfort in seiner Immobilie. Und das gute Gewissen gibt’s noch kostenlos obendrauf. Mit der energetischen Immobilienbewertung in der Wohneigentumsberatung (Raiffeisen Modernisierungsplaner) hat Raiffeisen bereits ein optimales Beratungsinstrument im Angebot.

    Text und Fotos: Jean-Pierre Corbat

    Ein Beitrag von metermagazin.com für RaiffeisenCasa