Devisenstrategien

Politische Unsicherheit sorgt für Wechselkursschwankungen

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Welche Auswirkungen die Frankenstärke, die Währungsschwankungen und die wirtschaftspolitischen Ereignisse auf Schweizer Unternehmen, deren Jahresrechnung und das Budget haben, erklärt Alexander Koch, Ökonom bei Raiffeisen Schweiz, im Interview. 

Interview mit Alexander Koch, Leiter Makro-Strategie Raiffeisen Schweiz 

Janine Löpfe: Welche Auswirkungen hat die Frankenstärke auf Schweizer Unternehmen?

Alexander Koch: Das hängt ganz von der Geschäftstätigkeit der Unternehmen ab. Für einen Hersteller von Waren beispielsweise, der seine Ware im Ausland oder Inland verkaufen will, bedeutet der starke Schweizer Franken eine Belastung gegenüber ausländischen Wettbewerbern. Händler hingegen, die Waren importieren, profitieren von niedrigen Importpreisen. Jedoch trifft das nicht im gesamten Handel zu. Vor allem in den Grenzregionen leidet der Detailhandel unter dem hohen Einkaufstourismus.

 

J. L.: Welche Auswirkungen haben Währungsschwankungen auf das Unternehmen und deren Jahresrechnung und das Budget?

A. K.: Wenn Unternehmen ihre Rechnungen in Schweizer Franken stellen, hat dies grundsätzlich keine Auswirkung. Die Rechnungsstellung in Schweizer Franken kommt aber nur selten vor, denn die Geschäfte werden meistens in Euro oder US-Dollar fakturiert. Dann weiss man natürlich nicht, wie sich das auf das Gesamtergebnis in Schweizer Franken auswirkt und entsprechend haben Unternehmen dabei keine feste Kalkulationsgrundlage. 

 

J. L.: Welche wirtschaftspolitischen Ereignisse werden 2020 die Schweizer Unternehmen beschäftigen und mit welchen Auswirkungen rechnen Sie? 

A. K.: Im Grunde die gleichen wie dieses Jahr, vor allem der Brexit und die Handelsstreitigkeit. Auch wenn derzeit etwas Entspannung in Sicht ist, dürfte uns dieses Thema langfristig weiterbeschäftigen und auch die Investitionen der Unternehmen weltweit beeinträchtigen. Entsprechend hat es dann auch negative Auswirkungen auf Länder die, wie die Schweiz, exportorientiert sind.

 

J. L.: Wie sehen Sie den Einfluss dieser wirtschaftspolitischen Ereignisse auf die Devisen, Wechselkurse und insbesondere auf den Schweizer Franken?

A. K.: Eine erneute Eskalation bei den Handelsstreitigkeiten kann natürlich wieder Konjunktursorgen auslösen und entsprechend zu einem Schub beim Schweizer Franken führen. Auf der anderen Seite könnte eine Entspannung vorübergehend für Entlastung sorgen. Das Pendel kann in beide Richtungen schwingen. Aber sicher dürfte sein, dass wir mit der unstetigen Politik weiterhin Wechselkursschwankungen haben werden.

Alexander Koch, Leiter Makro-Strategie Raiffeisen Schweiz
Alexander Koch, Leiter Makro-Strategie Raiffeisen Schweiz

Alexander Koch studierte Volkswirtschaftslehre an den Universitäten München und Southampton. Nach einem Aufenthalt bei der Strategieberatung Roland Berger begann er seine Laufbahn in der Bankenbranche bei UniCredit im Firmenkundengeschäft. Sein Weg führte dann weiter über die Länderrisikoanalyse schliesslich ins Economic Research. 2013 wechselte er zu Raiffeisen Schweiz, verantwortete dort erst die Immobilienmarktanalyse und ist nun für die Konjunktur- und Zinsanalyse verantwortlich.