Betonbau Thusis

Minimal und doch atmosphärisch und grosszügig – so bezeichnet die Architektin Angela Deuber ihr Wohnhaus, welches sie im bündnerischen Thusis für eine Person in die Landschaft gefügt hat.

Text: Archithema Verlag

Für Angela Deuber soll Architektur mit allen Sinnen erlebt werden und sie entstehe durch Elemente, die einen Raum bilden. Architektur müsse inspiriert sein und inspirieren können. «Wir verstehen im Büro Architektur als räumlichen Ausdruck einer Eingebung – Augenblicke des Glücks», sagt die Churer Architektin und führt weiter aus: «Das heisst für uns, ein Projekt muss so entworfen werden, dass es von einer Eingebung getragen ist, welche im Werk erlebt werden kann. Dies kann ein Gefühl, ein Bild sein, welche den Entwurf tragen.» Und durch solch einen Grundgedanken zeichnet sich auch ein Wohnhaus für eine Person in Thusis im Kanton Graubünden aus. «Das soeben fertig gestellte Haus besteht aus drei atmosphärisch unterschiedlichen Bereichen, welche jeweils zu den Enden hin in den Garten geöffnet sind. Dadurch entsteht sowohl ein grosszügiges als auch ein minimales Haus auf einem Geschoss.»

 

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  • Das Haus für eine Person schmiegt sich wie selbstverständlich an den Berghang.
  • Der Entwurf besteht aus einer Stütze, zwei Wänden und vier Gebäudeecken – alles in Sichtbeton gefertigt.
  • Auf dem Dach befindet sich ein gedeckter Autoabstellplatz, ebenfalls in Beton.
  • Im minimal gestalteten Haus entstehen spannende Lichtsituationen mit hellen und dunklen Kontrasten.
  • Immer wieder wird man zum Licht, zur Aussicht hingezogen.
  • Der grosse Wohn- und Essraum öffnet sich vollständig zum Garten hin.
  • Der Blick durch die geschosshohen Fenster auf die Bündner Bergwelt ist atemberaubend.
  • Das Schlafzimmer im Nordwesten ist eher dunkel und introvertiert gehalten. Es öffnet sich zum privaten Aussenraum.
  • Wände und Decke aus Beton sind roh belassen, der Boden dagegen ist geschliffen und gestockt.
  • Das Wohnhaus scheint über dem Garten zu schweben.
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    Das Wohnhaus befindet sich an einem Hang auf einem kleinen Plateau, welches von einer unteren und oberen Böschung begrenzt wird. Eingeschossig breitet sich der vielschichtige und scharf geschnittene Baukörper mit einer Länge von 24 Metern auf dieser kleinen Gartenebene aus. Unterschiedlichste Wände verzahnen das Gebäude in der Topografie, wodurch ein grösserer Raum angedeutet wird. «Die Struktur besteht aus einer Stütze, zwei Wänden und vier Gebäudeecken in hellgrauem Beton, die zusammen eine Einheit bilden», beschreibt Angela Deuber. Die beiden Wände verlaufen parallel zum trapezförmigen Grundstück und tragen zusammen mit der Stütze das Dach, auf dem sich ein gedeckter Autoabstellplatz befindet, natürlich ebenfalls in Beton. Der Sichtbeton wurde vor Ort erstellt. Im Innenraum ist die Oberfläche des Bodens geschliffen und gestockt. Die Decke, die wie die Wände roh belassen wurden, läuft durchgehend von innen nach aussen und kragt im Bereich der Terrasse 3.40 Meter aus.

    Durch den Bezug zum Aussenraum erscheinen die Innenräume grösser, als sie gebaut sind. Zwei Wandscheiben bilden einen zentralen, dreiecksförmigen Eingangsraum und ordnen das Erdgeschoss in drei Räume: Da ist der dunkle, ruhige und introvertierte Schlafbereich im Nordwesten, der sich zum Eingang und dem privaten Aussenraum öffnet, dazu gesellt sich ein langer, grosszügiger, nach Südosten orientierter Wohn- und Essraum mit freiem Blick zum Garten und der Terrasse, und als dritter im Bund ist die nach Osten ausgerichtete Küche, die den Garten mit der schwebenden Terrasse verbindet. Sämtliche drei Räume sind jeweils an ihren Enden durch raumhohe Fenster «unendlich» mit der Landschaft verbunden. Die Ausblicke in die Bergwelt um Thusis sind schlicht atemberaubend.

    Nach der Fertigstellung des in Beton gegossenen Raumgefüges sagte die neue Bewohnerin der Architektin, dass sie nun in einem der schönsten Häuser im Kanton Graubünden wohne. Für Angela Deuber eine wundervolle Bestätigung, dass sie zusammen mit ihrem Team und dem Bauingenieur Patrick Gartmann von Ferrari Gartmann vieles richtig gemacht hat: «Für mich ist dies beim Bauen der glücklichste Moment, wenn die Gebäude fertig sind und sie in der Welt existieren können.»

     

    Ein Beitrag von metermagazin.com für RaiffeisenCasa