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Auch die Statistik verhindert Inflation
Münzen
Seit 2010 könnte man den Begriff «Inflation» aus Schweizer Wörterbüchern streichen. Die Preise sind bis Ende 2016 insgesamt sogar um etwa 3 Prozent gesunken. Erst in den letzten Monaten deutet sich wieder ein leichter Aufwärtstrend an.
Verantwortlich dafür ist auch die Statistik. Die Inflation wird anhand des «Landesindex für Konsumentenpreise» (LIK) gemessen. Dafür wird basierend auf den Konsumausgaben der Schweizer Haushalte ein durchschnittlicher Warenkorb gebildet. Für alle Produkte in diesem Warenkorb werden die Preise regelmässig erfasst. Deren gewichtete Veränderung ergibt die Teuerung.
Da der LIK nach internationalen Standards erstellt wird, sind durchaus relevante Ausgabekategorien wie beispielsweise die Krankenkassenprämien, nicht im Warenkorb enthalten. Diese haben sich im Gegensatz zur offiziellen Teuerung seit 2010 durchschnittlich um knapp 15 Prozent erhöht. Würde man die Prämien in den LIK einbeziehen, wäre die Teuerung seit 2010 nicht negativ, sondern Null.
Diskrepanz erkennbar
Dass die Preise auch unter Berücksichtigung der Krankenkassenprämien seit nun sechs Jahren nicht mehr gestiegen sind, verwundert. Denn man nimmt im Alltag durchaus Preissteigerungen wahr. Diese Diskrepanz zwischen offiziell gemessener Teuerung und subjektiver Wahrnehmung sind auf zwei Hauptursachen zurückzuführen. Erstens registrieren Konsumenten Preiserhöhungen deutlich stärker als Preisrückgänge. Zweitens gewichten sie in ihrer Wahrnehmung die Preisveränderungen von Produkten des täglichen Bedarfs höher. Werden beispielsweise Autos, welche wir nur alle paar Jahre kaufen, teurer, wird dies nicht als gleich schmerzhaft wahrgenommen wie etwa eine Preissteigerung bei Lebensmitteln.
Inflationsmessung – ein statistisches Konzept
Insgesamt stellt sich damit sogar eher die Frage, warum wir seit 2010 nicht noch stärkere Preisrückgänge gemessen haben. Denn mit der massiven Frankenaufwertung und tieferen Rohstoffpreisen sind die Importpreise stark gefallen. Eine stützende Wirkung für das Schweizer Preisniveau hatten aber insbesondere die kontinuierlich gestiegenen Mieten, welche rund 20 Prozent des LIK-Warenkorbes ausmachen. Daneben hatten nur noch drei weitere Ausgabenkategorien einen schwach positiven Einfluss auf die Preisentwicklung. Schlussendlich ist die Inflationsmessung ein statistisches Konzept mit Annahmen und Abgrenzungen – und kein Naturgesetz.