Nachfolgeprozess in fünf Phasen

Unternehmensbewertung – Basis jeder Nachfolgeregelung

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Sie dient als Basis zur Preisfestsetzung bei einem Verkauf oder garantiert die Gleichbehandlung mehrerer Nachkommen im Falle einer familieninternen Übergabe: Die Unternehmensbewertung ist ein zentraler Bestandteil in jedem Nachfolgeprozess und sollte entsprechend sorgfältig vorgenommen werden. Nachfolgend wird beschrieben, wie sie funktioniert und worauf zu achten ist.
 


Wert und Preis eines Unternehmens variieren in der Regel. Man unterscheidet ähnlich wie bei Immobilien zwischen dem theoretischen Wert, dem eine objektive Bewertung zugrunde liegt, und dem effektiven Marktwert, der sich aus Angebot und Nachfrage ergibt und zusätzlich von subjektiven Wertvorstellungen geprägt wird.

 

Theoretische Bewertungsmethoden zur Wertfindung

Substanzwertmethode

Bei der Substanzwertmethode wird wortwörtlich die Substanz, also Vermögenswerte des Unternehmens, betrachtet. Der Unternehmenswert wird dabei anhand des Vermögens abzüglich der bewerteten Schulden der Firma bestimmt. Man berechnet also den Wert des Unternehmens anhand der Werte, die effektiv vorhanden sind. Immaterielle Werte wie Potenziale, künftige Einnahmen, vorhandene Partnerschaften mit Kunden und Lieferanten wie auch das Knowhow von Mitarbeitenden werden nicht berücksichtigt.

 

Ertragswertmethode

Bei dieser Methode wird die Ertragskraft eines Unternehmens betrachtet. Der Fokus richtet sich dabei ausschliesslich auf Ertragsströme (Gewinne oder Cash-Flows), welche die Firma in Zukunft erwirtschaften wird sowie die damit verbundenen Renditeerwartungen und Risiken. Zur Berechnung des Ertragswerts prognostiziert man die Ertragsströme des Unternehmens für die nächsten zwei bis fünf Geschäftsjahre ab Bewertungsstichtag. 

 

Praktikermethode

Bei der Praktikermethode werden Substanzwert- und Ertragswertmethode kombiniert, weshalb man sie auch als Mittelwertmethode bezeichnet. In der Schweiz wird der Ertragswert üblicherweise doppelt gewichtet, der Substanzwert einfach. Der so ermittelte Durchschnitt bringt Vermögenswerte und Ertragskraft zusammen. Die Praktikermethode erweist sich vor allem für kleine Unternehmen oft als nützlich und ergibt in der Regel gute Schätzwerte. Im Einzelfall kann sie aber auch total daneben liegen.

 

Discounted-Cashflow-Methode (DCF)

Mit dieser Methode wird der künftige Ertragswert des Unternehmens auf Basis des Free Cashflow nach Steuern prognostiziert. Sie zeigt auf, mit welchen Erträgen ein Investor oder Käufer künftig rechnen kann. Nachdem die zu erwartenden Free Cashflows hergeleitet wurden, werden diese auf den Bewertungszeitpunkt abgezinst. Bei hohen Gewinnerwartungen können mit der DCF-Methode sehr hohe Firmenwerte errechnet werden, die sich am Markt aber letztlich nicht realisieren lassen. Eine plausible und realistische Einschätzung ist deshalb unerlässlich. Die DCF-Methode eignet sich vor allem für etablierte Unternehmen, die seit Jahren einen kontinuierlich wachsenden Gewinn erwirtschaften. Die DCF-Methode wird von vielen Fachleuten als die beste Methode bezeichnet. Jedoch setzt sie zwingend voraus, dass ein Unternehmen über eine qualitativ gute Mittelfristplanung verfügt.

 

Effektive Marktwertmethode zur Wertfindung

Die aus den beschriebenen theoretischen Bewertungsmethoden resultierenden Unternehmenswerte basieren auf einer meist sehr nüchternen Betrachtung von Finanzzahlen. Bei einem Unternehmensverkauf nützen theoretische Werte wenig, wenn kein Käufer auf dem Markt bereit ist, den errechneten Wert zu bezahlen. Zur Plausibilisierung von theoretischen Werten dient die sogenannte Marktwertmethode, bei der ein Abgleich mit effektiv realisierten Unternehmensverkäufen und Transaktionspreisen stattfindet. Marktwerte, die letztlich immer der subjektiven Wahrnehmung des Betrachters unterliegen, müssen daher bei der Wertbestimmung immer berücksichtigt werden. 

 

Welche Bewertungsmethode ist die richtige?

Experten raten Unternehmen davon ab, sich auf eine einzelne Bewertungsmethode zu fixieren. Standardisierte Empfehlungen gibt es nicht. Während ein Unternehmen sehr viel Substanz aufweist (z.B. Maschinenpark), sind andere (z.B. Dienstleister) viel stärker beim Ertrag. Neben intensiven Marktbeobachtungen bietet sich daher fast immer ein ausgewogener Mix zwischen theoretischen und subjektiven Bewertungsmethoden an, um sich letztlich einem möglichst realistischen Unternehmenswert anzunähern. 

 

Methodenmix und Marktbeobachtung

Wo die einen Investoren enormes Potenzial und nutzbare Chancen sehen, überwiegen bei anderen die Risiken und eine kritische Markteinschätzung. Dazu kommen auch schwer quantifizierbare Faktoren wie die aktuelle Geschäftslage, die Marktpositionierung, die historische Entwicklung oder zukünftig Potenziale. Letztlich gilt speziell bei Unternehmensverkäufen zudem auch das Marktgesetz von Angebot und Nachfrage.

 

Fachexperten zur Hilfe beiziehen

Für einen Unternehmer übersteigen die emotionalen Werte des eigenen Unternehmens zudem häufig sämtliche Zahlenwerte. Jahrelange harte Arbeit, Herzblut und so manche Entbehrung zahlen intensiv auf diese subjektiven Werte ein. Sie können in einer realistischen, objektiven Bewertung aber nur selten abgebildet oder in Form eines klar definierten Verkaufspreises abgegolten werden. Auch zwischen den verschiedenen theoretischen Bewertungsmethoden variieren die Resultate, weshalb eine fachmännische Interpretation der Wertbandbreiten empfohlen wird .Für eine marktnahe Bewertung empfiehlt sich deshalb der Beizug eines Fachexperten, zum Beispiel von der Business Broker AG. Die Spezialisten können mit der nötigen Erfahrung bei der Wertermittlung helfen. Im Verkaufsfall wird so sichergestellt, dass eine passende Lösung gefunden und die Transaktion zur Krönung des Lebenswerks wird.

Tipp: Eine Bewertung wird auch bei der Familieninternen Nachfolge empfohlen 

Auch bei familieninternen Nachfolgen sollte eine objektive Bestimmung des Unternehmenswerts erfolgen. Wird eine solche unterlassen, steigt das Risiko, dass das Unternehmen zu einem «falschen» Preis übertragen wird. Dies kann gerade bei mehreren Nachkommen zu Problemen führen, da die Gleichbehandlung nicht gewährleistet wird. Es drohen später erbrechtliche Stolperfallen im Sinne von Übervorteilung sowie vorsorgetechnische Schwierigkeiten. Bei der Festlegung des Übernahmepreises oder Anrechnungswerts müssen auch die Pflichtteils- oder Abfindungsansprüche der Übergebenden beachtet werden, da sich diese nach dem Verkehrswert des zu übertragenden Unternehmens richten. 

Wichtig ist die objektive Wertbestimmung auch deshalb, weil sie beispielsweise im Falle von mehreren Nachkommen eine Gleichbehandlung derjenigen sichert, die nicht für die Nachfolge vorgesehen sind.

 

Wie läuft der Bewertungsprozess in der Praxis ab? 

Für eine fundierte Bewertung sind folgende Prozessschritte notwendig:

 

Methodenwahl
Verschiedene Methoden führen zu unterschiedlichen Resultaten. Ein angemessener Methodenmix führt zu brauchbaren, marktnahen Werten.
Bereinigung
Steuerlich optimierte Buchhaltungsunterlagen zeigen selten die effektive Ertragskraft eines Unternehmens. Mittels einer Bereinigung werden etwa ausserordentliche Positionen, einmalige Anschaffungen, nichtbetriebsnotwendige Aufwendungen und Einsparpotenziale berücksichtigt.
Bewertung
Anwendung des geeigneten Mix aus Substanzwert-, Ertragswert-, Praktiker- und DCF-Methode unter Berücksichtigung der Marktwertmethode.
Interpretation
Sämtliche Resultate sind einer Beurteilung und Plausibilitätsprüfung zu unterziehen. Werttreibende Faktoren müssen bekannt sein, um Bewertungsresultate zu interpretieren.
Abschlussbericht
Bewertungsergebnisse sind stets sauber und detailliert auszuweisen und die getroffenen Annahmen zu dokumentieren. Ein ausführlich kommentierter Bericht macht die Bewertung auch zu einem späteren Zeitpunkt nachvollziehbar und ermöglicht einen fundierten Einblick auch für Dritte.

Fragen und Antworten von Experten

Alexander Cassani, Corporate Finance Experte von Raiffeisen sowie Paul Monn, CEO der Business Broker AG, beantworten wichtige und oft gestellte Fragen rund um das Thema Unternehmensbewertung.