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Aus Verlusten lernen
Kleinere Verluste sind verkraftbar – sofern man das Geld anschliessen ertragreicher reinvestiert
Kursschwankungen gehören an der Börse einfach dazu. Das wird auch in diesem Jahr nicht anders sein. Zinshoffnungen, durchzogene Konjunkturaussichten und anspruchsvolle Rahmenbedingungen für Unternehmen dürften 2024 sogar für eine überdurchschnittlich hohe Volatilität der Märkte sorgen.
Verlustaversion ist geblieben
Dieses Auf und Ab sorgt für Verunsicherung. Angst ist jedoch ein schlechter Ratgeber, wenn es ums Investieren geht. Und doch ist sie bei Anlegerinnen und Anlegern omnipräsent. Die Angst den nächsten Höhenflug zu verpassen, fliesst nahtlos in die Angst über, einen Verlust zu erzielen. Letztere wiegt jedoch deutlich stärker. «Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach», lautet deshalb die Devise vieler Anleger.
Der Grund für dieses Verhalten ist, dass der Ärger über einen Verlust von 1'000 Franken emotional deutlich stärker wiegt als die Freude über einen Gewinn von 1’000 Franken. Der Hintergrund dafür ist evolutionärer Natur. In einer prähistorischen Welt voller Gefahren hatten die Vorsichtigen grössere Chancen, zu überleben. Es hat sich also bewährt, nicht zu viele Risiken einzugehen.
Dividenden schaffen Vertrauen
So erklärt sich beispielsweise auch die Beliebtheit von Dividendentiteln. Eine Barausschüttung ist reales Einkommen, es wird auf das Konto ausbezahlt und kann verkonsumiert werden. Zudem tröstet es über mögliche Kursverluste hinweg. Das schafft Vertrauen und lässt auf weitere Auszahlungen hoffen.
Dabei sind Gefühle und Hoffnungen beim Investieren schlechte Ratgeber. Vielmehr geht es darum, möglichst emotionslos zu handeln, auch wenn das bedeutet, dass man einen Verlust realisieren muss. Korrekt wäre deshalb: «Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.»
Gewinner halten, Verlierer loswerden
In der Praxis neigen viele Anleger dazu, Verluste auszusitzen, getrieben von der Hoffnung, dass sich die Aktien wieder erholen. Gleichzeitig werden Gewinne sehr oft zu früh realisiert, was im Extremfall bedeutet, dass der Investor auf seinen schwachen Titeln sitzenbleibt und die guten verkauft.
Erfolgreiche Anlegerinnen und Anleger zeichnen sich aber vor allem dadurch aus, dass sie Verluste begrenzen und die Gewinner laufen lassen. Die Frage, die sie sich dabei immer wieder stellen: «Würde ich die Aktie in der aktuellen Situation immer noch kaufen?» Nur weil man eine Aktie besitzt, heisst das nicht, dass sie gehalten werden muss. Entscheidend ist, ob das Umfeld für die Investition noch stimmt, denn dieses kann sich ändern. In diesem Fall lohnt sich ein Verkauf, wenn das Geld stattdessen ertragreicher investiert werden kann.
Ohne Angst investieren
Das Wissen um diese Verlustaversion kann helfen, bessere Anlageentscheidungen zu treffen. Gerade nach einer turbulenten Marktphase zögern Anleger, in risikoreichere Anlagen zu investieren, wodurch langfristige Renditechancen vergeben werden. Zudem lassen sich so emotionale Kurzschlussreaktionen vermeiden.
So oder so sollten Anlegerinnen und Anleger ihre Investitionen mindestens einmal pro Jahr eingehend unter die Lupe nehmen. Im individuellen und kostenlosen Vermögens-Check werden zusammen mit der Expertin oder dem Experten von Raiffeisen Optimierungsmöglichkeiten identifiziert, Chancen thematisiert und die Portfoliostruktur auf das aktuelle Marktumfeld abgestimmt.