Mit Investitionsgüter-Leasing flexibel bleiben

Leasing-Trends und warum Unternehmen vermehrt leasen

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Von der Industrie über das Gesundheitswesen bis hin zur Landwirtschaft: Unternehmen finanzieren Investitionen immer häufiger mit Leasing. Marc Hintermeister, Leiter Leasing bei Raiffeisen Schweiz, erläutert die Chancen des flexiblen Finanzierungsinstruments für KMU.
 

Warum leasen Unternehmen?

Marc Hintermeister: Leasing verschafft finanziellen Spielraum. Die letzten Jahre waren ein Stresstest für die Liquidität vieler KMU und gegenwärtig kämpfen etliche Branchen mit steigenden Energie- und Rohstoffpreisen. Mit Leasing lassen sich auch in schwierigen Zeiten Erweiterungs- oder Ersatzinvestitionen tätigen, ohne die liquiden Mittel überzustrapazieren.

 

In welchen Branchen ist Leasing besonders beliebt?

M.H.: Leasing ist insbesondere für Unternehmen interessant, die mit einem raschen technischen Fortschritt konfrontiert sind. So lassen sich neue Technologien schneller integrieren. Industriebetriebe zum Beispiel nutzen Leasing, um ihre Produktion zu modernisieren und zu automatisieren. Aber auch im Gesundheitswesen, auf dem Bau und in der Landwirtschaft spielt die Technologie heute eine entscheidende Rolle. Hier ist der Leasingmarkt in den letzten Jahren ebenfalls stark gewachsen.

 

«Leasing ist insbesondere für Unternehmen interessant, die mit einem raschen technischen Fortschritt konfrontiert sind. So lassen sich neue Technologien schneller integrieren.»

Marc Hintermeister, Leiter Leasing Raiffeisen Schweiz 

 

Raiffeisen bietet seit über 30 Jahren Leasing an. Was hat sich in dieser Zeit verändert?

M.H.: Die Palette an Leasingobjekten ist stark gewachsen. Über PKWs und Nutzfahrzeuge hinaus lassen sich heute auch Roboter oder Photovoltaik leasen. Zudem war Leasing lange mit Vorurteilen behaftet und der Patron der alten Schule setzte aus Überzeugung auf Eigenfinanzierung. Das ist mittlerweile nicht mehr so. Inzwischen nutzt bereits jedes dritte Schweizer KMU Leasing. Unsere Kundinnen und Kunden schätzen vor allem die Flexibilität, aber auch die operativen Vorteile, wie die einfache Abwicklung und die gute Planbarkeit über die ganze Finanzierungsdauer.

Und die Kosten? Fahren Unternehmen mit einem Kauf nicht günstiger?

M.H.: Leasingverträge sind in der Regel auf zwei Drittel der wirtschaftlichen Nutzungsdauer angelegt, und deshalb beginnt sich Leasing schon lange vor Ablauf der Vertragsdauer zu lohnen. Wenn man bei Investitionsgütern eine Vollkostenrechnung macht, schneiden Leasing und Kauf in vielen Fällen gleichwertig ab. Man muss auch sehen, dass Eigenmittel nicht einfach gratis sind und eine Rendite generieren müssen – und die Erwartungen an diese sind oft höher als die Mehrkosten beim Leasing aufgrund von Zinsen und Bearbeitungsgebühren.

 

 «Nutzen statt besitzen» liegt im Trend. Was bedeutet die Sharing Economy für das Leasing?

M.H.: Leasing wird nicht verschwinden, nur weil sich die gesellschaftlichen Bedürfnisse verändern. Vielmehr erwarten wir eine Umverteilung der Leasingnehmer. Autos und Nutzfahrzeuge werden künftig voraussichtlich weniger von den Nutzern selbst geleast. Stattdessen leasen Flotten- und Autovermietungen die Fahrzeuge bei Leasinggesellschaften, um sie dann an die Nutzer zu vermieten.

 

Bei der Automiete sind heute «Sorglos-Pakete» beliebt, die auch Versicherung, Service und Reifen beinhalten. Gibt es diesen Trend auch im Leasing?

M.H.: Ja. Das Leasing von Fahrzeugen und Maschinen beinhaltet immer öfter auch Dienstleistungen. Grundsätzlich wäre der Leasingnehmer für Wartung, Reparaturen und Versicherung selbst verantwortlich, doch bei Nutzungsmodellen mit längeren Laufzeiten sind solche Leistungen vermehrt inbegriffen. 

 

Welche Trends beobachten Sie bei den Leasingmodellen?

M.H.: Die Modelle werden immer flexibler. So lassen sich die Leasingraten zum Beispiel auf die erwirtschafteten Erträge oder die effektive Nutzung abstimmen.

 

«Die Leasingmodelle werden immer flexibler. So lassen sich die Raten zum Beispiel auf die erwirtschafteten Erträge oder die effektive Nutzung abstimmen.»

Marc Hintermeister, Leiter Leasing Raiffeisen Schweiz 

 

Welche Modelle eignen sich für welche Branche?

M.H.: In der Industrie sind progressive Leasingraten verbreitet. Dabei steigen die Raten sukzessive an. Damit bleibt genügend Zeit, um eine neue Anlage einzuspielen und schrittweise hochzufahren. In der Landwirtschaft setzen die Betriebe vermehrt auf saisonale Modelle, um die Leasingraten auf Direktzahlungen oder die Erntesaison abzustimmen. Im Gesundheitswesen sind Pay-per-Use-Modelle im Kommen. Das bietet sich zum Beispiel für eine Gruppenpraxis an, da die Ärztinnen und Ärzte nur die tatsächliche Nutzung der Geräte bezahlen.

 

Wie setzen KMU Leasing optimal ein?

M.H.: Unternehmen sollten Leasing als Option prüfen, bevor sie sich für ein bestimmtes Objekt entscheiden. Mit der Bank im Rücken ist man gegenüber den Lieferanten in einer besseren Verhandlungsposition. Zudem ist das Leasing als Teil des gesamten Finanzierungsmixes zu betrachten – sowohl im jährlichen Budgetierungsprozess als auch in der mittelfristigen Finanzplanung. Am besten erstellen KMU eine Übersicht zu den Investitionsvorhaben und gehen damit auf die Bank zu. Gemeinsam finden wir eine massgeschneiderte Lösung. Ein Rahmenvertrag stellt sicher, dass diese bequem umsetzbar ist.

Marc Hintermeister, Leiter Leasing bei Raiffeisen Schweiz
Marc Hintermeister, Leiter Leasing bei Raiffeisen Schweiz

Marc Hintermeister ist Leiter Leasing bei Raiffeisen Schweiz. Gemeinsam mit seinem Team bietet er den Firmenkunden von Raiffeisen flexible Finanzierungslösungen an – in der Regel ab einem Volumen von CHF 15'000.–.