Bankgarantie

Der eigentliche Zweck einer Garantie ist die Signalwirkung

Drucken

Garantien werden nur selten tatsächlich ausbezahlt. Volker Käseborn, Leiter Export Finance & Garantien bei Raiffeisen Schweiz, erklärt, was ihr eigentlicher Zweck ist: den Auftraggeber als vertrauenswürdigen Handelspartner etablieren und so neue Geschäftsbeziehungen ermöglichen.

 

Corona hat vieles verändert. Wie hat sich die Pandemie auf das Sicherheitsbedürfnis der Schweizer Unternehmerinnen und Unternehmer ausgewirkt?

Volker Käseborn: Bei Marktunsicherheiten steigt das Bedürfnis nach Sicherheit. Das ist derzeit sicher der Fall. Ich wäre aber vorsichtig, das ausschliesslich der Covid-19-Pandemie zuzuschreiben. Es gibt viele weitere Faktoren, die insbesondere internationale Handelsbeziehungen beeinflussen. Und: Wie man auf solche Unsicherheiten reagiert, ist von Branche zu Branche, ja von Unternehmer zu Unternehmer verschieden.

 

Wie häufig kommt es vor, dass Zahlungen oder Leistungen ausbleiben und Garantien tatsächlich ausbezahlt werden müssen? 

V. K.: Das ist in der Praxis sehr selten: Unsere Kunden pflegen sehr stabile, langfristige Geschäftsbeziehungen. Theoretisch ist die Gefahr momentan sicherlich etwas grösser, dass ein Handelspartner aus purer Liquiditätsnot eine Garantie zieht. Ein unkluger Zug allerdings, denn das hätte nicht nur rechtliche Folgen, sondern würde die Vertrauensbasis nachhaltig beschädigen. Ein solches «unfair calling» kommt darum eigentlich überhaupt nicht vor. Es ist ja ohnehin nicht das Ziel, dass eine Garantie gezogen wird. Die Signalwirkung einer Garantie ist in meinen Augen wesentlich grösser als ihr materieller Wert. Sie zeigt: «Ich geniesse das Vertrauen einer Bank und bin darum auch ein vertrauenswürdiger Geschäftspartner. » 

 

Wie entscheidend ist die Wahl der Bank, bei der man eine Garantie in Auftrag gibt?

V. K.: Sehr wichtig! Je besser das Rating einer Bank ist, desto mehr Vertrauen strahlt eine Garantie aus. Der Begünstigte will sicher sein, dass die Bank zahlen könnte, falls die Garantie gezogen würde. Wenn eine kleine, unbekannte Bank für Millionenbeträge geradesteht, wäre ich misstrauisch.

 

Gibt es eigentlich Alternativen zur Garantie? 

V. K.: In der Schweiz ist die Bürgschaft stark verbreitet, vor allem bei Geschäften zwischen Privatwirtschaft und öffentlicher Hand. Der Begünstigte kommt bei einer Bürgschaft allerdings weniger leicht an sein Geld, weil Einreden möglich sind und allfällige Differenzen vor der Auszahlung bereinigt werden müssen. 

 

Wie wird sich diese Palette künftig entwickeln? Welche Rolle spielt die Digitalisierung? 

V. K.: Es gibt Trends in Richtung einer stärkeren Automatisierung der Prozesse. Einzelne Banken nehmen Garantieanträge mittlerweile digital entgegen. Das sind sicher Schritte in die richtige Richtung. An die vollautomatisierte Garantie glaube ich allerdings nicht. Da ist das Bedenken bei unseren Kunden viel zu gross. Innovationen erwarte ich daher nicht unbedingt in der Abwicklung von Garantien, sondern eher auf der Produkteseite. Beispielsweise zeigen Garantien im Dienstleistungssektor grosses Wachstum. Auch der Bereich Onlinehandel ist spannend. Um nochmals auf Corona zurückzukommen: Die Pandemie hat zu einem Online-Boom geführt, aber auch die Verletzlichkeiten internationaler Lieferketten aufgezeigt. Es ist wahrscheinlich, dass auch hier Garantien vermehrt eingesetzt werden.

Volker Käseborn, Leiter Garantien & Export Finance, Raiffeisen Schweiz
Volker Käseborn, Leiter Garantien & Export Finance, Raiffeisen Schweiz

Volker Käseborn ist Diplom-Kaufmann und Experte für internationale Handelsbeziehungen. Bei Raiffeisen Schweiz leitet er den Bereich Garantien & Export Finance.